Bulbul hat das Potential für eine Band von absolutem Weltformat, warum die noch keine Stars sind…. keine Ahnung!

Bulbul, ein Vogel, ein Flugzeug, eine Superband (oder „Schamhaar“ auf Philippinisch?). Dieses (grob gesagt „Rock“-) Triumvirat gehört wohl zu den schillerndsten Repräsentanten der österreichischen Musikszene. Bulbul haben sich mit ihrem furiosen Stilmix aus Rock, Improvisation und Spaß in die Herzen vieler Musikbegeisterter auf dem ganzen Erdball gespielt und fast jeder, der sie einmal Live in Aktion zu Gesicht bekommen hat, wird sich dieses Spektakel auch bei nächster Gelegenheit wieder zu Gemüte führen, vorausgesetzt Herz und Ohren sind offen und gut angeschnallt für einen derartig wilden Ritt.

Raumschiff Englmayr

Wie so viele andere ist auch diese, heutzutage unverwechselbare Combo ursprünglich aus einem Soloprojekt hervorgegangen. Der Frontmann, Gitarrist und Sänger (obwohl die Rollenverteilung bei dieser Band zumindest nach außen ziemlich ausgeglichen wirkt) Raumschiff Englmayr (heute „Bulbul-Fredl“) hatte bereits Mitte der 90er-Jahre mit seinem Vierspur-Aufnahmegerät und den wilden Klangexperimenten, die er darauf verewigte, den Grundstein für diese österreichische Underground-Institution gelegt. Jene Home-Recordings, die ursprünglich als Demos für potentielle Bandmitglieder in Spe fungieren sollten, wurden letztendlich vom Raumschiff in Eigenregie auf Tonträger gepresst und kursieren in Kennerkreisen, aufgrund der unorthodoxen Verpackungsauswahl (CD mit Case aus Eisen) als „Eisen-Album“ oder lustigerweise bei englischen Musikfreunden als „Metal-CD“.

metal-cd

Bulbul – Eisenalbum

Etwa ein Jahr später stieß schließlich der heutige Stammbassist Roland Rathmair aka Ratti aka derHunt dazu und läutete das Ende der OneManShow-Ära ein. Anno 1999 wurde endlich das erste Album („das Blaue“) im Bandformat eingespielt, damals noch mit Andreas Gatterbauer am Schlagzeug und Heimo Wallner, Richard Klammer und Martin Zrost an den Bläsern, die ihr Übriges taten zur Kantigkeit jenes Releases beizutragen. Kurz nach der Tour trennte man sich wieder von Gatterbauer, dessen vakante Stelle hinter dem Schlagzeug darauffolgend vom äußerst umtriebigen DDKern belegt wurde, welcher bereits damals für die Linzer Legenden Fuckhead erfolgreich die Felle bearbeiten durfte, und nach wie vor in zahlreichen verrückten Bühnenoutfits eine fantastischeFigur macht.

Endlich komplett!

Bulbul_Fisolenwurf_Klaus_Pichler

Photo Credit: Klaus Pichler

Endlich war sie gefunden, die Besetzung für die Ewigkeit! Auch songwriterisch, sprich im Entstehungsprozess des musikalischen Outputs änderte sich die Methode. Es wurde gespielt und aufgenommen, kollektiv geprobt, gegengehört, weitergespielt… quasi in Endlosschleife. Geht mal nix weiter, werden einfach die Instrumente getauscht und neue Perspektiven fließen in den Sound mit ein. In dem Zusammenhang, wurde auch Ollmann, bereits seit dem „Eisen-Album“ Soundengineer des Vertrauens, öfter als Viertes Bandmitglied mitgezählt.

Die Release-Palette von Bulbul kann sich über die Jahre sehen lassen. Viele illustre österreichische und internationale (Indie-) Labels finden sich in der Diskographie. Ein Mangel an Produktivität kann man Bulbul also von Haus aus nur sehr schwer vorwerfen. Übersteigt der Varietätenreichtum ihres Schaffens doch bei weitem das Spektrum eines einzelnen Labels. Auch in verpackungstechnischer Hinsicht gibt man sich seit jeher exotisch. Von Eisen bis Schweineblut kommt alles vor in ihrem Katalog und erstreckt sich auch über beinahe alle „gängigen“ Tonträgerformate (Cd, vinyl, Kassette etc…). Aber so sind Bulbul nunmal und auf die Frage warum die noch nicht jeder kennt, bleibt nur die Antwort, daß sie sich bisher noch nicht so richtig intensiv darum gekümmert haben. Neben der Tatsache, daß sich ihre Musik weit abseits radiotauglicher Belanglosigkeiten abspielt und dementsprechend auch einiges an Aufmerksamkeit vom Hörer fordert (zumindest auf Tonträger, live wird alles durch die Spektakularität der Performance aufgewogen) gehen sie mit zugrundeliegenden Hintergrundindinformationen bezüglich ihrer Alben, Besetzungen und Texte auch nicht unbedingt hausieren, was der oberflächlichen Zugänglichkeit nicht unbedingt zuträglich zu sein scheint. Genau deshalb ist es aber umso tiefergehend und befriedigend für jene, die das nötige Interesse und festes Schuhwerk für Ihre Ohren mitbringen.

Authentisch-Orgiastische Liveshow!

Die eigentliche Versatilität und Stärke dieses All-Star Konglomerats – beschäftigen sich alle beteiligten Musiker ja auch anderweitig in zahlreichen, mehr oder weniger abstrusen Projekten (Broken Heart Collector, Fuckhead, Good Enough For You, Dieter Von Kroll Experience, BulbulTumido-Bigband, Wipeout und viele andere) liegt aber eindeutig in der Live-Performance, welche durch perfekte Eingespieltheit, authentischen Humor, einer sehr gesunden Portion Selbstironie und vielen lustigen Kostümen besticht und mitreisst. So bietet Bulbul als eine der „weltformatigsten“ Bands der österreichischen Musikszene, auch unerfahrenen Hörern und Betrachtern live ein unterhaltsames Konzerterlebnis, das man nicht so schnell wieder vergisst. Überzeugen Sie sich doch bitte bei nächster Gelegenheit selber!

Photocredit: Klaus Pichler

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.