Als Kind der 80er kam Smoke Dogg über seine Leidenschaft für Basketball zum Hip Hop. Heute lebt der Grazer DJ vom Auflegen.

Andreas, so Smoke Doggs eigentlicher Name, spielte in der Schule Basketball und kam langsam mit Hip Hop und der schwarzen Kultur in Berührung. Als großer Fan von Shaquille O´Neal kaufte er sich dessen Rap Album „Shaq Diesel“, das 1993 erschienen ist. Ab diesem Zeitpunkt war für Smoke Dogg klar, sich näher dem Hip Hop zu widmen. Dieser führte ihn zum Westcoast Rap und wurde sein Steckenpferd. Nach einem kurzen Intermezzo in Wien lebt Smoke Dogg nun wieder in Graz. Auf Mixcloud hat er schon einige Mixtapes veröffentlicht und mittlerweile kann er vom Auflegen leben.

Der Beginn und das Vinyl

Seine ersten Hip Hop Silberlinge waren „I got 5 on it“ von Luniz und „Blunted on Reality“ von den Fugees, die beide aus dem Jahre 1994 stammen. Im Laufe des Gesprächs verrät mir Andreas, dass er eigentlich schon in der dritten Klasse Hauptschule begonnen hat aufzulegen. Damals mit zwei Kassettendecks bei diversen Festivitäten seiner Schule. Und er musste aufgrund des wiederkehrenden Wunsches einiger Mitschülerinnen nonstop von den Backstreet Boys „We´ve got it going on“ spielen, fügt Andreas schmunzelnd hinzu. Nachdem er vorher eher Querbeet aufgelegt hatte, wurde es 1999 sehr konkret. Ab diesem Jahr kaufte er sich seine Technics 1210er und bestellte Vinyl Pakete die bis zu 150 verschiedene Platten beinhalteten.

Cali Love

In diesen Vinyl Packages waren nebst Boombap Hip Hop aus New York auch der eine oder andere Westcoast Interpret dabei. Durch die Einflüsse von Soul und Funk war es die Mischung aus Gangsta-Rap und dem G-Funk, die Smoke Dogg faszinierten. „California Love“ von Tupac Shakur ist auch nach 19 Jahren noch immer ein Track, der fröhlich macht und den Lifestyle der Westküste perfekt widerspiegelt. Der Gangsta-Rap aus Los Angeles begleitet Smoke Dogg bis heute beim Auflegen und zieht sich wie ein roter Faden durch seine Sets. Doch ist er nicht nur Fan der alten Westcoast, auch Kendrick Lamar und The Game haben es ihm angetan. Bei Kendrick ist es die Tatsache, dass er nicht die Gang Kultur der Crips und Bloods glorifiziert, wie manch andere Rapper, sondern eine gute Message mit sozialkritischen Texten in seine Songs packt.

Weibliche MCees, Sängerinnen und R&B

Die Zeiten, in denen Frauen am Mikrofon beachtliche Songs veröffentlichten, sind laut Smoke Dogg leider in den Hintergrund geraten. In den Neunziger Jahren waren Frauen wie Mary J.Blige, Lauryn Hill, Queen Latifah, MC Lyte, Lady of Rage, Faith Evans oder Gruppen wie Salt´n´Pepa, En Vogue und TLC mit ihren Songs stark in den Charts vertreten. Damals punkteten die Damen nicht mit obszönen Outfits, sondern mit sozialkritischen Liedern. Es gibt aber sehr wohl weibliche Rapperinnen wie Dej Loaf, Yarah Bravo, Gavlyn oder Reverie, die sich dem offenherzigen Diktat nicht beugen, es aber zu selten in den Mainstream schaffen, meint Andreas.

Konzerte, Dont´s und Equipment

Obwohl schon einige Supports für namhafte Rapper hinter sich, hat Smoke Dogg der Support für das Konzert von SIDO am Schwarzl See am besten gefallen. Von der Atmosphäre her war es beeindruckend, vor so vielen Menschen spielen zu dürfen. Er merkt aber gleich an, dass ihn der Druck, nichts falsch zu machen, schon ordentlich gestresst hat. Da nicht das typische Hip Hop Publikum vor der immens großen Bühne stand, entschloss er sich einfach ein Hitmedley verschiedenster Interpreten aufzulegen. Dieses Medley kam bei den Leuten sehr gut an und sie waren bereit für den Rapper aus dem Märkischen Viertel. Auf die Frage was er nie auflegen würde, schmunzelt Andreas und meint, dass es keinen Song gibt, den er nicht spielen würde. Jeder Track funktioniert wenn man ihn zur richtigen Zeit platziert und das Publikum beobachtet hat. Das kann von Techno bis zu House alles sein. Das schlimmste für Smoke Dogg und ein absolutes NoGo ist übermäßiger Alkoholkonsum, dem der Verlust über das Gehör und dem Equipment folgt. Wenn der Crossfader bei den Turntables nicht funktioniert, die Plattenteller eiern oder mitten im Set der Laptop schwarz wird, ist das für Smoke Dogg ebenfalls ärgerlich, so wie unprofessionelles Auftreten gegenüber den Veranstaltern.

Smoke Dogg – Westcoasting Vol.1 by Deejaysmokedogg on Mixcloud

Das Radio und Konzerte

Auf die Frage, was denn in Graz bitter notwendig wäre, erwähnt Smoke Dogg wie aus der Pistole geschossen einige Punkte die nachvollziehbar sind. Um wieder Schwung in die Grazer Hip Hop Szene zu bringen, wären mehr Konzerte notwendig. Es reicht nicht, wenn sich zweimal im Jahr ein Kapazunder in Sachen Hip Hop nach Graz verirrt. Eine Location wie die Linzer Stadtwerkstatt oder das WUK in Wien wären für Liveauftritte ideal. Smoke Dogg merkt auch an, dass es seit geraumer Zeit in keinem Grazer Radio eine Hip Hop Show gibt. Dies sei ein echtes Armutszeugnis für die zweitgrößte Stadt Österreichs. Und das obwohl Hip Hop kein Untergrund Genre mehr, sondern eine etablierte Musikrichtung geworden ist. Eine Hip Hop Leiste in der zwei Stunden pro Woche jeweils einheimische und ausländische Interpreten vorgestellt und gespielt werden, wäre ein großer Wunsch von Smoke Dogg.

Die Crews

Zu den Crews in Graz merkt Smoke Dogg an, er möchte niemanden zu nahe treten aber es muss gesagt werden dürfen: Hip Hop wurde groß weil viele Menschen miteinander gearbeitet haben. Auch wenn sie nicht denselben Geschmack in Sachen MCees, Deejays oder Tracks hatten. Graz ist nicht die Bronx, doch trotz der geringen Größe kochen viele Crews ihr eigenes Süppchen, um nichts teilen zu müssen. Meist geht es nur um das liebe Geld. Auch der Support zwischen den Crews ist nicht zufriedenstellend, fügt Smoke Dogg hinzu. Wenn Konzerte oder Veranstaltungen stattfinden, werden diese boykottiert. Und das finde er schade. Auch dass sich die Deejays gegenseitig bei Auflegereien besuchen und supporten war in den Neunzigern gang und gäbe. Dieser Spirit sei verloren gegangen und mehr Zusammenarbeit wäre wieder angesagt und wichtig.

Mixtape – Releases

2011: official mixtape release for former “Shady Records” artist “Ca$his”
2011: „Can´t live without my Radio Vol. 1 – 15
2011: „That´s Rap Folks Vol. 1 – 5
2012: “The Art Of Dying Mixtape
2013: “The County Hound 2 Mixtape
2015: „Rapmagic Vol. 1
2015: „Westcoasting Vol. 1 Mixtape

Kommende Auftritte werden auf seiner Facebook Fan Seite „DJ Smoke Dogg“ bekanntgegeben.

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