Heuer würde Falco seinen Sechziger feiern. Grund genug, einen ausgiebigen Streifzug durch die jüngere Falco-Cover-Geschichte zu machen.

Ein Text von Lisa Schantl.

Vor mittlerweile sechzig Jahren betrat ein Künstler die Bühne des Lebens, der sich neben seinem exzessiven Lebensstil vor allem durch die beeindruckende Qualität und scheinbar nie endende Aktualität seiner Lieder hervortat. Seine kritischen Texte und populären Beats sind hierzulande beinahe jedem ein Begriff – auch, wenn er selbst diesen nie endenden Ruhm nicht mehr miterleben kann. Johann Hölzel – besser bekannt als Falco – hat sich in die Herzen seiner Fans und zugleich in die gefräßigen Mäuler der Musik- und
Boulevardjournalisten gespielt. Das gelang ihm mit solchem Erfolg, dass auch 19 Jahre nach seinem Tod sein musikalisches Erbe noch lange nicht verstummt ist. Um weiterhin mit Amadeus, Jeanny und dem Kommissar zu rocken, haben einige österreichische Musiker Falcos Hits in ein neues Gewand gekleidet. Von Rap über Deutschpop bis hin zu Metal: Falcos Songs wurden bereits in so ziemlich jede Musikrichtung gepackt. Manchmal geht es dabei drunter und drüber, manchmal wird wenig, manchmal viel verändert, und manchmal darf sogar Falco selbst noch mit einstimmen. Die unterschiedlichen Arrangements und Herangehensweisen der zeitgenössischen Künstler haben eines gemein: Sie alle zollen dem österreichischen Ausnahmekünstler Tribut. Wir haben einen Streifzug durch die jüngsten Erscheinungen an Falco-Coversongs gewagt.

ZOMBIE-FALCO

An die Wurzeln von Falcos Solokarriere wagten sich die Bloodsucking Zombies from Outer Space heran. Auf ihrem jüngsten Album, „Bloody Unholy Christmas“, findet sich ein Cover von „Der Kommissar“. Die Nummer erschien im Original als erste Singleveröffentlichung von Falcos erstem Studioalbum „Einzelhaft“ 1982. Das Original erzielte sofort große Erfolge: In Deutschland hielt sich der Hit knapp 30 Wochen auf Platz 1, in Österreich 16 Wochen lang. Außerdem gelang Falco mit „Der Kommissar“ etwas, was davor nur einem Künstler mit einer deutschsprachigen Nummer gelungen war: Der Titel kam in die Top 100 der US Charts.

Bloodsucking Zombies from Outer Space (c) Bill Lorenz

Einer so erfolgreichen Nummer, die sich mit ihren Originaltönen in die Gedächtnisse von Millionen von Menschen gebrannt hatte, ein neues Aussehen zu verleihen, war ein gewagtes Unternehmen. Die Anstrengungen der BZFOs haben sich aber allemal ausgezahlt: In ihrem selbst kreierten Horrorbilly-Sound kommt die Nummer in schnellem Rhythmus und mit tonangebender Kontrabasslinie voll zur Geltung. Dabei bleiben die vier Jungs stets dem Original treu und finden durch die Gitarrenmelodien gekonnt zur Basis zurück. Für die Studioaufnahme dieser Version konnten die BZFOs außerdem Peter Vieweger und Thomas Rabitsch von
der originalen Falco-Band gewinnen, was dem „Kommissar“-Cover noch einen besonderen Anstrich verpasst. Neben dem Kommissar legten die Zombies auch Hand an einige weitere Falco-Songs. Von „Jeanny“ und „Rock Me Amadeus“ gibt es Live-Versionen und „Vienna Calling“ wurde zusätzlich im Studio vertont. Diese Nummer von Falcos drittem Studioalbum, „Falco 3“, kletterte im Jahr 1986 sogar auf Platz 18 der US Billboard Charts. Bei den BZFOs schaffte sie es als Coverversion auf das 2015 erschienene Album „Mörder Blues 2“ und wurde wie „Der Kommissar“ gekonnt in den Horrorbilly-Sound adaptiert. Das legendäre PanflötenSolo von „Vienna Calling“ wurde durch die E-Gitarre ersetzt und auf das Wiener Walzer-Intro wurde verzichtet, der Rest des Songs wurde aber äußerst originalgetreu nachgebaut. Der Erfolg des Songs durfte auch auf die Zombies übergeschlagen haben: Im Jahr der Veröffentlichung des Covers wurden sie mit dem Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie „Hard & Heavy“ ausgezeichnet.

DRESCHER ROCKEN AMADEUS

Ebenfalls für einen Song aus „Falco 3“ entschieden sich die „Steinfeld“-Buam von Drescher. „Als österreichische Metalband, die noch dazu im heimischen Dialekt singt, muss man dem einzigen österreichischen Rockstar einfach Tribut zollen“, so die fünf Jungs. Dabei entschieden sie sich für keine geringere Nummer als jene, mit der Falco den endgültigen internationalen Durchbruch erzielte: „Rock Me Amadeus“. Der wohl berühmteste Song Falcos wurde von Drescher als Bonustrack auf ihr Debütwerk „Erntezeit“ gepackt. Musikalisch macht das Cover einiges her: Das unverkennbare Intro stellten die Volk-Thrasher mit der Quetschn nach, den Text verwandelten sie in Dialekt und unter die Haut gehende Gitarrensoli übernehmen Falcos Stimmexperimente und Improvisationen. Auch das Musikvideo zur Coverversion enthält einige Verweise auf das Original Falcos. Klassik und Gegenwart werden kombiniert und wie im Musikvideo der 80er ist der barockgekleidete Wolfgang Amadeus Mozart in Partystimmung. Dabei wird das von Falco gezeichnete Mozart-Bild noch erweitert und der Star der Wiener Klassik kritzelt auf einmal auf Klowände, greift zur Flasche und sagt auch zu einer leicht bekleideten Frau nicht nein. Die Dreschmetal-Version besticht also nicht nur mit hartem Sound, sondern auch mit einem äußerst gelungenen Video. Ein bemerkenswerter Tribut an das österreichische Rockidol.

IM DUNKELN

Auch vor Poptönen machen Falco Coversongs nicht halt. So griff Der Nino aus Wien erst vor Kurzem gemeinsam mit Ernst Molden einige Songs von Falcos Werk auf. Darunter findet sich „Nachtflug“, der titelgebende Song des siebten Studioalbums von Falco. Der poppige Song, der zugegeben nicht zu den tonangebenden Nummern des Ausnahmekünstlers zählt, wurde von Nino äußerst originalgetreu verarbeitet. Mit größtenteils ausschließlicher Gitarrenbegleitung offenbart das Lied seine ruhige Seite und zeigt, wie man auch mit wenig viel bewegen kann. Ein akustischer Falco – auf jeden Fall eine Hörprobe wert. Definitiv exzessiver geht es bei der Neuinterpretation von Falcos „Out of the Dark (Into the Light)“ durch Wanda zu. Der tragische Song, der sich 1998 in Österreich drei Monate lang auf Platz 1 hielt, bietet nicht nur Anlass zu Spekulationen über einen möglichen Selbstmord Falcos, sondern für Wanda auch eine ideale Arbeitsbasis. Die österreichische Formation präsentiert mit diesem Cover einen Song, der sich durchaus hören lassen kann – und vielleicht auch manchem Kritiker der Band ins Ohr geht. Der ohnehin schon dramatische Inhalt der Nummer wird von den Wienern durch Schreiausbrüche an die Spitze getrieben und mit einem stark ans Original angelehnten Gitarrensolo bekräftigt. Wer nicht nur Falco, sondern auch Wanda neu kennenlernen will, findet in dieser Coverversion die beste Gelegenheit dazu.

FEATURING FALCO

An eine ungewöhnlichere Art von Coverversion machte sich der österreichische Rapper Nazar. Mit seinem Song „Zwischen Zeit und Raum“ präsentiert Nazar eine Version von Falcos „Königin von Eschnapur“, das im Original auf dessen neuntem und somit auch letztem Studioalbum erschienen ist. Ungewöhnlich an dem Cover ist, dass der
Rapper den Song nicht nur neu interpretiert, sondern Falco gleich eine Rolle darin verschafft: Nazar bettet nämlich einige Parts aus dem Original – inklusive Falcos Originalgesang – in den Song ein. Beispielsweise rappt Nazar selbst die erste Strophe, während die zweite aus einer Einspielung von Falcos Original besteht. Der Nummer als Interpreten ein „feat. Falco“ anzuhängen, kann man als mutig oder eher geschmacklos empfinden, das Cover an sich hat aber definitiv seine Reize. So baut Nazar am Beginn eine Violine ein und präsentiert insgesamt ein hochwertiges, originalgetreues Lied, auch wenn er die Strophen ein wenig umkrempelt und die erste gar mit einem anderen Text versieht. Für österreichische Rap-Fans ist der Song mit Sicherheit ein gelungenes und radiotaugliches Cover sowie ein Tribut an denjenigen, der die deutsche Sprache international radiotauglich gemacht hat.

Am Ende des Streifzugs durch die jüngere Falco-CoverGeschichte ist eines klar hervorzuheben: Vor dem exzessiven und leidenschaftlichen Künstler macht kein Genre halt. Egal ob Horrorbilly von den Zombies, Metal von Drescher oder Rap von Nazar – ein Tribut an das österreichische Ausnahmetalent gehört einfach ab und an zu einer gelungenen Setlist dazu. Ob jedes Cover den Geschmack von Falco treffen würde, sei dahingestellt. Ihre Aufgabe, den Erschaffer von „Rock Me Amadeus“ hochleben zu lassen, erfüllen alle Versionen aber auf jeden Fall.

Ein Text von Lisa Schantl.

[Dieser Artikel erschien im Sommer 2017 in PARADOX 05]

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