Selten wurde ein angeblicher Underdog so durch den Mediendschungel gezogen wie die in Wien lebende gebürtige Bayerin Ankathie Koi. Sie ist nicht festzumachen und doch stilgetreu.

Sie ist ein bunter Vogel mitten im Popgetümmel der Charts und geht trotzdem mit nichts konform, was man aus dem Mainstream kennt. Sie macht 80er Synthie-Pop und das, als wär es das normalste der Welt. Sie spielt mit den Rollen der Geschlechter und ist dabei ein böses, böses Mädchen. „Mein Sound ist konsistent“, sagt sie, dabei hat sie einen typischen 80erJahre-Sound gar nicht angestrebt. „Das passiert scheinbar automatisch, wenn sich affine Leute in ein Studio setzen und auf Keyboards rumspielen dürfen“, lacht Ankathie in die Kamera. Dabei hat sie leicht Lachen denn die Truppe hinter der Koi ist ein top eingespieltes Team, und man kennt und hassliebt sich schon lange.
Musikalisch ist die Koi schon lange Thema. Sie kennt die ganze Szene wie ihre Westentasche und ist mit zahlreichen Gastauftritten und Koproduktionen durch alle Musikstile vertreten. Wer will, kann sich da gerne durchwühlen: Powernerd, Black Palms Orchestra, Tunesmith et cetera. Die markante Stimme von Ankathie Koi ist auch wahrlich einzigartig und so wandlungsfähig wie ein Chamäleon. Sie versteht Musik in ihrem eigenen Sinn und hat daraus ihren Stil, zu singen, über die Jahre professionalisiert.
Sie spielt live mit dem Publikum, auf den Records verblüfft sie mit einer abgefahrenen Präzession und einer Verrücktheiten jenseits von Gut und Böse. Mit ihrer Band Fijuka war sie gemeinsam mit Kollegin Judith Walzer 2014 erstmals für einen Amadeus Award nominiert – schon damals traf sie die richtigen Leute. Fijuka sind heute bei Seayou Records (Flut, Smieds Puls, Mynth, et cetera) unter Vertrag, und so hat das Label auch gleich das neue Soloprojekt „Ankathie Koi“ blind gekauft – man vertraut auf die irre 80er-Jahre Tante aus der Gegenwelt.

Zum Erfolg mit verholfen hat sicher, dass viele Ankathie Koi Videos von dem Team gemacht wurden, die auch die Bilderbuch Videos gebastelt haben. „Little Hell“ ist ein Track, den die Alterantive-Radios so hart gefeiert haben, dass man dachte, es wäre der einzige Song in deren Playlists. Auch die 40.000 Klicks auf Youtube sprechen eine klare Sprache. Das Video war außerdem für den Österreichischen Musikvideopreis 2017 und weitere einschlägige Preise rund um Kunst, Kultur, Musik und Video nominiert. Die aktuelle Single „Black Mamba“ beschäftigt sich, wie fast jeder Track aus dem ihrem Debütalbum „I Hate The Way You Chew” mit der hohen Kunst, sein Gegenüber subtil und zärtlich über lange Zeit von innen
heraus spröde zu machen, bis es an sich selbst zerbricht. „Ich könnte dir jetzt diesen Teller Spaghetti ins Gesicht zementieren – tu ich aber nicht, es freut mich aber zu wissen, dass ich es könnte“, sagt Ankathie während unseres Interviews. „Es sind eben diese verrückten Vorstellungen, die mich songwriter-technisch antörnen. Viele Songtexte sind mitgehörte und interpretierte U-Bahn-Gespräche. Stell dir die unterdrückte Ehefrau vor, die ihren Mann hasst bis aufs Blut, denn er ist schlecht zu ihr. Trotzdem lebt sie mit ihm harmonisch im Ehealttag. Sie klamüsert ihm seit Jahren Erdnüsse ins Essen und er hat diesen fiesen allergischen Ausschlag im Gesicht, der ihn total entstellt.“ Die ausgleichenden, gerechten Waffen einer Frau. Ankathie lacht schelmisch. „Aber hör dir die Texte selber an – da sind viele solche kleinen Gemeinheiten versteckt und es zieht sich durch’s ganze Album. Eigentlich bin ich aber eine ganz Liebe, ich fresse halt oft Sachen in mich hinein. Wenn sich genug aufgestaut hat, muss ich dann solche Texte schreiben“, erklärt sie nicht ganz ernst gemeint.

Ankathie Koi ist eine Kunstfigur, die immer mehr mit der Realität verschmilzt. Ein ausgedachtes Alter Ego von Katharina Winklbauer, das Einzug in ihr Privatleben hält. „Meine Frise kann ich halt nicht ausziehen wie ein Kostüm“, sagt die Koi und so ist sie auch im Alltag der Paradiesvogel, den man von der Bühne kennt. Sie steht gerne im Mittelpunkt und präsentiert sich am liebsten im Blitzlicht der Kameras. „Ich fühle mich wohl im Spektakel der Semiprominenz“, verhöhnt sie sich selbst am Ende des Interviews. Ja, Ankathie Koi ist eine coole Haut – ein schräger Vogel und ein wirklich verdammt guter österreichischer Popact am Zahn der Zeit.

[Ein Text von Ronny Priesching]

[Dieser Artikel erschine im Sommer 2017 in PARADOX #05]

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