Um mehr über die Geschichte von Duzz Down San zu erfahren, habe ich mich vor kurzem mit Mosch, Testa, Phil da Funk und dem Neuzugang Prcls unterhalten.

Die Wiege des Labels liegt in Innsbruck. Testa und Mosch, damals 14 und 15 Jahre alt, besuchten die ersten Hip Hop Konzerte der „Beatniks“ und kamen langsam mit der kleinen Szene in Berührung. Eine Wohngemeinschaft spielte hierbei eine wichtige Rolle, wie Mosch der sich 1997 bereits mit dem Magix Music Maker Programm beschäftigte, erklärt. Denn in dieser WG wohnten vier Deejays, die verschiedene Genres auflegten. Diese Genres reichten von Hip Hop über Breakbeats bis zum Turntablism. Testa und Mosch waren sehr oft Gäste in der musikalischen Wohngemeinschaft, kamen so in den Genuss verschiedener Richtungen und wurden durch diese sehr beeinflusst. Mosch, der spätere Labelgründer von Duzz Down San, hatte immer schon ein offenes Musikspektrum. Von den Ninja Tunes über Grime, Dancehall, dem Wu Tang Clan bis hin zum Turntablism reichen seine Einflüsse. Auch der Golden Era Hip Hop aus Frankreich von IAM oder NTM gehörten zu seinen musikalischen Favoriten und Sendungen wie „Wordcup“ oder „Yo!MTV Raps“ haben Mosch maßgeblich beeinflusst. Bei PDF hingegen löste eine Compilation mit einem Song von De La Soul das Interesse an Hip Hop aus. Er konnte am Anfang nicht zuordnen, was dies überhaupt sein soll, doch war PDF gleichzeitig fasziniert davon. Neben De La Soul und House of Pain waren es auch Ice-T und die Beastie Boys, die er sich in einer Musikbibliothek ausgeliehen hatte, um mehr über diese Musikrichtung zu erfahren. Einge Zeit später finanzierte sich PDF durch ein Praktikum seine ersten Reloop Turntables und die ersten Platten bekam er von niemand geringerem als von seinem Cousin Peman Paul, besser bekannt als ehemaliges Mitglied der Wiener Hip Hop Gruppe namens Schönheitsfehler. Phil da Funk (PDF) lernte 1998/1999 bei einem Hip Hop Jam, Testa und Mosch kennen. Die Einflüsse bei Prcls, dem Neuzugang bei Duzz Down San, sind eher im elektronischen Bereich zu finden, wie er mir erklärt. Diese reichen von den Ninja Tunes über Warp Records bis zu Aphex Twin. Prcls fügt aber noch hinzu, dass ihn die enorme Bandbreite des „Code 4109“ Albums von DJ Krush enorm beeinflusst hat.

Die Gründung, das Credo und die Handschlagqualität

Im Gegensatz zu Linz, wo Texta über die Jahre viel Aufbauarbeit in Sachen Labels geleistet hatten, gab es in Innsbruck keine Möglichkeit Hip Hop und Artverwandtes zu veröffentlichen. So wurde Duzz Down San 2007 aus der Taufe gehoben und das erste Release war „Frischluft“ von Polifame, wie mir Mosch erklärt. Polifame, Testa, Mosch, PDF und P.Tah sind die einzigen konstanten Mitglieder des Labels. Viele Leute sind nicht mehr dabei, da sich die Wege trennten oder einige durch den Beruf oder Familie mit der Musik aufhörten. Außerdem ist es ein Credo des Labels, das Künstler ihr Potenzial ausschöpfen sollen und ihnen keine Steine von DDS in den Weg ihrer Entwicklung gelegt werden. Zwischen dem Label und den Künstlern geht es um ein aufeinander-verlassen-können, eine enge Vertrauensbasis und Handschlagqualität. Da es keine Angestellten gibt, wird alles selbst gemacht, also D.I.Y., wie man heutzutage so schön sagt. Wenn sich Testa und Mosch treffen, werden kommende Labelnights, Interviews und Releasetermine geplant, sowie über neue Ideen sinniert. Mittlerweile ist die Duzz Down San Homebase von Innsbruck über Salzburg nach Wien übersiedelt.

Digging in the Crates, alte Instrumente und die Reduktion

Zum Thema des Platten diggen haben Testa und PDF ähnliche Meinungen, wie sie mir verraten. Bei Phil da Funk sei eine Reduzierung des Konsumverhaltens eingetreten, was auch das Vinyl betrifft. Denn er brauche keine Originalpressung eines bestimmten Interpreten mehr. Am liebsten durchstreift er bei seinen Reisen die Flohmärkte und ist dabei auf der Jagd nach raren Jazz, Soul und Funk Platten, die auch kein Plattengeschäft mehr bekommt. Bei Testa ist das ähnlich, denn die Lust besondere „White Labels“ zu besitzen, sei merklich zurückgegangen. Er kaufe wenn überhaupt nur zehn Platten im Jahr, die sich auch wirklich lohnen. Es sei außerdem so, dass wenn man selbst Platten produziert, sich selbst keine mehr kauft, so Testa. Bei der Instrumenten-Frage wird es dann wirklich tiefgründig und dazu haben Mosch, PDF sowie Prcls und Testa eine ganz klare Meinung. Mosch meint dazu, dass es zwar nerdig und trendy sei, wenn man 2015 noch mit alten Sequenzern arbeitet, sich es selbst aber schwer macht. Denn auch beim Produzieren sei es wichtig, sich dem Neuen zu öffnen und das Digitale nicht gegen das Analoge ausspielen zu wollen. Prcls und Testa fügen dem noch hinzu, dass der Klang und das Produktionsergebnis das wichtigste ist und nicht, ob das ein original Roland 808 sei oder ein guter Nachbau desselben. PDF meint auch, man könne einen digitalen Sound so aufblasen und manipulieren, dass es wie ein Sound aus alten Instrumenten klingt. Ebenso spielen die Soundkarten, Filter oder Mikrofone bei der Produktion eine große Rolle. Es sind sich aber alle vier einig, dass die Reduktion am wichtigsten ist. Mosch und Testa beispielsweise produzieren sehr gerne im Zug am Weg von Wien nach Innsbruck. Dazu brauchen die beiden nur einen Laptop und Kopfhörer, denn dabei ist man mit sich selbst, es lenkt niemand ab und der Flow kommt meist von alleine. PDF, Mosch, Testa und Prcls gehen normalen „Brotberufen“ nach und das hat seine Vorteile. Andere Menschen, Umgebungen und Stimmungen wirken sich positiv auf das Auflegen und das Produzieren aus, denn dadurch kommen neue Ideen und die Inspiration.

Hustensaft, Boombap und die Knowledge

Der Hip Hop habe sich stetig weiterentwickelt, das sei immer schon so gewesen, meint Mosch. Es existieren etliche Subgenres, die gerade boomen und trendy sind, wie eben Swag, Hustensaft Rap oder Trap. Es ist vergleichbar mit den 1970ern, wo viele den Synthesizer anfangs verfluchten, um dann auf den Zug aufzuspringen und ähnlich klingende Lieder zu veröffentlichen, merkt PDF an. Vergleiche mit der Golden Era und Boombap aufzustellen seien nicht gut, denn die aktuellen Genres haben ihre Berechtigung, fügt Testa hinzu. Warme Sounds wie Boombap und kalte Sounds wie Trap beim Auflegen zu mixen, sei äußerst schwer und das gelingt nur wenigen, wie beispielsweise Simon/off, schmunzelt PDF. Swag Rap aus Österreich sei aber um Klassen besser als der in Deutschland, meint Prcls, der in Bayern geboren wurde. Die Hip Hop Szene von heute und damals kann man einfach nicht vergleichen, so Mosch. Es war damals nicht besser, es war anders. Dadurch dass die Szene klein war musste man sich mit den anderen connecten. Und Hip Hop Jams spielten eine große Rolle, denn die Älteren gaben den Jüngeren ihre Knowledge weiter. Durch Magazine wie dem „Backspin“ oder auf VHS aufgenommene Sendungen von „Wordcup“ und „Yo! MTV Raps“, erfuhr man was in Deutschland oder Amerika gerade passierte. Jetzt gibt es zwar etliche Crews, aber keine Szene mehr, da alle ihr eigenes Süppchen köcheln. Aus dem WIR sei quasi ein ICH Movement geworden. Die Kids von heute haben einfach einen anderen Zugang zum Hip Hop, denn unzählige YouTube-Kanäle und Online-Radiosender stehen 24 Stunden lang zur Verfügung. Musik wird einfach konsumiert ohne zu hinterfragen woher sie kommt und welche Geschichte dahinter steckt. „Die Veränderung der Musik durch die Digitalisierung“, so hieß die Diplomarbeit von Mosch, die sich ausführlich diesem Thema widmete. Die Knowledge sei nicht mehr so gefragt, denn die Mehrheit der Kids interessiere es nicht was früher war. Das ist aber auch ein Spiegelbild der jetzigen Gesellschaft sagt Mosch.

Coming up:

09.11. PRCLS – „Memory Screen“ EP – ein Sammelsurium aus Hip Hop, Ambient und Techno

14.11. Clubbduzz im Celeste in Wien mit B.Visible, B.Rank, P.Tah und DJ No Show

21.11. Scheibsta und die Buben – „Bist du noch wach?“

Kommende Labelnights oder Releases werden auf der „DUZZ DOWN SAN“ Facebook Seite bekanntgegeben.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.