Intelligente, reflektierende und menschliche Texte, gepaart mit einem Wahnsinns-Flow auf wunderschönen Beats. Traumhaft!

„Das hier ist weitaus größer als das der Gestörten, die oberflächlich von Tiefsinn rappen – auf Klavierklängen.“

CR7Z besitzt eine richtig tolle Reimtechnik, scheißt aber öfter mal auf den Reim, wenn es der Message guttut.

Die Kunst als ein ehrliches Ventil

Christoph Hess war schon immer ein gedankenversunkener Typ. Als Kind widmete er seine Freizeit dem Zeichenblock, um seinem Seelenleben Ausdruck zu verleihen.
Wir schreiben das Jahr 1998, als Chris, inspiriert vom “The Swarm”-Album des Wu Tang-Clans, seinen ersten – damals noch englischsprachigen – Text schreibt. Sein Interesse für das Verfassen von Raps schwappt schnell auf die deutsche Sprache über, er beginnt, sich unzählige Alben anzuhören und für sich im Stillen an seinen deutschen Lyrics zu feilen.
Mit 15 Jahren kommt es zum ersten „Gastspiel“ in der Öffentlichkeit: Auf einer Hip Hop-Jam in seiner Heimatstadt Rosenheim bietet Cr7z seine Künste im Rahmen eines Auftrittes dar. Schnell knüpft 7z an die städtische Szene an und kollaboriert lokal mit einigen Artists, während er unermüdlich an seiner Technik feilt. Die Übung trägt schnell Früchte: Auf über 100 Freestyle-Battles beweist er sich und gewinnt nahezu jedes – sei es auf der Bühne oder auf der Straße. Zu dieser Zeit erreicht DJ Junior von der legendären Münchner Crew Feinkost Paranoia ein Demotape des Ausnahmekünstlers. Dieser organisiert ihm Auftritte auf zahlreichen Jams in Österreich, der Schweiz und Deutschland.

Jedoch liegt ein Schatten über der florierenden Entwicklung des MCs: „Falsche“ Freunde und Alkoholprobleme reißen ihn oft in die Abgründe seiner eigenen Seele und in die Isolation, sodass dieser sich weniger mit Bühnenpräsenz beschäftigt, dafür aber weiter unermüdlich an seinen Fähigkeiten arbeitet und sich mit deren Hilfe immer wieder alles von der Seele schreibt, um sich erneut hochzuziehen. Den intakten Teil seines Umfeldes bilden Freunde mit Homestudios, die ihn ermutigen, weiter an der Kunst festzuhalten und ihm Recording-Sessions ermöglichen, um seine auf CD gepressten Songs unter der Hand auf Jams anzubieten.
„Rap ist ein Ventil für mich, aber ich hab früher auch gezeichnet. Das war ein fließender Übergang zur Musik. Das Zeichnen war meine erste Leidenschaft. Bleistiftzeichnung, Realismus. Jetzt male ich quasi in Worten und zeichne gar nicht mehr“. Bis 2007 sei seine Raptechnik „ziemlich schlecht“ gewesen, sagt er später. „Im Endeffekt bin ich nicht einmal talentiert.“ Darauf folgen die ersten Free-Konzeptalben “Pein” und “Zurück zum K7nd” und weitaus über 100 Freetracks und Exclusives, auf denen Cr7z seine Probleme konzipiert, offenlegt und sich Gehör verschafft.

Schon einige Zeit wird er vom Label „58Muzik“ via Internet beobachtet und nach einer Zeit angefragt, dem Team beizutreten. Es folgt eine lange Phase von Schreibprozessen, in der zahllose Exklusiv-Tracks den Weg an die Öffentlichkeit finden, bis Anfang 2013 sein erstes physisches Release “AN7MA” erscheint. Nach wie vor nimmt Cr7z’s Leidenschaft zu Rappen stetig zu und er ist – im Gegensatz zu vielen anderen MCs – nach dieser langen Zeit immer noch mit ganzem Herzen dabei. Einen langen Weg ist der Mann aus Rosenheim bereits gegangen, doch dies bleibt für ihn stets der Anfang.

Studioalben

„An7ma“ – VÖ: 28. Januar 2013

cr7z-an7ma- bearbeitet

In „Feuer Im Glas“ behauptet Cr7z: „Ich setze da an, wo es weh tut“. In diesem Track rappt er über seine „Vorliebe“ zu Alkohol, nimmt kein Blatt vor den Mund und führt ein Zwiegespräch mit dem Teufel. „An7ma“ umfasst Themen von derart schmerzhafter Intensität, man möchte, sobald Cr7z mit einem fertig ist, aufstehen und sein Gesicht in einen Ventilator stecken, um sich wenigstens wieder ein bisschen aufzuheitern.

„Ich enter‘ neue Gebiete, jedes Lied ist ein Visum.“ Der Einreise ins Tal der Tränen steht nichts im Wege. Mit stellenweise schon ekelhaft plastischen Schreckensszenarien schildert er sein Leid, seine inneres Ringen mit dem überall lauernden, mit Engelszungen lockenden Wahnsinn, seine Erfahrungen mit Verlust, Trauer, Verletzungen, Hilflosigkeit und Zorn.
Statt in den Chor der weinerlichen Heulsusen einzustimmen, schürft er allerdings tiefer – auch auf die Gefahr hin, schwärende Wunden immer wieder aufs Neue aufzureißen. Er beweist weit mehr „Weitblick“ als nur bis zum eigenen Bauchnabel. „Cr7z lässt dich das ganze Drama fühlen.“
Er seziert seine Zeit, die eine kalte, sich selbst entfremdete Gesellschaft blinder Technik-Gläubiger und nebenbei noch die komplette Rap-Szene mit messerscharfem Skalpell, bis am Ende nur noch blutige, brandige Fetzen übrig bleiben. „Ich hab‘ gelernt, dass es manchmal weiser ist, die Fresse zu halten“, erkennt er. Zuweilen tut es aber trotzdem bitter Not, dass jemand ein paar Wahrheiten ausspricht. Mit Wortschatz, Wissen, und Wachsamkeit gesegnet, ist Cr7z dafür wahrlich nicht der schlechteste Kandidat.
Seinen steten Flow speist ein nur so sprudelnder Bilderquell, der sich, je nach Bedarf, bei Physik, Philosophie oder Mystik, Musik, Literatur oder Filmen bedient. Allgemeinbildung hilft, auch wenn sie ihre eigenen Gefahren birgt – solche, denen die Mehrheit seiner Artgenossen nie ins Auge blicken muss: „Mein eklektisches Denken hält mich in Fesseln.“
Die Texte gestalten sich so vielseitig, wandlungsfähig und unberechenbar, dass vier, fünf, selbst sieben Minuten lange Tracks einem nicht länger vorkommen als ein Wimpernschlag. Es spricht nichts dagegen, den Dreieinhalb-Minuten-Rahmen zu sprengen, immer vorausgesetzt, dass es nicht langweilig wird – eine Gefahr, die bei Cr7z keine Sekunde lang besteht.
Wie so häufig sorgen Kontraste für den besonderen Anreiz: die Kombination aus tief brummelnden Saiten und einem klassischem Boom-Bap-Beat in „Fragezeichen“, etwa.

„Vielleicht erreicht dich einer der Reime durch all den Schrott an deinem Ohr.“ Es lohnt sich. Cr7z schildert persönliche Traumata, zurückliegende Drogenerfahrungen, die sich zu körperlicher Pein auswachsende Qual des Verlassen-Werdens bis weit über jede Schmerzgrenze hinaus. Gleichzeitig wehrt er sich aber entschieden dagegen, im Meer der Hoffnungslosigkeit zu versinken und abzusaufen: „Verwechsel‘ mich nicht mit ’nem Pessimisten“, warnt er. „Ich rette dich, wenn du am Ende bist.
Jede Hoffnung auf Gnade fahren lassen sollten dagegen besser die Scharen un- bis halbtalentierter Möchtegern-MCs, die die Hip Hop-Lande fluten. „Wie kann man sich nur dermaßen martern?“ Eine berechtigte, dem gelegentlich äußerst geräderten Kritiker wohlbekannte Fragestellung. „Im Namen des Rap“ führt Cr7z jedoch mit dem flammenden Schwert seiner Zunge, „jeder Reim ein Brandschatz“, einen Kreuzzug gegen all die Blender, die sich im Geschäft breit gemacht haben.
Mit dem rostigem Prügel, immer feste drauf auf jede Pop-Attitüde: „der Idealfall wäre, wenn Talent sich durchsetzen könnte.“

„Hydra“ – VÖ: 6. Dezember 2013

cover_cr7z_hydra_bearbeitet

„Jeder, der meine Musik etwas länger verfolgt, erkennt ganz deutlich, dass ich versuche, das Volk zu retten.“

An7ma“ war nur der erste Schritt.“ Neben dieser Verheißung umreißt das zu Anfang kurz angesprochene „Yuki“ auch gleich, was seinen Schreiber aus der Masse der Konkurrenz hervorhebt: „Du spürst schon ganz genau, dass ich in Gehirnen wirke, wie das Betrachten der würdevollen Gestirne, ähnlich den Verführungskünsten Circes, man fühlt mich sehr präsent.“

Besser lässt sich die nachhaltig aufwühlende Wirkung, die Cr7z‘ machtvolles Vokabular hinterlässt, schwer in Worte fassen. Seine Zeilen zielen unmittelbar auf Herz und Hirn seiner Hörer und graben sich auf dem Weg dahin tief ins Fleisch. Den Stil seines Vortrags darf man gerne ein wenig eintönig finden. Bei Cr7z liegt der Fokus allerdings weniger auf dem Wie als darauf, was er sagt.
„Jedes der Lieder, die ich kreierte, ist ein Vermächtnis“, preist ein Künstler mit einem neuen auch seine früheren Tracks an und verspricht: „Irgendeiner der 300 wird dich böse flashen“. Kein Wunder: So viel Verachtung muss man in einem einzigen Wort, dem letzten nämlich, erst einmal unterbringen.
Dabei hat Cr7z offensichtlich gar kein grundsätzliches Problem mit Klavierklängen. Er nutzt sie selbst gerne, etwa in „Siegeszug“, beim „Sprung in das Blaue“ oder in „Geboren zum Rappen“. Hier untermauern sowohl Cr7z selbst als auch sein Labelkollege Absztrakkt den Anspruch, mit dem sie sich den unbescheidenen Titel bei Vinnie Paz ausborgen. Dessen aggressive Zeilen aus „Role Of Life“ finden dann auch per Cut Eingang und setzen grantige Akzente.

Die Krönung durch den „König“

2013 adelt Kool Savas die Mixtur. Im Interview mit Hiphop.de offenbart der King of Rap: „Jetzt im Moment ist der einzige deutsche Rapper, den ich höre, tatsächlich Cr7z.“ Der Ritterschlag, von einem Mann der auf die Tugenden „eines richtigen MCs“ großen Wert legt. Musik bedeutet für den so Gelobten innere Kraft und Reinigung. Ob der ausgewiesene Lyriker deswegen in der angerauten und oft klischeebehafteten Rapwelt als Emo oder Esoteriker tituliert wird, ist ihm gleich. Cr7z funktioniert als eine Formel gegen Wackness und Image-Rap.

FAZIT
Ein echter MC, der über sein Leben schreibt! Die Tracks gehen durch das Ohr direkt ins Herz!
Emotionale Menschen heulen bei seinen Tracks Rotz und Wasser und spüren den echten Wahnsinn des Lebens in jeder Pore auf der Haut.
Das geht so wahnsinnig tief, dass ein neues Wort erfunden werden müsste!

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