Die österreichischen Musik-Propheten können schlicht und ergreifend als Pioniere der Neuzeit bezeichnet werden. Sie gehen mit ihren Alben immer einen ganz eigenen Weg, kreieren komplexe Klangteppiche und lassen Genre-Grenzen ineinander verschwimmen.

Der Beginn der Geschichte

Wir schreiben das Jahr 2007 als sich die beiden Produzenten „Camo“ (Reinhard Rietsch * 23. April 1983 in Salzburg) und „Krooked“ (Markus Wagner * 31. Juli 1989 in Lilienfeld) zusammenschließen und beginnen gemeinsam Musik zu machen. Sie haben zusammen viel Spaß, verstehen sich privat sehr gut und ergänzen sich produktionstechnisch hervorragend. Jedoch ist das Duo nicht abgehoben, sie sind immer noch „2 Dudes, die im Wohnzimmer sitzen“. 5 Jahre lang wurde solo „im Verborgenen“ experimentiert, geschrieben und geschraubt. Erste Solo-Releases wurden auf Santorin, BIOS Rec. und have-a-break platziert. Da beide sehr fleißig und umtriebig sind, ist für C & K klar, dass dies „nur“ der Anfang der Geschichte sein wird.

Camo & Krooked verstehen ihre Popularität nicht wie die meisten „Künstler“, sie wollen nicht einfach nur mehr Fame bekommen, sondern sich stetig musikalisch verbessern. Beide wollen sich nicht verkaufen und die Nummer-1-Platzierung nicht mit der Brechstange erzwingen. Doch dieser Erfolg wird mit den Jahren sicherlich nicht zu verhindern sein.

Die 2 Artists sind auf jeden Fall etwas eigen: Wer hätte denn gedacht, das sie ihre Tunes komplett über das Internet produzieren und sich in den Produktionsphasen fast nicht sehen? Irgendwie komisch, aber gleichermaßen genial.

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Camo & Krooked @ Headliner MAG

Durch ihre Vorliebe, die verschiedenen Genres der elektronischen Musik zu vermischen wie etwa Elektro, House, Funk, Dubstep und Drum & Bass, erreichen ihre Musikstücke einen ganz eigenen, seltenen Stil. Diese Besonderheit und der massive Output sind Gründe, warum sie in der Drum & Bass-Szene so schnell bekannt wurden.

Sie releasen auf fast allen wichtigen D´n`B-Labels und werfen im Februar 2010 ihr erstes Album „Above & Beyond“ (Mainframe Recordings) auf den Markt. Die Meinungen der Szene sind eindeutig: das ist Musik von hoch talentierten Jungs.

Obligatorisch hierfür steht der „September“-Remix, das Original stammt von „Future Prophecies“ aus Norwegen.

Review Aboye & Beyond

Der Longplayer ist ein schöner Mix aus Party- und Dancefloortracks gepaart mit etwas ruhigeren Nummern à la Hospital Records und Med School.

Besonders hervorzuheben ist der Song „Tonight“. Diesen sollte man am besten vor jedem Clubabend anhören, die Laune wird explodieren!

Der Track „Lost Heaven VIP“ erinnert von der „Dicke“ der Produktion ein wenig an „Spor“. Tolle treibende, komplexe Strukturen animieren zum „Körperschütteln“! Effektüberladen wirkt „Above&Beyond“ jedoch nie. Viel Gesang bzw. Rap gibt es so nur bei „Bounce“ und „Silence“ zu hören. Bei einigen anderen Tracks beschränken sich C&K auf zwei oder drei gesungene Zeilen (Tonight, You Cry, See You Through, etc.) bzw. Samples (Lost Heaven VIP, Just Hold On). Diese Dosierung ist ihnen jedoch hervorragend gelungen. Das Album wirkt zu keiner Zeit zu poppig oder zu langweilig. DnB so wie er sein sollte: viel Tempo, viel Bass, viel Abwechslung, viel Spass. Ein absolutes Muss für jeden Head, der eine Mitte zwischen eher atmosphärischem DnB und härteren Beats à la Neurofunk sucht. Zwei Worte: abwechslungsreich und energiegeladen.

TREND

Musikalische Vergleiche mit Sigma, Pendulum oder Subfocus scheinen da nicht abwegig. Der große Unterschied besteht aber darin, dass C & K nicht dancefloor-mäßig klingen wollen, sondern ihren eigenen Geschmack verfeinert mit auserwählten Innovationen veröffentlichen. Sie folgen keinem Trend, SIE SIND DER TREND.

In den darauffolgenden drei Jahren folgen drei weitere Alben: („Cross the Line“, „Between the Lines“ und „Zeitgeist“), bei dem erfolgreichsten Drum & Bass-Label unserer Zeit, Hospital Records. Nebenbei absolviert das Duo mehrere Welt-Tourneen und Live-Shows in einem LED-Cage, in dem sie mit einem Laptop und jeder Menge Controllern ein Live Set spielen, dass sich komplett anders anhört als ihre DJ-Sets. Für nahezu jedes Lied haben sie eine Live-Version arrangiert, bei der teilweise nur die Vocals vom Original geblieben sind. In naher Zukunft versuchen sie damit auf den Mond zu fliegen. C & K haben auf nahezu jedem elektronischen Festival der Welt gespielt und fantastisches Feedback erhalten. Sie steigern sich von Album zu Album in einen wahrhaftigen Rausch und kassieren bei jeglichen Award-Shows ab, sodass die Konkurrenz neidisch wird.

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Camo & Krooked – Cover Zeitgeist 2

Review – Cross the Line:

Die Jungs bezeichnen „Cross the Line“ als ihr erstes wirkliches Album – „Aboye & Beyond“ war in ihren Augen „eher eine Ansammlung an Tracks“, die sonst nirgendwo gesignt worden wären. Ich feiere diese Bescheidenheit derb und ziehe meinen imaginären Hut. Der Longplayer besteht aus insgesamt 14 euphorischen, vielseitigen und technisch anspruchsvollen Stücken – von Drum & Bass bis Dance über Dub- und Drumstep hat „Cross The Line“ alles zu bieten!

Kurze Eindrücke zu einzelnen Titeln:

– Get dirty: netter Drumstep Track mit passenden Vocals und guten Tempowechseln. Solide gemacht und recht eingängig.

– Breezeblock: Einer meiner Lieblingssongs auf diesem Album. Harter, hektischer Drumstep mit einer klasse Lead-Melodie, so gefällt mir das.

– Cross the Line: Toller Liquid Funk Sound, schöne Synthies (auch die Effektierung mit Echos und dem Reverse Effekt?! sprechen mich an), schöne Vocals, ein einfaches Drumpattern, das alles zusammenhält.

– In the future & Watch it burn: Hier fahren sie flapsig gesagt dieselbe Schiene wie in „Cross the Line“, gefallen mir persönlich aber fast besser. Wahrscheinlich vor allem, weil ich diesen LFO- oder Whobble-Sound in Verbindung mit ordentlich Sub-Bass so liebe.

– Make the Call: Einmal ganz was anderes: Ein Dance-Titel mit wohl um die 128 bpm, also ordentlichem House-Touch. Nicht schlecht gemacht und grundsätzlich positiv, dass sich die zwei Jungs an etwas anderes wagen.

– Run Riot & Hot pursuit: Noch mal 2 Drumstep Titel, die in meinen Augen recht originell klingen, nicht nur wegen den spannenden Samples, sondern auch wegen der Basslines. Die sind sicherlich Geschmackssache, aber spannend zu hören sind sie allemal (v.a., wenn man selbst eigene Musik macht).

– Anubis: Sehr düster klingender Drum and Bass. Für mich wieder viele interessante Ansätze, die Slides der Bassline finde ich recht spannend. Leider wirkt der Track in meinen Ohren durch die Vocals, die Bewegungen der Basslines und viele Samples, die „im Hintergrund“ für die Stimmung des Tracks sorgen, teilweise überladen.

– The Lesson: Ein Dubstep Track, diesmal mit Rapeinlagen, Hiphop-Einschlag und hartem Drop. Man merkt schön langsam, dass das Album durchaus vielseitig ist.

– Funk you: Ein DnB Intro, Breakdown, House-Passage, die aus Wolfgang Gartners Feder stammen könnte, Build-up, DnB Drop. Einfach grandios… Das hab ich so bisher nur bei Camo & Krooked gehört.

Sie wollen mehr, sie bekommen mehr

Hospital und mediale Präsenz bzw. Bekanntheit öffnen den Beiden weitere Türen. Sie bekommen exklusive RMX-Aufträge von Major-Labels und finden ihre Tunes in bekannten Videospielen wieder. Der Track „The Lesson“ wird als Hintergrundmusik bei dem Spiel Fifa Street (2012) verwendet. Außerdem hat das Duo einen Trailer für das James Bond Spiel „Golden Eye“ von Activision produziert. Ein offizieller Remix-Auftrag zu Lana del Rey´s Erfolg „West Coast“ ist ein weiterer Beweis, welch talentierte Musiker die beiden Österreicher sind. Der Track „Climax“ gehört zu den Tracks bei Gran Turismo 5 und der zusammen mit Metrik produzierte Song „Aurora“ bei Gran Turismo 6.

Zeitgeist

Die beiden Artists haben es geschafft die Musik der 70-er und 80-er aufleben lassen und in ihrem eigenen Sound zu verpacken, den Zeitgeist vergangener Epochen aufzugreifen und mit ihrer Idee des aktuellen Zeitgeists zu vermischen.

Selbst Liebhaber von Daft Punk, Pink Floyd oder Led Zeppelin mögen und schätzen ZEITGEIST.

Diese Platte kombiniert modernen Drum’n’Bass mit Dubstep, French House, analogen Synths, Vocoder, Piano- und Disco-Beats – Genre übergreifend das Album des Jahres. Bei manchen Percussions, Synths, Fades, Drops und Effekten bzw. Filtern bekommt man schlicht und ergreifend Gänsehaut.

Keine Ahnung wie die das produziert haben, mit diesem Album wurde beinahe ein neues Genre erschaffen.

Sofern das Urteilsvermögen nicht täuscht, darf das Album als momentaner Höhepunkt der beiden Klangforscher gehandelt werden.

FAZIT

Camo & Krooked sind weiter auf der Überholspur und man darf sehr gespannt sein, was nach dem Abschied von Hospital Records passiert. Eine Menge Leute freuen sich auf neuen Output von den beiden sympathischen Österreichern.

Fotocredit: Wikipedia, Hospital Records, Interviews bei Headliner Mag, drumandbass.de und redbull.com

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