Coogans Bluff sind zwar keine Newcomer mehr, dennoch haben sie sich mit ihrem vierten Album „Gettin’ Dizzy“ neu erfunden.

Das ursprünglich aus Rostock stammende Quintett hat sich mittlerweile in Berlin und Leipzig niedergelassen. Doch nicht nur ihr Wohnort unterlag einem Wechsel, auch eine neue musikalische Heimat wurde angepeilt. Mit ihrem vierten Longplayer namens „Gettin’ Dizzy“ distanzieren sich die Norddeutschen vom Stoner Rock ihrer Vorgängeralben und widmen sich nun einem losgelösten Gemisch aus Blues, Funk, Soul, Kraut- und Jamrock.

Ein eigenwilliges Gebräu

Ihren Namen haben Coogans Bluff einem Action-Streifen mit Clint Eastwood entliehen, der aus einem Zeitalter stammt, in dem sich auch die Band musikalisch angesiedelt hat. Bei all den stilistischen Spielereien, die Coogans Bluff durchaus gut beherrschen, bildet der Rock aus den späten 60er und frühen 70er Jahre die Basis. Natürlich wurde das Quartett aufgrund dieser Tatsache immer wieder der Retro-Rock-Sparte zugeteilt. Das ist zwar grundsätzlich nicht falsch, allerdings wollen sie mit „Gettin’ Dizzy“ aus dieser Kategorisierung ausbrechen. Aus diesem Grund haben sich die Rostocker eine eigene Soundvorstellung von zeitgenössischer Retro-Musik geschaffen. Nicht nur die eingängigen, groovenden Songs von den Kinks und den Yardbirds standen Pate für ihre Musik, nein auch die Rifflastigkeit der 70er-Hardrock-Bands wurde genau studiert und mit Captain Beefhearts Talent für die Destruktion von Blues-Songs verwoben.

Bläser als besondere Note

Gettin'Dizzy

Steht Kopf: Coogans Bluffs neuestes Werk „Gettin’ Dizzy“

Diese ohnehin schon skurrile Mischung wird zusätzlich noch durch Posaune und Saxophon angereichert. Die beiden Bläser nehmen dominante Parts in der Musik von Coogans Bluff ein und sorgen für eine auffällige, herausstechende Note. Dass das Zusammenspiel der Bläser mit dem sonst üblichen Rock-Instrumentarium aufgeht, zeigt unter anderem „Too Late“, welches die zweite Seite von „Gettin’ Dizzy“ eröffnet. Doch nicht nur das Fusion-ähnliche Riff gibt Hinweise auf die Bandbreite ihres Sounds. Der herrliche Chor, der auf den Chorus folgt, verleiht dem Song eine zwischenzeitlich schwebende Note, bevor Saxophon und Gitarre einen wieder auf den funkigen Fusion-Boden zurück holen. Zusätzlich bietet der beinahe 9 Minuten starke Song dem gesamten Instrumentarium ausreichend Platz, sich dem Hörer näher zu präsentieren: auf Max Thums jazziges Saxophonsolo folgt eine sich steigernde, bluesige Gitarreneinlage und während anschließend der Bass einen knackigen Lauf hinlegt, eifert Willi Paschen mit seiner Gitarre Jimmy Pages psychedelischen Spielereien auf „Dazed and Confused“ nach.

Von King Crimson bis Tarantino

Doch bietet der neue Longplayer des Fünfers weitere raffinierte Facetten. So rudert der Opener „Why Did You Talk“ in den Südstaaten-Gewässern, an denen die Kings of Leon früher auch nur zu gerne herumlungerten, während sich das Titelstück vom anfangs noch zackigen, mit Bläsern umspielten Gitarren-Riff, das wohl von „21st Century Schizoid Man“ inspiriert worden sein dürfte, zu einem schleppenden Ungetüm wandelt, das seine Stoner-Wurzeln keinesfalls verbergen kann und auch gar nicht will. Neben der Schwere des Mittelteils lässt auch Sänger und Bassist Clemens Marasus durch sein inbrünstiges Brüllen Erinnerungen an Black Sabbath wach werden.

Weiters finden sich auf „Gettin’ Dizzy“ noch eine sehr originalgetreue Coverversion des Yardbird-Hits „Heart Full of Soul“ und mit der Single „Her Tears“ ein Song für die Indie-Disco. Das fette Gitarrenriff erinnert dabei stark an Royal Republics „Tommy Gun“, während das saucoole Saxophon um eine Fortsetzung von Pulp Fiction betet und bereits mit fertigem Bewerbungsschreiben auf Quentin Tarantinos Türmatte steht. „Chicago“ bildet den höchst merkwürdigen Abschluss dieser wilden Achterbahnfahrt und lässt dank eigenwilliger Intonation noch mal aufhorchen.

Anything goes

Coogans Bluff ist eine kleine Wundertüte. Gerade als man meint, den nächsten musikalischen Schritt der Band zu erahnen, schlagen sie eine andere Richtung ein. Die fünf Jungs probieren sich aus und nehmen sich dabei Zeit. So verfolgt „Gettin’ Dizzy“ ein Anything-goes-Motto: Psychedelic Rock, Folk, Funk, Kraut-Rock und Soul. Die Band ist trotz dieser diversen Spielarten sehr fokussiert und hantiert gekonnt mit den einzelnen Zutaten. Ihre Stoner-Rock-Herkunft ist durchaus noch zu bemerken, doch ist ihr Sound nun im Blues-Rock und teils sogar im Rock’n’Roll anzusiedeln. Genügend Platz für solistische Ausflüge bleibt dabei auch noch. So surfen Coogans Bluff natürlich auch auf der Retrowelle, haben sich dazu aber ein einzigartiges Surfbrett geschnappt.

Fotocredit: Facebookpage Coogans Bluff

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