Nach einem spontanen Vorsingen ist Theresa Zisser an der Scala in Mailand gelandet. Wie die junge Sängerin aus Vorau es in die Opernmetropole schaffte, wovon sie träumt und warum sie beim Singen sie selbst sein kann.

Nein, in diesem Artikel geht es nicht um Pop, Rock, Hip-Hop oder Metal. Wir begeben uns auf die Reise zu einem Genre, das seit dem 14. Jahrhundert weder an Aktualität noch an Faszination verloren hat – die Klassik. Eine musikalische Stilrichtung, die, so scheint es leider zu oft, in der Pop-und Jugend-Kultur des 21. Jahrhunderts als „altmodisch“ abgestempelt wird. Dass Klassik ganz und gar nicht von gestern ist und in all ihren Facetten, sei es im rein instrumentalen Bereich oder in der Kombination von Schauspiel und Gesang, immer neu entdeckt wird, zeigt uns Theresa Zisser. Nein, das ist keine Erläuterung der klassischen Musik –  das ist ein Einblick in das künstlerische Leben einer jungen steirischen Operndarstellerin in Mailand.

„Die Zauberflöte“, Shakira und Co.

Theresa Zisser mit Michael Dax

Eine stetige Stütze auf ihrem Weg ist ihr Freund Michael Dax (c) Julia Dax

Ihre Liebe zur Musik wurde Theresa Zisser in die Wiege gelegt. „Musik hat in der Familie seit ich denken kann einen großen Platz gehabt. Weihnachtslieder wurden da gleich mal vierstimmig gesungen und mit Klavier oder Gitarre begleitet“, erinnert sich die junge Steirerin. Doch es waren nicht nur die üblichen Verdächtigen wie „O, Tannenbaum“, die den Advent musikalisch untermalten. Auch Mozarts „Zauberflöte“ lief im CD-Player auf und ab – erste Anzeichen für das spätere Interesse von Theresa.

Selbstverständlichen blieb aber die Teenager-Pop-Phase nicht aus und das erste eigenständig gekaufte Album war „Laundry Service“ von Shakira. „Das habe ich auf und ab gesungen“, lacht Theresa. Danach entdeckte sie das Genre Musical für sich. Produktionen der Musical Company Waldbach und ihre Gesangsausbildung an der Musikschule waren prägend für sie. Spätestens während ihrer Schulzeit am Musikgymnasium Oberschützen (Burgenland) kam sie jedoch wieder auf die Klassik zurück – und aus dem ursprünglichen Interesse wurde langsam etwas weitaus Bedeutsameres.

Faszination Stimme

Auch wenn Theresa eine Klavierausbildung genoss, war sie stets fasziniert vom Gesang. Die Stimme nimmt man eben nicht wie eine Flöte oder ein Klavier zur Hand und fängt an, darauf zu spielen. „Wer sprechen kann, der kann auch singen. Ob das schön ist oder nicht, ist die andere Frage. Aber physisch ist das jedem möglich. Das hat mir schon immer sehr gut gefallen“, erzählt sie. Dass sie nicht jeden Ton immer gleich abrufen kann oder kleine Erkrankungen ihr im Weg stehen können, nimmt sie da gerne in Kauf: „Der große Vorteil beim Singen ist eben, das mir Gesang am nächsten ist – das bin Ich.“

„Wer sprechen kann, der kann auch singen“

Der Weg nach Mailand

Nach der Matura führte sie ihr Weg an die Kunstuniversität Graz, wo sie ihren Bachelor in Konzertgesang und Gesangspädagogik abschloss. Ihr Professor im Fach „Kunstlied“, Joseph Breinl, dürfte die Talente der Steirerin schnell erkannt haben und ermutigte sie, den nächsten Schritt zu machen – „Du musst raus!“, soll er zu ihr gesagt haben. Diesem Aufruf kam Theresa auch gleich nach und machte sich auf in die Musikmetropole Wien. „Da musste ich gar nicht nach Deutschland gehen, wenn wir schon eine so große Musikmetropole in Österreich haben“, lächelt sie. Derzeit ist sie für das Masterstudium „Lied und Oratorium“ inskribiert.

Theresa Zisser 1

In ihrer Freizeit lauscht Theresa übrigens gerne Norah Jones oder Michael Bublé (c) di Paul Richard Cecchini e Carlotta Mendola

Es dauerte allerdings nicht lange und sie musste dieses Masterstudium gleich wieder pausieren. Es ging für sie nämlich zur einer der Topadressen in der Opernwelt – Mailand. „Eigentlich war mein Plan, nächstes Semester meinen Masterabschluss zu machen und danach mit Castings zu starten“, so Theresa. Doch das Schicksal wollte es anders. Nach einem üblichen Vorsingen erfuhr sie, dass im Publikum auch ein Agent gesessen hatte, der sie sogleich zum nächsten Vorsingen für die Scala, eines der weltweit bekanntesten Opernhäuser, überredete. Dieses Vorsingen war jedoch nicht irgendwann, sondern gleich am Nachmittag desselben Tages. „Ich wusste nicht einmal, was ich vorsingen soll“, lacht sie. „Zehn von uns wurden dann zum Casting nach Mailand eingeladen. Da man ja nicht jeden Tag eine Einladung zum Vorsingen an der Scala bekommt, habe ich einfach gleich den nächsten Flug gebucht.“

Wie könnte es anders sein – auch das Casting in Mailand fiel zu Gunsten von Theresa aus. Kurzerhand warf sie ihre bisherigen Pläne über Bord und zog in die zweitgrößte Stadt Italiens. „Eigentlich wollte ich immer eine gewisse Zeit lang in Italien leben, auch, um die Sprache zu lernen. Diese Gelegenheit möchte ich nutzen.“ Nach kleineren Produktionen in Graz, wie „Hänsel und Gretel“ und „Cosi fan tutte“, und einer Kinderoper in Wien scheint somit die erste Sprosse auf dem Weg nach oben eindeutig erklommen zu sein.

„Die Zauberflöte“ als Wegbegleiter

Die anstehenden Projekte in Mailand dürften Theresa stark an ihre Kindheit erinnern – es ist „Zauberflöten“-Zeit. Die erste Produktion ist „Die Zauberflöte“ für Kinder, bei der sie die Rolle der Papagena übernimmt. „Vor Kindern zu spielen gefällt mir sehr gut. Sie sagen einem gleich, was ihnen gefällt oder was sie als langweilig empfinden“, erzählt Theresa. „In Wien hatte ich zum Beispiel einen Reifrock an und das Erste, was ich gehört habe, war: ‚Oh, ist das ein schönes Kostüm! Ich möchte auch so einen Rock haben!‘“

Theresa Zisser 2

Theresa Zisser auf der Bühne (c) di Paul Richard Cecchini e Carlotta Mendola

Die große Produktion erwartet Theresa im nächsten Jahr. Da wird sie ebenfalls als Papagena in der originalen deutschsprachigen Version der „Zauberflöte“ an der Scala zu sehen sein. Auch für andere Opernproduktionen wurde sie bereits gefragt. Die Accademia Teatro alla Scala, im Rahmen welcher sie bei diesen Produktionen mitwirken darf, bietet da ein ideales Sprungbrett: „Wenn sie uns für Konzerte oder Produktionen brauchen können, setzen sie uns einfach ein.“

Natürlich weiß man nie, was einen in einem fremden Land in einer namhaften Akademie erwartet. „Ich hatte ein bisschen Bammel, ob da wohl nur Operndiven sein würden, aber es macht einfach total Spaß mit den anderen Künstlern der Akademie“, ist Theresa erleichtert. Doch Star-Luft darf Theresa mit Sicherheit noch ausreichend während ihrer Zeit an der Scala schnuppern, und sei es auch nur, wenn die Topnamen der Opernbranche in der zweiten Reihe sitzen und ihr zuhören: „Bei einem Konzert, wo wir SängerInnen der Akademie uns vorgestellt haben, saß plötzlich Anna Netrebko mit ihrem Freund im Publikum. Sie hat mir dann sogar gratuliert. So verrückt.“

Pläne für die Zukunft

Im Moment plant Theresa lieber nicht – wer weiß, welcher Agent ihr als nächstes zuhören wird: „Ich möchte offen sein und sehen, was kommt.“ Auf lange Zeit gesehen, möchte die Steirerin aber doch nach Österreich zurück und träumt von Projekten in Wien. „Ich höre mich auch immer um, wo in Wien etwas sein könnte. Wien als Basis – das wäre ganz toll.“

Mit ihrem Professor Joseph Breinl hat sie allerdings vereinbart, im Alter von 28 Jahren in der Carnegie Hall in New York zu singen. „Da würde ich auf alle Fälle gerne mal hin“, schwärmt sie. „Aber ich glaube, es geht vielmehr um die Sache an sich – gemeinsam zu musizieren.“ So möchte sie in ihrer Laufbahn noch mit großen Dirigenten zusammen arbeiten und vielleicht eigene Interpretationen zu Rollen und Liedern entwickeln. Wir sind gespannt, was wir noch alles von Theresa Zisser zu hören bekommen werden.

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