Cobario erschaffen einen einzigartigen Sound mit Nylongitarre, Westerngitarre und Geige. Wir haben uns die Saitenkünstler aus Wien genauer angesehen.

Sie alle sind begnadete Meister ihrer Instrumente – Herwig Schaffner alias „Herwigos“ an Geige und Klavier, Georg Aichberger alias „Giorgio Rovere“ an der Gitarre und Jakob Lackner alias „El Coba“, ebenfalls an der Gitarre. Gemeinsam bilden sie das Trio Cobario. Was 2006 auf den Straßen der Welt begann, entwickelte sich zu einem einzigartigen Akustik-Projekt. In ihrer Musik spiegeln sich die Leidenschaft Spaniens, das Mysterium des Orients sowie slawische Härte und Präzision wieder. Gepaart mit klassischen Elementen sprechen ihre Saiteninstrumente für sich und präsentieren einen musikalischen Hochgenuss. Das ist ihre Geschichte.

Auf den Straßen der Welt

Cobario

Giorgio Rovere, Herwigos und El Coba (c) Christian Huber

Gegründet wurde Cobario ursprünglich von El Coba und dem ehemaligen Mitglied Mario Chehade alias „Rio Che“. 2007 trafen die beiden auf den Straßen Barcelonas auf Herwigos und formierten sich neu. Das Musizieren auf der Straße liegt allen Mitgliedern im Blut. Auch wenn sie ihre Instrumente teils autodidaktisch, teils mittels universitärer Lehre erlernten, hat es ihnen das Straßenmusizieren angetan. „Wir haben unsere Instrumente einfach in ein Auto gepackt und sind quer durch Europa gefahren“, erzählt Giorgio Rovere. Später bereisten sie auch Kanada, England, Schottland, Hong Kong oder italienische Hochburgen wie Nizza und Turin – das Reisen an Orte, wo man sonst nie hinkommen würde, ist ihre Leidenschaft.

„Wir wollen und brauchen die Interaktion mit dem Publikum. Man spürt eine besondere Energie, wenn man auf der Straße spielt“, schwärmt Giorgio Rovere. Zu den Highlights ihrer knapp zehnjährigen Karriere zählen aber auch große Konzerte, wie ein Open Air Auftritt in Ludwigsburg vor rund 12.000 Menschen. Generell geht es ihnen aber nicht um die Anzahl an Zuhörern, sondern darum, die Menschen mit auf eine musikalische Reise zu nehmen. So erzählen sie während ihren Stücken auch gerne Geschichten, die lustig sind, nachdenklich stimmen oder gar zum Träumen anregen. Wer nicht schon durch ihre Musik in eine Traumwelt gelockt wird, den holen sie spätestens mit ihren Erlebnissen ab.

Jeder Ton ein Erlebnis

Ihren Stil bezeichnen Cobario als „Gipsy Classic“. Ihre einzigartige Kombination aus Nylongitarre, Westerngitarre und Geige bildet die Basis für ihre Richtung und ist zugleich auch ihr Markenzeichen. Die Bass-und-Schlagzeug-Abstinenz eröffnet ihnen viele Möglichkeiten und stellt sie zugleich vor Herausforderungen: „Wir müssen unsere Instrumente kreativ einsetzen. Unsere Musik lebt somit sicher auch von einer großen dynamischen Bandbreite, die man zum Beispiel mit einem Schlagzeug gar nicht hinbekommen würde.“ Auf die beiden Instrumente wurde zuerst gar nicht bewusst verzichtet. Cobario machen vieles einfach nach Gefühl – so haben sie einfach Musik gemacht, die Elemente, die ihnen gefielen, kombiniert und ein Lied nach dem anderen ist entstanden.

Die unverkennbare Klangfülle wird in manchen Stücken durch ein Klavier ergänzt.  Auch sind sie im Laufe der Jahre noch detailverliebter geworden. So wollen sie aus jedem Ton das Maximum herausholen. Es zählt jede noch so kleine Nuance. „Wir sind ziemliche Klangforscher und versuchen, uns immer wieder selbst zu überraschen und neue Sounds und Klänge auf unseren drei Instrumenten zu finden“, erzählt Giorgio Rovere. „Dadurch finden wir auch zu unserem eigenen Stil.“

Fantasie und Eindrücke

In ihren Songs verarbeiten sie Eindrücke ihrer Reisen und Begegnungen mit Menschen und Landschaften, wie zum Beispiel in dem Song „Cliffs of Dover“. Es ist also kein Wunder, dass viele ihrer Stücke Städtenamen zum Titel haben, wie „Nizza“ oder „Barcelona“. Ein besonderes Erlebnis liegt dem Song „Tango della Morte“ zu Grunde, der aufgrund eines Motorschadens ihres Autos entstanden ist. „Wir mussten dann mit dem Zug fahren und haben im Zug dieses Stück komponiert, das wir dann unserem toten Auto gewidmet haben.“ Dass so ziemlich alles eine Inspirationsquelle sein kann, zeigt auch ein anderes Stück von ihnen, das zum Ursprung die Töne des Bordcomputers des besagten Autos hat.

„Man spürt eine besondere Energie, wenn man auf der Straße spielt“

An Songmaterial wird es den drei Jungs in nächster Zeit wohl nicht fehlen – rund sieben Monate im Jahr verbringen sie auf Tour, bereisen ganz Europa, wenn nicht die ganze Welt. Da werden Hotelzimmer zu Proberäumen und Passanten auf den Straßen zum Versuchspublikum: „Wir probieren neue Sachen sofort auf der Straße aus. Da merkt man dann auch gleich, ob eine Idee gut ist und auf Resonanz beim Publikum stößt.“

Cobario live

Cobario

Neben Cobario sind die drei Musiker auch hin und wieder in anderen Formationen aktiv. (c) Theresa Pewal

Wer sich nicht auf den Zufall verlassen möchte und auf eine Begegnung mit Cobario in ihrer Heimat Wien oder anderen Städten hofft, der hat natürlich auch die Möglichkeit, das Trio bei einem geplanten Konzert zu bestaunen. Im Moment touren sie durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Am 13. Dezember 2015 kann man sie im Zuge ihrer Wintertour daher in Wien im Ehrbar Saal erleben.

Auch ein neues Highlight bahnt sich an: 2016/2017 werden sie ein Teil des New Austrian Sound of Music Programmes des österreichischen Außenministeriums und somit ein offizieller Vertreter für World Music in Österreich sein. Wer von solchen Auszeichnungen noch nicht überzeugt ist, dem sei geraten, einfach einmal auf der Homepage von Cobario vorbeizuschauen und das ein oder andere Stück auf sich wirken zu lassen – doch Achtung: es besteht höchste „Gipsy Classic“-Suchtgefahr.

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