Die musikalische Reise des “Edenbridge”-Mitbegründers von seinen braven Anfängen im Schulunterricht, über schallenden Heavy Metal, bis hin zu Kompositionen zu einer Doku-Reihe über Österreich.

Alles begann mit Flötenunterricht im zarten Alter von sechs Jahren und der Entscheidung zwischen Fußball und Klavier. Einige Dekaden später hat Arne „Lanvall“ Stockhammer ein Soloprojekt, ein akustisches Projekt namens Voiciano und die über die österreichischen Grenzen hinaus erfolgreiche Symphonic Metal Band Edenbridge auf die Beine gestellt. Einen weiteren Meilenstein in seiner musikalischen Karriere erreichte er 2016 durch seine Mitkomposition an der Filmmusik zur ORF Dokumentation „Über Österreich“. Welchen Weg der talentierte Komponist und Musiker zurückgelegt hat und was ihn nach etlichen Jahren im Musikbusiness noch immer motiviert, zu Instrument und Tabulatur zu greifen? – Die unbezahlbaren Momente, die er damit erleben darf.

Erste Schritte

Schuld an Lanvalls Hingabe zur Musik hat mitunter die tägliche Musikstunde mit Chor und Orchester, die Lanvall während seiner Volksschulzeit begleitete. „Natürlich hat man als Kind auch andere Träume“, erinnert er sich zurück. „Ich wollte beispielsweise Rennfahrer werden – die Liebe zum Motorsport ist bis heute ungebrochen. Als Fußballer war ich auch nicht untalentiert, aber ich musste mich im Gymnasium zwischen Fußball und Klavier entscheiden.“ Wie an Lanvalls Werdegang unschwer zu erkennen ist, fiel seine Wahl auf das Klavier. Zwölf Jahre klassische Ausbildung auf diesem Instrument sowie autodidaktisches Erlernen von Bass und Gitarre als in seiner Teenagerzeit seine Liebe zum Heavy Metal entflammte bereiten seinen Weg im Musikbusiness.
Ganz von Zweifeln verschont blieb aber auch Lanvall nicht und erprobte sich daher nach der Matura zuerst im Wirtschaftsstudium. Nachdem er jedoch deutlich mehr Zeit mit Songwriting verbrachte, wurde ihm bald klar, dass er seiner wahren Leidenschaft mehr Platz einräumen musste, als ihm ein konventionelles Studium jemals ermöglicht hätte. „Ich kann nur sehr schwer Autoritäten über mir akzeptieren und wollte immer mein eigener Chef sein“, gesteht Lanvall und fügt an, dass er für einen „normalen“ Job vollkommen ungeeignet sei.
Nachdem er der Wirtschaft den Rücken gekehrt hatte, professionalisierte er sein musikalisches Können durch ein Rockgitarre-Studium am American Institute of Music in Wien und brachte sich selbst Komposition bei. „Von da an gab es nie wieder Zweifel, obwohl die ersten Jahre ein steiniger Weg waren.“

Zwischen Metal, Klassik und Filmmusik

Seine ersten Gehversuche im Musikgeschäft unternahm Lanvall als Solokünstler und veröffentlichte zwischen 1994 und 1997 drei Alben. Ein reger Album-Output sollte sich auch für die nächsten Jahre als charakteristisch für den gebürtigen Oberösterreicher erweisen. Sein Soloprojekt wurde von der Symphonic Metal Formation Edenbridge abgelöst, in der er sich als Mitbegründer an Gitarre und Keyboard austobt und im Songwriting Klassik und Metal verbindet. Elf Studioalben hat Lanvall mit Edenbridge bisher hervorgebracht und mit ihnen internationale Bekanntheit erreicht. Mit dieser Band gelang dem Musiker auch die langersehnte finanzielle Unabhängigkeit von „bürgerlichen“ Berufen: „Ich habe das Glück und Privileg, seit 15 Jahren ausschließlich von der Musik leben zu können. Glück bedeutet aber auch harte Arbeit und Selbstdisziplin, sonst bringst du es in dem Business nicht weit.“
Der innere Drang, Musik zu erschaffen und sich selbst weiterzuentwickeln, niemals auf dem Erreichten stehen zu bleiben und sich auszuruhen treibt Lanvall immer aufs Neue an. So entstand auch sein Akustik-Projekt Voiciano, an dem er gemeinsam mit seiner Partnerin und Edenbridge-Frontfrau Sabine Edelsbacher arbeitet. Die Idee zu Voiciano wurde auf dem “1000 Jahre Hanoi Fest” in Vietnam geboren, als er dort einen Kurzauftritt mit Edelsbacher absolvierte. „Die Einfachheit der Abläufe hat uns riesigen Spaß gemacht. Man lässt sich ein Mikro und einen Flügel bereitstellen, geht auf die Bühne und spielt“, so Lanvall. Inspiriert durch bereits existierende Songentwürfe gestalteten sie wenig später ihr erstes Akustik-Album „Everflow“.
Neben Edenbridge und Voiciano ist für Lanvall aber immer noch Platz für mehr, und ein Hauch von Schicksal führte ihn zu seinem nächsten Unternehmen: „Als ich alte Camcorder-Kassetten digitalisieren wollte, kam ich mit dem Cutter von Riha Films zusammen, der bei unserem letzten Videoclip Assistent war. Er sprach mich auf ein kommendes Riesenprojekt an, bei dem mehrere Komponisten für die Musik zuständig sein sollten.“ Bei dem Riesenprojekt handelt es sich um die Dokumentationsreihe „Über Österreich – Juwele des Landes“ von Georg Riha, einem österreichischen Fotografen und Filmemacher. Die vierteilige „Hommage an unser Land“ – wie sie Riha bezeichnet – zeigt Österreich aus der Vogelperspektive und wurde im Mai 2016 ausgestrahlt. Renommierte österreichische Komponisten – darunter auch Lanvall – gestalteten die Musik zu den Dokumentationsfilmen. „Es macht unheimlich Spaß, zu diesen sagenhaften Naturbildern unseres traumhaften Landes Musik zu komponieren“, ist Lanvall begeistert und freut sich auf die Fortsetzung der Sendung 2017.
Nach all diesen Erfahrungen bleibt der kreative Prozess, wie sich kleine Ideen und Fragmente zu einem großen Ganzen verbinden und letztendlich ein Album entsteht, für Lanvall das Spannendste am Musikbusiness. „Natürlich darf man auch die Bühne nicht vergessen, den direkten Kontakt zu den Fans und die angenehmen Seiten, wie damit große Teile der Welt zu sehen“, fügt er an.
Mit seinem Ehrgeiz und der Hingabe zur Musik im Gepäck ist wohl lange noch kein Ende von Lanvalls musikalischer Karriere in Sicht. So werden auch nach der Fortsetzung der Dokumentationsreihe und dem kommenden Edenbridge Album im Februar 2017 noch weitere unbezahlbare Momente auf den leidenschaftlichen Musiker warten.

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