Manchmal braucht eine Band Jahre, um sich zu etablieren, oder sie schafft es gar nicht, und manchmal passiert es auch und das Bandprojekt glückt kurz nach dessen Start. Zu letzteren Fällen zählen auch die selbsternannten Wiener Irokesentango-Punker Turbobier. Mehr über Oden an den Lieblingskellner, Biergenüsse und Mitgrölstimmung.

„Irokesentango, was ist das?“, werdet ihr euch fragen. Das, was Turbobier da raushauen, kann man auch guten Gewissens als Deutsch-Punk bezeichnen. Nur halt, dass Sänger Marco Pogo die Lyrics mit einem griffigen Wienerdialekt zum Besten gibt. Gepfeffert und gesalzen werden die Songs von Textzeilen, durch die ein Regentag zwar noch immer verregnet ist, aber aufgrund von Lachattacken schon um einiges erträglicher wird. Ein Beispiel: „I bin a ziemlich hoarte Sau, i schiff bei Gegenwind.“ Zuvor erwähnter Dialekt wirkt übrigens auch recht ansteckend. Wer sich ein paar Stunden lang nur Turbobier reinzieht, läuft also Gefahr, am Feierabend sein Bier mit den feierlichen Worten „Heast Depata, lås a Bier uma wåchsn, oder es tschepat.“ zu bestellen. Macht aber nichts. Der Dialekt geht, sofern er nicht schon im Vorhinein bestanden hat, wieder weg und der betroffene Kellner ist sicherlich in der Lage das Schlüsselwort eurer Bestellung, „Bier“, herauszufiltern und daraufhin das kühle Blonde gekonnt vor euch zu platzieren.

Steigende Anzahl von verkaterten Tagen

Nun aber mal zu den grundsätzlichen Fakten über die Band. Turbobier, das sind der Sänger Marco Pogo (zeitweise Dr.), Doci Doppler hinter der Gitarre, Baz Promüü am Bass und Fredi Füzpappn an den Drums.
Bekannt geworden sind sie durch das im Juli 2014 auf YouTube veröffentlichte Helene Fischer „Atemlos, durch die Nacht“ Cover: „Arbeitslos, durch den Tag“. Gemeinsam haben Cover und Original wohl die Menge an Alkohol, die beim Anhören von Beiden konsumiert wird. Nur, dass es das eine halt in Szenebars und bei Rockfestivals auf die Ohren gibt und das andere beim lokalen Dorfbesäufnis und wo auch immer Helene Fischer eben auftritt. Wobei es auch nicht auszuschließen ist, dass es nicht das eine oder andere Dorfbesäufnis gibt, auf dem „Arbeitslos, durch den Tag“ aufgelegt wird.
Mit dem Erfolg hätten die vier laut Pogo keinerlei Probleme: „Im Prinzip – wir sind noch immer die gleichen Leute und wir sind ja auch schon länger dabei, beim Musikmachen und Biertrinken, das können wir ja schon gut. So gesehen gibt’s da jetzt keinen Grund, darüber irgendwie den Kopf zu verlieren. Wir stecken’s gut weg. Uns macht eher die steigende Anzahl von verkaterten Tagen zu schaffen.“

2015 ist dann das Debütalbum der Wiener, „Irokesentango“, erschienen. Darauf finden sich 12 Nummern mit den thematischen Schwerpunkten des Alkoholkonsums und des durchschnittlichen Tages im Leben der Punker. Bevor es an dieser Stelle zum großen Rätselraten oder zu Glaubenskriegen über den empfindlichen Begriff „Punk“ kommt, hat uns Marco Pogo bekannt gegeben, was er unter Punk versteht: „Punk ist für mich eine Art und Weise sein Leben zu gestalten und da gibt’s ganz viele verschiedene Wege das auszuleben. Unterm Strich geht es darum, das zu tun und das zu lassen, was man will, ohne dass irgendjemand seinen Senf dazu gibt. Das definiert sich für mich jetzt nicht über modische Erscheinung.“

Ein Jahr später, pünktlich zum Beginn der EM 2016, beschenken Turbobier ihre Fans mit dem Gratis-Download-Album „Drangla Hits 77“, auf dem eine bunte Mischung aus elf Pop- und Rockcovern zu finden ist. Unter anderem auch eine Liebesballade an den allerbesten Kellner mit „Seas“, einer Coverversion von Adeles „Hello“.

Der Erfolg von Turbobier lässt sich jedoch nicht nur durch einen Blick in ihren Tourkalender bemessen, sondern auch durch den Gewinn des Amadeus Awards 2016 in der Kategorie „Hard & Heavy“. Zu der Verleihung des Awards sind sie übrigens mit der Liliputbahn vorgefahren. Die Idee dafür lag für Turbobier als Prater-Kinder auf der Hand, so Pogo: „Es ist uns irgendwie eingeschossen: ‚Es wäre doch geil mit einer Liliput-Bahn zu fahren‘, weil immer versuchen alle mit eine Stretchlimo oder irgend so einem Scheiß aufzutauchen. Aber für Prater-Kinder, wo wir einen Großteils unserer Jugend dort verbracht haben, ist es natürlich schön mit einer Liliput-Bahn zu fahren. Das Konzept ist super aufgegangen. Die Leute haben die Mega-Gaude g’habt, wir haben die Mega-Gaude g’habt. Wir hatten den Ghetto-Blaster dabei und nur Hits gespielt, Bier hat’s gegeben. Wir haben halt viel Zeit im Prater verbracht, das prägt anscheinend und so ist uns das gleich eingefallen.“
Live zu sehen war die Band unter anderem schon beim Novarock 2015 und als Vorband für die Bostoner-Punker Dropkick Murphys bei ihrem Auftritt in der Arena 2015.

Mut zur Dichtheit

Neben ihrer Karriere als Fun-Punkband sind die vier Wiener auch noch politisch aktiv und riefen mit der Bierpartei Österreichs – kurz BPÖ – eine Verbindung für „nachhaltiges Trinken, Chancengleichheit durch individuelle Trinkprofile, sowie Minderheitenförderung von trinktechnisch weniger begabten Menschen“ und vor allem für „Mut zur Dichtheit“ ins Leben. Die Mitglieder der Partei sind dabei vom Bundesgeschäftsführer bis zum Pressesprecher die Jungs von Turbobier selbst. Spannend sei beim Projekt Turbobier im Allgemeinen, wie die Band vom Publikum interpretiert wird, so Marco Pogo. Definitiv als Kunstfigur bezeichnen würde er sich nicht: „Ich glaube, man wird zur Kunstfigur, sobald man sich auf die Bühne stellt, in irgendeiner Art und Weise. Das Schöne daran, so ein Projekt zu betreiben, wie wir das machen, ist, dass man nicht immer vorgreifen und den Leuten alles erklären muss, denn jeder sieht’s ein bisschen anders und genau dadurch bleibt es [das Projekt] auch spannend.“
Promotet wurde die politische Vereinigung natürlich auch gleich von der Band persönlich mit dem Song „Die Bierpartei“ – Mitgrölstimmung garantiert.

Wäre das alles nicht genug, haben die vier Wiener auch noch ihre eigene Biermarke ins Leben gerufen. Um „niemals auf’m Trockenen zu sitzen“, wie sie selbst angeben. Wo es gebraut wird, will Pogo nicht verraten, aber: „Ich kann an dieser Stelle eine Empfehlung aussprechen, denn wir haben es eingehend getestet und es ist köstlich und es macht super-dicht.“ Erwerben kann man es auf Konzerten, im Bandshop oder auch bei verschiedenen Bars und den „schönsten Beisl’n“.

Wann & Wo?

28.07.2016 / DE / Dinkelscherben / Augsburg / Dinkel Festival
29.07.2016 / DE / Mössingen / Umsonst & Draußen
30.07.2016 / AT / Karnberg / St. Veit a.d. Glan / Rock die Schenke
05.08.2016 / DE / Berlin / Resist to Exist Festival
06.08.2016 / AT / Neusiedl am See / Stadtfest
12.08.2016 / DE / Eschwege / Open Flair Festival
19.08.2016 / AT / St. Pölten / Frequency Festival
10.09.2016 / AT / Wiener Neustadt / Schlachthof Open-Air
24.09.2016 / AT / Hollabrunn / Stadtsaal
29.10.2016 / IT / Antholz / Antholz Festival
26.11.2016 / DE / Töging am Inn / Silo1

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