Pentatonix haben sich in den Kopf gesetzt, die „erste Acappella-Band mit Mainstreamerfolg in der Neuzeit zu werden“ – Wie das klingt und ob sich so was durchsetzen kann, könnt ihr hier nachlesen!

Wenn man das erst mal so hört – Mainstream-Acapella – dann wundert man sich wohl zuerst, was man darunter überhaupt verstehen soll. Acapella ist wahrscheinlich jedem hier ein Begriff, aber wie soll man das fürs Radio aufbereiten? Lässt man sich das aber mal durch den Kopf gehen, wird einem klar, dass die Grundsteine dafür mit dem Beatboxen bereits gelegt sind. Was die Mitglieder von Pentatonix allerdings von den meisten Künstlern unterscheidet, ist, dass sie mit ihrer ganz eigenen Art Musik zu machen bereits international erfolgreich sind.

Durch eine Niederlage zum Erfolg

Es hat – wie bei vielen Bands – in der Highschool angefangen. Kirstin Maldonado, Mitch Grassi und Scott Hoying aus Arlington, Texas, hatten übers Radio von einem Gesangswettbewerb gehört, der als Preis ein Treffen mit dem Cast von Glee ausgeschrieben hatte. Als große Fans der Serie beschlossen sie, unter dem Namen Trio mit einer Acapella-Version des Songs Telephone von Beyoncé teilzunehmen. Gewonnen haben sie zwar nicht, allerdings erregten sie mit dem Video von ihrem Auftritt über das Internet einiges an Aufsehen: Es hat mittlerweile über 700.000 Views. Als sie nach der Highschool über das gelegentliche Zusammenarbeiten mit anderen Bands von der Castingshow The Sing-Off 2011 erfuhren, und sehr begierig darauf waren daran teilzunehmen, mussten erst einmal noch ein paar Bandmitglieder her, da sie mit weniger als vier Leuten nicht antreten durften. Über Bekanntschaften wurden dann Avriel Kaplan und Kevin James Olusola für die Band rekrutiert, von denen Letzterer schon vorher über Youtube mit seinem „Celloboxing“ bekannt wurde – eine Mischung aus Cellomusik und Beatboxing.

So ausgestattet mit einem Beatboxer, einem Mezzosopran, Bass, Countertenor und einem Bariton war die Band ein voller Erfolg – mit ihren Acapella-Covers bekannter Poplieder (unter anderem „Video killed the Radio Star“, „Surivior“ und einem Britney-Spears-Medley) gewannen sie die Show.

Danach ging’s im Jänner 2012 gleich weiter mit einem Plattenvertrag bei Sonys Madison Gate Records mit Ben Bram als Produzent – da hat es auch nicht viel ausgemacht, dass die drei Gründungsmitglieder ihre Ausbildung abgebrochen haben, um den Wettbewerb zu gewinnen.

Heute Texas, morgen die ganze Welt!

Während der Arbeit an ihrer ersten EP „PTX, Vol.I“ veröffentlichten sie weitere Acapella-Cover auf Youtube „Um das Interesse der Fans, die sie beim Sing-Off gewonnen hatten, aufrecht zu erhalten .. und um neue zu gewinnen!“. Der Plan schien aufzugehen: die Songs waren allesamt ein Erfolg, einige der Videos bekamen sogar das Attribut „viral“ zugeschrieben. Als die Platte an im Juni 2012 rauskam, verkauften sich ganze 20.000 Stück innerhalb der ersten Woche – und einen Platz in den Top 20 der Billboard Charts gab’s auch.

Im Herbst des gleichen Jahres gingen die Fünf auf ihre erste Tour: 30 amerikanische Städte, allesamt ausverkauft. Nach der Veröffentlichung ihrer Weihnachts-Ep „PTXmas“ folgten Auftritte in Talkshows und bei Awardverleihungen, sowie für die Unterstützung von Spendensammlungen für Kenya und für Krebspatienten.

Anfang 2013 gab es noch eine Tour durch die USA, bei der sie auch eigenes Material für ihr zweites Album schrieben. Während dieser Zeit erschien auch ihre erste Single: Ein Cover von „Can’t hold us“ von Macklemore & Ryan Lewis, die ihnen zusammen mit einem Medley mehrerer Lieder von Beyoncé unter anderem 26 Millionen Views und einen Auftritt bei der Ellen Degeneres Show einbrachte. Dann folgte auch schon die Veröffentlichung von „PTX, Vol. II„, das an den Erfolg des Ersten nicht nur anknüpfen, sondern diesen sogar übertreffen konnte: Diesmal wurden gleich 31.000 Kopien in der ersten Woche verkauft, und sie stiegen von den Top 20 in die Top 10 der Billboard 200 auf.

„Wir treffen uns grundsätzlich jeden Tag. Manchmal üben wir nur zwei Stunden, manchmal sind es aber auch acht.“

Und wie klingt das nun eigentlich?

Fast zeitgleich zum zweiten Album erschien auch ihre zweite Singleauskopplung, ein Medley von Coverversionen der Band Daft Punk. Das Video ist mit 92 Millionen Views nach wie vor ihr meistgesehenes auf Youtube. Allerdings will ich hier viel lieber das Lied auf Platz zwei vorstellen: eine musikalische Zeitreise vom 11. Jahrhundert ins Jetzt, das ihr künstlerisches Spektrum wirklich perfekt präsentiert. Es nennt sich „Evolution of Music“ und ist natürlich wie alle anderen Lieder a cappella. Hier der Song:

Neben dem nicht zu verleugnenden Unterhaltungswert des Videos ist es einfach faszinierend zu sehen, wie scheinbar leichtfüßig Pentatonix zwischen Geschwindigkeit, Stil und vor allem der Verteilung der Stimmen wechselt. Man will gar nicht daran denken, wie viel Geduld, Überlegung und Proben es gebraucht hat, das Video so aufzunehmen, wie man es dann letztendlich bewundern kann. Vor allem aber die Bandbreite überrascht: Sie haben weder mit Beethoven noch Justin Bieber Probleme, die Essenz der Songs überzeugend und interessant aufbereitet wiederzugeben.

Kritisieren könnte man vielleicht nur, dass die Band sehr wenig eigenes Material verarbeitet, sondern sich meistens damit begnügt die Songs anderer zu singen. Hört man sich dann aber mal in die Coverversionen ein, lässt sich das leicht vergessen: Ihre Version von Nicki Minaj’s „Starships“ wird von Kommentaren die bekunden, dass sie „viel besser als das Original“ sei geradezu überschwemmt.

Der dritte Streich

PTX III

Das dritte Album, „PTX, Vol III“, erscheint im September

Im Mai 2014 haben die Fünf das Label gewechselt und sind jetzt mit RCA Records schon fleißig an der Arbeit für ihr drittes Album, das natürlich „PTX, Vol. III“ heißen wird und im September erscheinen soll. Es soll ihr erstes Album werden, das mehr eigenes Material als Cover enthält, nachdem ihre selbstgeschriebenen Songs mittlerweile sehr großen Anklang gefunden haben. Wie auch bei den vorherigen Alben heißt das vor allem Üben, Üben, Üben, doch das scheint schon ein zentraler Punkt im Bandleben zu sein: Pentatonix treffen sich jeden Tag, um manchmal nur zwei, manchmal bis zu acht Stunden zusammen zu singen. Bei so viel Hingabe kann man auf ihren nächsten Streich nur gespannt sein!

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass der Erfolg von Pentatonix wie die Geschichte eines kleinen Chores anmutet, der alle Hindernisse der Zeit überwunden hat, um mit ihrem ganz eigenen Stil berühmt zu werden. Und ihre Art, den musikalischen Trend der Neuzeit als Chance und nicht als Widerspruch zu ihren Talenten zu sehen, macht sie ausgesprochen bewundernswert.

Hier geht’s zu ihrem Youtube
Und selbstverständlich sind sie auch auf Facebook vertreten!

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