Feenstaub – darum handelt es sich, wenn Alpine Dweller spielen. Dieser soll einen nicht berieseln, aber mit Sicherheit verzaubern. Magie, jedenfalls die, die definitiv nicht esoterisch ist, steht bei dieser Musikproduktion im Vordergrund.

„Wir sind ja nur drei Leut’“, meint Flora Geißelbrecht ganz bescheiden. Dabei gehört sie einem Trio an, das sich nicht vom Mainstream mitreißen lässt, sondern ganz einfach sein Ding macht: Magie. Zumindest ist das das Ziel, wenn Geißelbrecht mit Matthias Schinnerl und Joanna Karácsonyi musiziert. Gemeinsam schaffen sie akustische Momentaufnahmen. Dafür verwenden sie ein ganzes Arsenal von Musikinstrumenten, die hauptsächlich im Saitenbereich angesiedelt sind. Exoten wie Harfe und Ukulele mischen sich mit Bratsche, Cello und Gitarre, Percussion und Gesang.

„Wir wollen in keiner Nische sein“

Karácsonyi setzt sich dafür ein, weder bei Ö3 noch bei FM4 verortet zu werden. Aber auch nicht dazwischen. Geißelbrecht sieht das ein wenig anders: „Wir wollen in keiner Schublade sein, in einer Nische vielleicht schon.“ Karácsonyi ändert ihre Meinung und nickt zustimmend: „Irgendwo, wo’s kuschlig warm ist.“ Sie kichert. Kuschlig warm ist neben Magie ein zweiter Anhaltspunkt ihrer Musik. Der Wohlfühlaspekt soll nicht nur zwischen den dreien bestehen, sondern auch auf das Publikum übergehen. Deshalb geben sie auch am liebsten Wohnzimmerkonzerte im kleinen Rahmen. „Eigentlich machen wir Kuschelpop“, sagt Karácsonyi ironisch und lacht.

Zauberhafte Grundlagen des Kuschelpop

„Der Matthias schreibt die Herzstücke.“, erklärt Geißelbrecht, „Er spielt sie an und wir spielen dann dazu.“ Trotz dieser Ausgangssituation gibt es keine Hierarchie in der Band. Die Songs sind ein gemeinsamer Prozess, der durch Improvisation erarbeitet wird. „Wir skizzieren, und dadurch werden dann Songs gebildet.“, beschreibt Schinnerl. Die Songs verändern sich ständig, weshalb sich die Magie dahinter immer mitverändert. Die musikalische Fernbeziehung, die die drei zwischen Graz und Wien führen, wirkt sich in diesem Fall positiv aus. „Wenn man öfter miteinander spielt, schleichen sich mehr Standards ein.“, sagt Schinnerl. Da ihre Musik improvisatorisch aufgebaut ist, sind diese Standards eher unerwünscht. Geißelbrecht ergänzt die Aussage: „Das was kommt passt, manchmal besser, manchmal schlechter, aber im Prinzip passt es immer.“ Dabei weist sie darauf hin, dass es in der Bandkonstellation kaum gemeinsame Proben gibt.

Ein Konservierungsprozess

Obwohl es der Musikform im ersten Moment widerspricht, haben sich die drei dazu entschieden, eine EP aufzunehmen. Intern bestand die Schwierigkeit, öfter dasselbe zu spielen, da Alpine Dweller eben ihr Markenzeichen genau in der umgekehrten Situation sehen. „Das ist ein Konservierungsprozess, bei dem man einfriert.“, beschreibt Schinnerl die Aufnahme. „Wobei man sagen muss, dass, wenn wir Stücke aufgenommen haben, nicht heißt, dass sie festgefroren sind.“, ergänzt Geißelbrecht. Die Aufnahme zur EP, die bald erscheinen wird, forderte somit eine ganz neue Herangehensweise. „Der Aufnahmeleiter ist an uns verzweifelt.“, sagt Geißelbrecht mit einem Schmunzeln.

Interaktion mit dem Publikum

Obwohl die Interaktion mit dem Zuhörer manchmal ein wenig zu kurz kommt, da die drei völlig in ihrer Musik versunken sind, während sie versuchen den magischen Moment zu schaffen, gibt es immer wieder Situationen, in denen sie dem Publikum kaum näher kommen könnten. Beispielsweise die Laundry-Session, die auf Karácsonyi zurückzuführen ist: Vor dem Waschsalon, der als Konzertsaal genutzt wurde, sammelte sich ein begeistertes Publikum an. In Bezug auf die Idee weist Geißelbrecht darauf hin, dass die meisten verrückten Ideen von Karácsonyi kommen, die sehr anpassungsscheu erscheint. Schließlich hat Alpine Dweller schon mehrere Straßenmusiktouren gemacht. Dabei klapperten sie Kopenhagen, Deutschland als auch Prag mit ihren Instrumentenkoffern ab. Spielten auch mal für Essen, schafften es, obwohl in Kopenhagen, in einen österreichischen Fernsehbeitrag.

Wäscheklupperlbusiness statt Merchandise

Auffällig bei Alpine Dweller ist, dass sie alles selbst machen. Auch im Merchandise-Bereich ist deshalb Kreativität gefragt. Diese ist unübersehbar. „Ich hab’ mich am Wäscheklupperlbusiness ein bisschen ausprobiert.“, erklärt Schinnerl bezüglich ihrer Visitenkarten. Und auch beim Album wird man sich auf selbstgenähte CD-Hüllen freuen können. Falls es zur goldenen Schallplatte kommt, witzeln Geißelbrecht und Schinnerl, habe auch Karácsonyi einen Preis verdient, da sie die kleine Nähfabrik zur CD-Hüllen-Produktion unterhält.

Zwischen Soundcheck und Konzert

„Bei uns ist es so, dass man den Unterschied zwischen Soundcheck und wirklichem Konzert nicht erkennen kann.“, sagt Schinnerl. Der Soundcheck kann sich hier ganz lustig gestalten. Da Karácsonyi und Geißelbrecht aus dem klassischen Bereich kommen und es sich beim Gespielten um Akustikmusik handelt, ist die Band generell nicht technikaffin. „Beim Kabelanstecken stellen wir uns manchmal ganz lustig an.“, sagt Schinnerl. Geißelbrecht erzählt, wie sie beim Soundcheck darauf beharrt: „Bei mir hört man eh was!“ Fraglich, wieso man dann noch verstärken muss. Generell handelt es sich bei ihrer Musik um ein musikalisches Gespräch. „Jeder brabbelt rein.“, erklärt Karácsonyi. Geißelbrecht ergänzt: „Und wir finden einen gemeinsamen Nenner.“ Diesen beschreibt sie auch als „spontane Dynamik“ und verweist auf die Magie, die aus Unvorhergesehenem entstehen kann. „Aber das passiert halt nicht immer. Wenn man versucht, so einen Moment zu inszenieren, ist das dann auch nicht mehr so magisch.“, erklärt sie. Der Soundcheck, der irgendwann ins Konzert übergeht, entspricht auch der restlichen musikalischen Struktur eines Auftritts von Alpine Dweller: „Es gibt kein geplantes Ende, es plätschert meistens aus. Dann müssen wir dem Publikum mitunter andeuten: ‚Jetzt ist’s aus.’“ Der Feenstaub bleibt spürbar im Raum.

Alpine Dweller © Lisa Ossowski

Alpine Dweller © Lisa Ossowski

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