EFFI ist verschwunden, aber nicht gänzlich. Wir verraten euch, was der Grazer Musiker zurzeit treibt.

Ist EFFI, der kurzzeitige Retter des österreichischen Indie, verstummt? Keine neuen Konzerte, keine Musik, wenige Lebenszeichen. Das FM4-Lieblingskind hat ein neues ambitioniertes Projekt und es heißt Granada. Die Musik bleibt beinahe dieselbe, nur dass sie im ärgsten Dialekt vorgetragen wird. Ein Versuch auf den bereits wieder abgefahrenen Austropop-Zug aufzuspringen? Nein, denn er hat seine spritzige Leichtigkeit beibehalten, wie man am heurigen Sommerhit Palmen am Balkon hören kann. Nebenbei kreierte Thomas Petritsch, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, den Soundtrack für den Film Planet Ottakring, welcher am 14. August in die Kinos gekommen ist und noch in einigen ausgewählten Lichtspielhäusern Österreichs zu sehen ist.

Der Erfolg war vorbestimmt

Doch was ist eigentlich EFFI? Petritsch hat sein Projekt 2009 gegründet und zwei Jahre darauf sein viel gelobtes Debutalbum Astronaut, auf dem er auch alle Instrumente selbst einspielte, veröffentlicht. Ein Meilenstein der heimischen Indie-Bewegung. Ein charmantes Album mit herzlichen Texten und ungemein vielen Einflüssen aus Pop, Reggae, Jazz, gemischt mit elektronischer Musik. Einige Songs davon wurden in der österreichischen Komödie „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ verwendet. Daraufhin stieg EFFIs Bekanntheitsgrad enorm an und ganz Europa wurde bereist. Er war am Donauinselfest, tourte durch Deutschland und das Vereinigte Königreich, war Support von Joe Cocker und schaute auch noch öfter in den heimischen Klubs vorbei. 2013 setzte er mit seinem zweiten Album Closer seinen Erfolgslauf fort. EFFI stimmte melancholischere Klänge an und spielte mit Nostalgie und lauwarmen Sommergefühlen.

EFFI, ein Songwriter wie er im Buche steht

Petritsch versteht es wunderbar, sich durch verschiedene Genres zu pflügen und die richtigen Elemente herauszunehmen um sie miteinander zu vermischen. Trotzdem vermittelt er mit jedem Song ein prägnantes Gefühl. Die Musik ist perfekt um Sonntag-Nachmittags in einer Hängematte zu entspannen. Man kann zu ihr aber auch um fünf Uhr in der Früh aufstehen um nach Italien in den Urlaub zu fahren und sich schon in Österreich auf den Strand zu freuen. Er ist Pop/Folk Sänger, Multiinstrumentalist, Kunstfigur und Gute-Laune-Bär in einem. Jede Nummer klingt anders und man hört meistens mit einem leichten Schmunzeln zu; sei es zu Hause oder bei einem, meist sehr intimen Konzert. Mit jeder Textzeile merkt man ehrliche Musik eines ehrlichen Musikers. Das ist sein Alleinstellungsmerkmal und das macht die Musik so besonders.

Mit Granada in die Zukunft?

Doch in letzter Zeit ist es still um EFFI und ja, der Name leitet sich von Fontanes „Effi Briest“ ab, dem Höhepunkt des poetischen Realismus. Das Musikprojekt ist dennoch um einiges kurzweiliger. Man kann nur hoffen, dass das Projekt weitergeführt wird und uns wieder viele schöne Stunden Musikgenuss bescheren kann. Solch ein musikalischer Tausendsassa muss eigentlich aktiv bleiben; alles andere wäre Verschwendung. Wenigstens kann man bald mehr von Granada hören und sich wünschen, dass Petritsch irgendwann wieder zu seinen Wurzeln zurückkommen wird; oder noch drauflegt und wieder etwas besseres erschafft.

Effi – Diskografie

2011: Astronaut – Arcadia Agency

2013: Closer – Arcadia Agency

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