In Irland gehören sie längst zur Kultur, in Österreich werden sie immer beliebter – die Irish-Pubs.

So setzen sich immer mehr Österreicher gemütlich in ein irisches Lokal und genießen die ausgelassene Atmosphäre und natürlich die Folk-Musik, die auch hier nicht fehlen darf.
Folk ist in Österreich vergleichsweise unbekannt, und wenn man auf Banjo und Mandoline stößt, gibt es noch den einen oder anderen skeptischen Blick. Doch Folk ist nicht gleich Folk und so gibt es auch bei uns verschiedene Vertreter dieser Musikrichtung. Drei Bands haben sich bereiterklärt, uns ihre Liebe zur Musik zu schildern und zu erklären, warum gerade Folk das Richtige für sie ist.

Paddy Murphy – Speed Folk Rock aus Steyr

Paddy Murphy haben sich dem Folk Rock verschrieben und bestehen aus einem „Gebräu“ von Irish Speed Power Folk, Celtic Folk Rock und Irish Ska. Seit 2009 machen Franz Höfler, Hermann Hartl, Ingolf Wolfseger, Chrisoph Niederhuber und Andy Schechinger zusammen Musik. Die fünf Oberösterreicher machen nicht nur mit ihren Schottenröcken und Karohosen auf sich aufmerksam. Mit Geige, Banjo, Mandoline, Mundharmonika und akustischen Gitarren erweitern sie das klassische Line-up von Drums, Bass und E-Gitarre. Zusammen mit den fünf Männerstimmen ergibt das einen wunderbaren Folk-Mix. Paddy Murphy kombinieren hartgesottenen Rock mit harmonischem, klassischem Folk. Die schnellen Rhythmen zeugen von ihrem Können und Paddy Murphy transportieren eine unbändige Energie, die sie auf ihr Publikum einströmen lassen.
Schon 1977 kam Franz Höfler eine Platte von den „Dubliners“ ins Haus und als ihm später auch noch eine CD von Flogging Molly in die Finger kam, war ihm klar, dass er Musik in diese Richtung machen möchte. Das Lebensfrohe, Rebellische, das Mythische und Verträumte sowie das Kämpferische fasziniert die fünf Steyr am Folk Rock. In ihren Songs geht es um Auswanderungsgeschichten, aber auch um Whiskey, Freundschaften, Rebellen und nicht zu vergessen, um die schöne irische Landschaft. Mit ihrer Musik möchten sie den Menschen Freude bereiten, sie positiv stimmen und sie dazu anregen, Spaß zu haben. Dabei soll ihnen auch ein Stück der irischen Seele nähergebracht werden. Ziemlich erfolgreich touren die Folk Rocker durch Europa. Zu ihren letzten Auftritten zählen das Eschweiler Music Festival (Deutschland) und das Irish Open Air in Toggenburg (Schweiz).

PM @ Triest 1 c. Luca Valenta (Triest)

Paddy Murphy – (c) Marco Brigandi

Vor 8.000 Menschen spielten die Österreicher im italienischen Padova und sogar vor 12.000 in Rasa (Südtirol), womit Paddy Murphy ein weiteres Land auf ihrer To-Do-Liste abhaken können.
Vor zwei Jahren haben sie ihr erstes Album „Dog´s Dinner“ herausgebracht und nun ist auch „Coffin Ship“ auf den Markt gekommen. Paddy-Murphy-typisch geht es in den 13 Titeln um die grüne Insel, den Freiheitskampf und selbstverständlich auch, wie sollte es anders sein, um Whiskey und Guinness. Die fünf mit irischem Whiskey-Atem angehauchten Oberösterreicher laden zum Feiern ein und sorgen für gute Laune. Umso mehr überrascht es, wenn sie mit berührenden Balladen aufzeigen und zwischen dem rockigen und idyllischen Flair einen eigens komponierten Christmas Song hineinschmettern, womit sie garantiert für verwunderte Gesichter sorgen. Auch in Zukunft soll es um die Musiker nicht ruhiger werden. Ihr selbsterklärtes Ziel „Die Weltherrschaft an uns zu reißen“, haben sie immer vor Augen.

NAPAEA – Ruhiger Folk Pop von der steirischen Waldnymphe

Nach den feierwütigen Paddy Murphys geht es mit der jungen Künstlerin Napaea ruhiger weiter. Sie zeigt uns eine etwas entspanntere Version von Folk. Hinter Napaea steckt Katharina Milchrahm, eine junge Singer-/Songwriterin aus der Oststeiermark, die mit ihrer starken, souligen Stimme und Folk-Pop überzeugt. Bei Napaea handelt es sich um ein DIY-Projekt, und so ist alles im eigenen Zimmer und in der Wohnung eines Freundes entstanden – mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen. Inspirieren lässt sich die 19-Jährige von allen möglichen Dingen – von Landschaften und Menschen handeln dann auch ihre Texte. Das eine oder andere Lied ist auf einer Reise oder auch in einer schlechten Phase ihres Lebens entstanden. Ihrer Meinung nach gehört auf dieser Welt vieles geändert und Napaea möchte auch ihren Beitrag dazu leisten. Anstatt sich stundenlang über alles Mögliche aufzuregen, verarbeitet sie ihre Emotionen in ihren Songs. „Das ist meine Art und Weise, mir Gehör zu verschaffen und mit Frust umzugehen.“ Doch Katharina kann auch anders und zeigt die fröhlichen Seiten im Leben. So schreibt sie über Nächte mit ihren Freunden, über ihr Zuhause und über ihre Reisen – über das alltägliche Leben. Gerade wenn man unterwegs ist, trifft man die spannendsten Leute, über die es sich auch zu schreiben lohnt. Mit ihren Songs verbreitet die Waldnymphe, wie man den Namen Napaea übersetzt, Lebensfreude und Aufbruchsstimmung. Ihre Lieder sollen zum Nachdenken anregen, doch das gestaltet sich oft schwieriger als gedacht, denn nur selten hören die Leute auch auf die Lyrics. „In meinem Song ‚Low Crime Rate‘ geht es darum, wie alles zugrunde geht; dass sich die Menschen gegenseitig kaputtmachen und um Themen wie Vergewaltigung. Dennoch sagen mir immer wieder Leute, wie schön dieser Song ist.“ Hin und wieder darf auch gerne gecovert werden und dabei spielen Folk- und Punknummern wie von Ben Marwood, The Menzingers oder Frank Turner eine große Rolle.

Napaea_c. Gert Kragol

Napaea – (c) Gert Kragol

Derzeit arbeitet Napaea an ihrer ersten EP oder dem ersten Album, so genau weiß sie es noch nicht. Bemerkenswert ist aber, dass die Oststeirerin bereits im Juli im Alleingang eine kleine Tour durch Österreich organisiert hat. „Das ist gar nicht so einfach, wenn man noch völlig unbekannt ist und keine Kontakte hat, geschweige denn ein Label oder Management.“ An ihrer Seite ist ihr Bruder mit der Harp und eine Band, bestehend aus Bass und Geige. So war Katharina nie alleine unterwegs. Zusammen tourten sie durch Österreich und da mussten nicht nur fremde Sofas, sondern auch einmal Fußböden als Übernachtungsmöglichkeit herhalten. Doch es war der Mühe wert, denn obwohl Napaea noch völlig unbekannt ist, ist es ihr gelungen, Leuten ihre Musik schmackhaft zu machen und ihre Konzerte zu besuchen. Was Katharina genau mit ihrem Anglistikstudium anfangen wird, das weiß sie noch nicht. „Ich würde mir einen Job wünschen, bei dem ich nebenbei noch Musik machen kann.“ Wichtig ist es ihr auch zu reisen und weiterhin spannende Menschen kennenzulernen. Wie es genau weitergehen soll, weiß Katharina also noch nicht, aber von der jungen bodenständigen Oststeirerin sollten wir noch einiges zu hören bekommen.

Boondock Radio – Covern was das Zeug hält

Eine andere Schiene fahren Boondock Radio, denn sie setzen Folk sehr konträr in Szene. Die sechs Folk-Rocker verstehen es unter anderem mithilfe von Banjo, Mandoline und Violine, so gut wie jeden Song in Folk zu verwandeln. Von Metallica und Blink 182 bis hin zu Robbie Williams und Avicii wird gecovert, was das Zeug hält. Damit wollen die Steirer die Leute unterhalten und zum Feiern bringen. Obwohl das Publikum anfangs oft skeptisch reagiert, siegt dann doch der Überraschungseffekt: „Hey! Das Lied kenne ich doch“ und das funktioniert immer. „Es macht uns auch Spaß, Liedern unseren Stempel aufzudrücken, bei denen man es anfangs für unmöglich hielt sie zu ‚verfolken’“, verrät Niko, Sänger und Gitarrist der Band. Wenn Boondock Radio live auf der Bühne stehen, wird klar, was damit gemeint ist. Es ist fast unvorstellbar, was die Jungs aus den Songs rausholen. Doch vor allem ist es wichtig, den eigenen Geschmack zu treffen, denn nicht jeder Song kann so einfach gecovert werden. „Meistens stellen wir uns im Proberaum hin und jammen drauflos. Fast immer zeigt sich relativ schnell das Coverpotential des Songs.“ Und wenn das nicht der Fall ist und das Cover bis zum Schluss nicht gefällt, wird die Idee auch wieder verworfen. Boondock Radio bieten eine unglaubliche Bandbreite. So spielen sie auch traditionelle irische Songs wie „Auld Lang Syne“, doch dann folgt schon wieder „Seven Nation Army“. Abwechslung ist bei ihnen auf jeden Fall geboten. Die gebürtigen Weststeirer verbindet eine langjährige Freundschaft, da sie sich schon seit über zehn Jahren kennen. Sie kommen zwar alle aus der Metal/Punk-Schiene, aber sie haben beschlossen, etwas Neues zu versuchen. Zudem sind sie seit Langem Liebhaber dieser Musik und einige von ihnen haben schon früher in der Irish Folk Punkband „Denny´s Drive-In“ gespielt. Dort kamen sie das erste Mal mit den „exotischen“ Instrumenten (Geige, Mandoline, Banjo) in Berührung. „Wir sind Fans der Musik und der Pubkultur. Einige von uns waren schon in Irland und wer weiß, vielleicht geht sich ja irgendwann eine Pub-Tour durch Irland aus.“

Boondock Radio_ c. BR

Boondock Radio – (c) Boondock Radio

Erstaunlicherweise stellte es kein Problem dar, jemanden zu finden, der Banjo oder Mandoline spielen kann, denn es wurde schon zuvor in anderen Bands in diese Richtung experimentiert. So waren die Mitglieder eigentlich schon komplett als sie den Entschluss fassten, Boondock Radio zu gründen. Die Jungs begeistern mit Charme und Schmäh und schaffen es, „verbrauchte“ Songs wieder hörbar zu machen. Wem „Angels“ von Robbie Williams schon zum Hals raushängt, der kann mit der Version von Boondock Radio wieder etwas anfangen. Es ist verblüffend, wie gut sich das anhört und was die Folk-Rocker daraus machen. Ihre Zukunft stellen sie sich im Gegensatz zu Paddy Murphy etwas bescheidener vor, und zwar „Auf einer Couch im Backstagebereich während einer Festival-Tour im Sommer.“ Boondock Radio sind viel unterwegs und natürlich wird es auch weitere Konzerte geben.

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