Hundezüchter in Hamburg, Tischler, Automechaniker, Counter Strike Pro Gamer – das wären mögliche Fantasien für die vier Jungs von FAMP. Aber: Es war immer die Musik, es ist die Musik, und es wird auch in Zukunft die Musik bleiben, einen Plan B gibt es nicht.

Mit dieser Motivation und der geballten Kreativität der Wiener F(lorian Prem), A(ndreas Steiner), M(artin Schneider) und P(hilipp Krikava) konnte ihr zweites Album „EXIST“ entstehen. Die Devise des Schaffensprozesses war, dass für jeden Indie-/Britpophörer etwas dabei sein sollte. „Die Songs haben wir über einen sehr langen Zeitraum geschrieben, da ist sehr viel passiert, Positives wie Negatives.”, sagt Krikava dazu, „Ich glaube, deswegen ist die Platte so vielseitig.“ Und tatsächlich, die Bandbreite geht von himmelhoch jauchzend bis sprichwörtlich zu Tode betrübt, von dem Gefühl, der König der Welt zu sein, bis zum mickrigen Rest, der mitunter nach einer Trennung übrig bleibt.

Wer sind F, A, M & P?

Für den Gang ins Studio sowie für das Bespielen größerer Bühnen reicht Musikalität alleine nicht aus. Glücklicherweise bringt jedes Mitglied der Gruppe zusätzliche Qualitäten mit. Schneider erklärt: „Flo ist der rational Intelligenteste der Band – er dürfte sogar Flugzeugfliegen…“ – falls er irgendwann den Drang zu einer Pilotenausbildung verspüren sollte. Zum Glück belässt der Bassist es bislang beim Spielen seines Instruments, zudem kann man ihn immer konsultieren, wenn einem die Technik im Weg steht.
Andreas Steiner organisiert und mobilisiert, wenn es um Tourdetails et cetera geht – Drumsticks immer in der Tasche. Und manchmal ist Fan-Tag, dann verbringt er Zeit mit Briefeschreiben und -parfümieren und macht sich auf den Weg zum nächsten Postamt.
Martin Schneider macht Tontechnik, gibt in der Band aber auch den Ton an. Als „Popkulturelle Mitte mit Stil“ spielt er an der Gitarre nur, was für ihn selbst gut klingt. Und wenn ein Riff dem Song nicht dienlich ist? Ab in die Tonne! Alles auf neu!
Philipp Krikava ist als Sänger und Gitarrist nicht nur für das Songschreiben zuständig, sondern, so einvernehmlich die Bandmitglieder, auch für die Optik. „Auf der Bühne ist er unser Anziehungspunkt, optisch als auch akustisch.“, sagt Schneider. Zur Schönheitspflege stehen Kleopatra Bäder, Gesichtspeeling und Styling-Orgien an, die meistens in Jeans und T-Shirt ausarten.

Trotz worst case entsteht EXIST

Da die Aufnahme des Albums im Winter stattfand, brachten weder Location – ein Tonstudio in einem Keller -, Bandmitglieder noch Jahreszeit passende Komponenten zur erfolgreichen Produktion von „EXIST“ mit. Steiner erklärt: „In diesem Keller hat es immer nach Klo gestunken, ich weiß nicht, ob das lustig ist, es war eher traurig.“ Dann Krikava, ein vor Kälte bibbernder Sänger. Grund: Nach einer durchzechten Nacht mit Bierpong-Turnier musste der wärmende Parka nach einer Geruchsinspektion als untragbar deklariert werden. Nach einer Woche im Studio gab außerdem die Stimme langsam nach. Ansonsten aber gab es keine Schwierigkeiten.

Während der Arbeit am Album stellte sich immer mehr heraus, dass es zu einer runden Sache werden würde. Deswegen entschied sich die Band auch für eine Story aus Songtiteln, statt einer 08/15 Tracklist auf dem Inlay.

„Wir sind jetzt im Studio, wir müssen uns jetzt entscheiden.“, so beschreibt Schneider den vergangenen Aufnahmeprozess. Sprich: Aufnahme von Gesangtakes 1-7, Auswahl treffen, weitermachen.
Trotz nachvollziehbarer Stresssituation klingt das Album sehr ausgewogen. Die melancholischen Songs überwiegen am Album, es gibt definitiv auch einige Partyhits.
Obwohl die Band ständig zwischen Rock, Pop, Indie und entsprechenden Subgenres hin- und herspringt, teilen sich alle Songs eine Gemeinsamkeit: den harten Sound. Auch bei den ruhigeren Titeln kann es vorkommen, dass ein Gitarrenpart oder das Schlagzeug einen durch das harte Anspielen wachrüttelt. Gegenpol dazu bildet dafür der gedämpfte Gesang, und das bedeutet Musikgenuss.

Bei der Band gelten „Halfway But Running“, „Giants“, „Can You Remember“ und „In Love With A Feeling“ als Favoriten, denn – gute Überlegung von Steiner – „wenn man es [das Album] selbst nicht mehr abfeiert, wie will man es jemand anderem schmackhaft machen?“
Trotz aller Liebe zu „EXIST“ sind FAMP jedoch kein bisschen selbstverliebt, denn im nächsten Augenblick kritisieren sie schon ihr letztes Album. Es gilt das Motto „Neu ist immer besser“, im Sinne einer ständigen musikalischen Evolution.

Ein Fun Fact zum Musikvideo zu „In Love With A Feeling“: No food was wasted in the making of this video. Vom mit Folie ausgelegten Zimmerboden wurde beispielsweise die zerstörte Torte noch am selben Tag mit Genuss aufgegessen. Beweisfotos können nach Anfrage vorgelegt werden.

FAMPs Ursprünge & Chancen

Generell geht es beim Projekt FAMP um vier Freunde, die einfach Musik machen wollten, ohne irgendwie zu schauen, wo es hingeht. Nach eigenen Angaben sind sie ein gutes Team, das gerade sein zehnjähriges Jubiläum feiern konnte, immer noch in Grundkonstellation. „Es gibt niemanden, der erst vor zwei Jahren dazugekommen und etwas schüchterner ist oder Sachen von früher nicht weiß. Wir sind einfach alle immer dabei gewesen, und das macht uns aus“, glaubt Philipp Krikava.

Und was macht FAMP liebenswert? Schneider als Vertretung der Band meint dazu: „Wir sind auch alle ziemlich charmant – glaube ich. Oder?”
Ja, liebenswert macht sie ihr Charme, und dass sie meistens irrsinnig witzig sind. Die lustigen Sachen laufen unter dem Titel: „Mit, von oder über Flo“. Beispiel: „HILFE, bin Backstage eingesperrt. Holt mich raus!“, dazu sein Niesen, das nach einem alten, sterbenden Staubsauger klingt – mit Sprühregen.

Zum Glück wandern FAMP, wenigstens noch eine Zeit lang, nicht nach Hamburg aus, um dort Hunde zu züchten oder anderen Alternativbeschäftigungen nachzugehen. Sie arbeiten lieber an ihren Tourdaten für 2017, damit man sich die vier live anhören kann. Denn, da sind sie sich einig: Auf einer Bühne haben sie noch mehr Überzeugungskraft als auf dem Album. Live ist der Sound „einfach fett“.

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