Die Wurzeln der musikalischen Tätigkeit von Singer/Songwriterin Clara Luzia reichen bis zum Beginn der 90er Jahre zurück. 2005 verließ sie ihre damalige Band Alalie Lilt und beschreitet seither Solo-Pfade, wobei sie aktuell von Catharina Priemer am Schlagzeug, Helene Glüxam am Bass und Lina Seybold an der Gitarre unterstützt wird.

In dieser Zeit haben sich bereits einige Nominierungen für den Amadeus Austrian Music Award angesammelt, so auch dieses Jahr. Clara Luzia sagt über den Preis, den sie 2007 für ihr Album „The Long Memory“ entgegennehmen durfte: „Für alle außerhalb der Branche ist er eher wurscht. Aber: Es ist eine Anerkennung und so gesehen für mich als Musikerin schon schön. Ich freue mich über jede Nominierung, wenn ich auch die Veranstaltung als solche ziemlich schräg finde, aber das lässt sich ja schöntrinken.“ Auch abseits des wichtigsten österreichischen Musikpreises hat sie über die Jahre einen Einblick in die hiesige Musiklandschaft gewonnen. Hinsichtlich eines momentanen Aufwindes für österreichische Musik befragt, sieht sie nicht nur positive Seiten: „Es sind seit circa 2005 viele tolle Labels und mit ihnen teils großartige Bands entstanden. Seit dem Erfolg von Wanda und Seiler und Speer herrscht in manchen Bereichen eine sonderbare Goldgräberstimmung, die auch wieder eher grausige Seiten des Business an die Oberfläche schwappen lässt. In den letzten paar Jahren ist auch wieder ein Backlash in Sachen Gender-Diversität zu beobachten – Bubenbands all over the place und den Buben selbst scheint’s am wenigsten aufzufallen, wenn sie mal wieder unter sich bleiben. Ziemlich befremdlich.“

Musik auf der Theaterbühne

Im Herbst 2015 steuerte Clara Luzia die Musik zu „Lavant!“ bei, einer Produktion des Stadttheaters Klagenfurt zum Leben und Schaffen der Schriftstellerin Christine Lavant, und performte bei den Aufführungen live: „Meine Musik und ich waren nur Dienerin des Stücks, das war zur Abwechslung einmal sehr angenehm. Auf der anderen Seite aber gab es doch wieder etwas mehr Nervosität, zumindest bei den ersten Vorstellungen, weil es eben nicht „mein“ Projekt war und ich nicht dem Ensemble seine Vorstellung verpatzen wollte durch irgendwelche Fehler.“ Mit diesen Performances erreichte sie nicht nur ein anderes Publikum als bei ihren sonstigen Liveauftritten, auch die Interaktion mit ihm war dabei durch die große physische Distanz eine andere. Bei all den Erfahrungen, die Clara Luzia als Musikerin gemacht hat, gibt es ihr zufolge eine Konstante, die gleichzeitig ihren Antrieb darstellt: „Das Gefühl beim Liedschreiben. Ein Moment, wo ich mich mit mir und der Welt sehr ident fühle. Immer noch das Beste an der ganzen Sache und der Grund, warum ich es immer noch mache.“

Der Mensch als politisches Wesen

In ihrem Selbstverständnis sieht sich Clara Luzia als eine politische Songwriterin, da Musik für sie immer eine politische Dimension in sich trägt: „Unpolitische Musik gibt es für mich nicht, da der Mensch per se ein politisches Wesen ist, ergo ist auch die Musik immer in irgendeiner Form politisch zu verorten. Man kann sich dessen nun als MusikschaffendeR bewusst sein oder eben nicht. Ich persönlich finde die MusikerInnen spannender, die sich dessen bewusst sind. Musik rein zur Vertreibung der Stille hat natürlich genauso seine Berechtigung, ist für mich als Zuhörerin aber nicht befriedigend.“

„Ich habe bis vor wenigen Wochen fast zwei Jahre lang überhaupt keine Musik mehr gehört.“

Da mögen die Hörgewohnheiten der Musikerin dennoch ziemlich überraschen: „Ich habe bis vor wenigen Wochen fast zwei Jahre lang überhaupt keine Musik mehr gehört. Jetzt fi nde ich langsam wieder zurück. Im Moment gerade Afrobeat, Trip Hop, House, Spoken Word.“ Ihre prägende popmusikalische Sozialisation erfuhr sie laut eigenen Angaben durch die riesige Plattensammlung der Eltern ihrer besten Freundin, konkreter wird sie allerdings nicht: „Einzelne MusikerInnen kann ich aber nicht nennen, von denen ich mich besonders geprägt fühle.“ Für ihr 2015 erschienenes Album „Here’s to Nemesis“ wurde der dichte Sound der Vorgänger reduziert und damit viel Raum für Luzias Stimme gelassen. Als Blaupause für das Album diente die Interpretation des Songs „Sinnerman“ für Andreas Prochaskas erfolgreichen Alpenwestern „Das finstere Tal“. Die Entstehung ihrer Songs ist eng verknüpft mit außermusikalischen Einflüssen: „Alltagsbeobachtungen – alles, womit ich mir schwer tue, es für mich zu verstehen. Musik ist für mich ein wichtiges Hilfsmittel beim Versuch, die Welt zu begreifen.“

Von Nebenjobs und offenen Rechnungen

Darauf angesprochen, wie schwierig es hierzulande ist, von der Musik leben zu können, zieht Clara Luzia ein durchwachsenes Fazit: „Wenn man musikalisch auf mehreren Beinen steht – mehrere Projekte, Studio-Jobs, Musikunterricht, et cetera – dann ist das nicht schwieriger als jeder andere Freiberuf. Ich habe zwei Jahre ohne zusätzlichen Nebenjob hinter mir und kann es defi nitiv nicht empfehlen. Wenn man, um Rechnungen bezahlen zu können, Konzerte spielen MUSS, geht all das, was Musik so großartig macht, den Bach runter. Dazu kommt die Betriebsblindheit, die sich dann zwangsläufi g einstellt. Ich arbeite nun wieder ein paar Stunden die Woche in einer ganz anderen Branche und bin froh und dankbar, nicht mehr die ganze Zeit in diesem MusikgeschäftSaft schwimmen zu müssen.“ In die gleiche Kerbe schlägt auch ihr Tipp für ambitionierte MusikerInnen: „Nicht dem ominösen Traum nachrennen, von der Musik leben zu wollen – zumindest diese Last nicht einem einzigen Projekt umhängen. Das zerstört das Projekt. Mehrere Standbeine aufbauen, die Last verteilen.“

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