Die Punkchansons des Heinz Ratz

Im Deutschsprachigen Raum gibt es seit jeher die Unart, Musik nur dann als Musik zu werten, wenn die dazugehörigen Texte sich nicht durch sinnvollen Inhalt allzu sehr in den Vordergrund drängen können. Eine Tradition, die sich so weder im englischen noch französischen Kulturkreis finden lässt.

Liedermacher sind nicht altmodisch

Inzwischen wurde zwar nach dem antiquierten „Chansonautor“ und dem nachfolgenden, nicht minder altmodischen Begriff „Liedermacher“ das schöne Wort vom Singer-Songwriter geboren, doch auch hier gehören jene, die mehr als ‚Lebensgefühliges’ aussagen wollen, deutlich seltener zu den Hitparadenstürmern.
Einer, der sich seine Songwriterkunst dadurch nicht verdrießen lässt, ist der seit vielen Jahren unerbittlich schreibende, tourende und musizierende Autor und Komponist Heinz Ratz. Mit seiner Band „Strom und Wasser“ hat er bereits 13 CDs veröffentlicht, alle voll politischer Haltung, Humor, Absurdität, Respektlosigkeit und Musik.
Der Name Ratz ist Programm, und seine Musik wird mit Recht unter „Punk-Chansons“ subsummiert. Merkbar sein Bassistenbackground, aber auch auf der 5-Saitigen Bassgitarre ist Heinz Ratz durchaus virtuos. Die Songs bewegen sich in dem weiten Feld zwischen Ska, Walzer, Punk und Rock, sind meist sparsam und gekonnt mit Bass, Gitarre und Drums instrumentiert, manchmal mit klug gesetztem Klavier oder Bläsertönen aufgefüllt. Immer dominiert die sonore Stimme mit dem charakteristischen, tief im Rachen gerollten R, meist sehr präsent, manchmal auch in Tom-Waits-artigem, fast als Instrument eingesetztem Geröhre.

Musik deren Lyrics die Welt bewegen

Songs von Strom und Wasser sind immer überraschend, meistens auch tanzbar, sehr rhythmisch und zudem durchaus auch einfach nur als Musik, ohne wesentliches Augenmerk auf den Text legen zu müssen, hörbar. Tom Waits Fans, auch Fans der letzten CDs von schrägen Tönern wie Scott Walker, der mit seiner CD „Tilt“ bereits 1995 durchaus einen Vorgeschmack auf die Musik des 21. Jahrhunderts lieferte, sind sicherlich mit der Musik von Strom und Wasser gut bedient, wenngleich hier dem Pop-Appeal mehr Raum gelassen wird. Man wird diese Art von vollmundiger Emotion nur schwerlich intellektuelle Musik nennen können.
Seit Jahren sind die Strom-und-Wasser-Fans eine eingeschworene Fangemeinde, nur weil Ratz die klassischen Vermarktungswege aus Überzeugung verweigert.

„ So viele Jahre/ im Künstlerbetrieb / und wohin ich auch fahre,/ niemand kennt was ich schrieb. /Es gibt so viele Gründe/ für verbitterten Frust,/ die ich alle nicht finde, /denn ich finde nur Lust.“ textet er daraufhin voller Ironie und Lebensliebe in seinem Song „Leichtes Lied“

Heinz Ratz ist einer der gnadenlosesten Liedermacher überhaupt und ein Besuch auf seiner Webseite lohnt allein schon wegen der Biografischen Daten, die eines Hollywoodstreifens würdig wären.
Es gilt, einen Künstler zu entdecken, der zwischen den etablierten Genres hin und her schwimmt, und ohne Rücksichtnahme auf vordergründigen Glanz Musik macht. Letztlich erzeugt ja der Konsument die Genreschubladen, wenn er nicht bereit ist, auch mal außerhalb dieser spannende Musik zu entdecken.

Fotocredtis: strom-wasser.de | © Linn Marx

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