Längere Zeit war es still um den in Graz ansässigen Sado Maso Guitar Club. In Kürze darf man sich allerdings auf neues Material freuen. Dabei bestreitet das Quintett neue Wege.

Zwei Alben hat der 2009 von Matthias Krejan, der sich selbst das klingende Pseudonym Shakin’ Matthews verpasste, ins Leben gerufene Sado Maso Guitar Club bereits vorzuweisen. Gegründet, um ein Outlet für Songs zu schaffen, die mit Krejans damaliger Stammformation The (Incredible) Staggers nicht umzusetzen waren, erspielten sich die fünf versierten Musiker mit ihrem oft psychedelischen und immer retrolastigen Rock’n’Roll seither eine treue Fanbase in Österreich und Deutschland, Chartplatzierungen inklusive. Vor zwei Jahren wurde es dann plötzlich ruhiger um den SMGC, 2013 erschien das letzte Album, die Konzerte wurden rarer. Nun jedoch scheint die Durststrecke überwunden: „Nach mehreren Anläufen, uns zu motivieren, und einer Beinahe-Bandauflösung läuft es jetzt erstaunlich gut. Fast zu gut, irgendwas stimmt da nicht!“, erklärt Mastermind Krejan, dessen Initialen seines Künstlernamens als Pate für den Bandnamen dienten. Dass ein produktives und harmonisches Schaffen eigentlich auf der Hand liegt, möchte man anhand der Bandmitglieder ohnehin vermuten, setzt sich die Band doch aus eingespielten und erfahrenen Musikern zusammen. Organist Dominik Krejan ist nicht nur Chef des Synthie-Pop-Trios codes and keys, sondern auch der Bruder von Bandgründer Matthias. Christoph Mandl zupfte bereits bei den Staggers neben Krejan den Bass und auch der neue Gitarrist Thomas Taxacher ist ein alter Staggers-Bekannter. Felix Krüger, der auch häufig mit Son of the Velvet Rat musiziert, sorgt für den 60s-Garagen-Beat. Es läuft nun sogar so gut bei der Band, dass sie sich mittlerweile wieder im Studio eingefunden hat und an neuem Material arbeitet. Material, von dem genug vorhanden zu sein scheint, planen SMGC doch die Veröffentlichung von zwei EPs.

Neue Vermarktungsstrategien

Die Veröffentlichung von zwei Kurzalben kommt doch überraschend, wenn man bedenkt, dass der letzte Longplayer vor über drei Jahren erschien. Bandchef Krejan klärt über die Beweggründe auf: „Wir hätten genug Material, um ein komplettes Album aufzunehmen, werden es aber diesmal etwas anders angehen. Seid mal ehrlich, wann habt ihr zuletzt ein ganzes Album von vorne bis hinten durchgehört? Eben! Und wann das letzte Youtube Video angesehen? Heute! Alles klar.“ Auf dem Plan des Gitarrenclubs steht nun ein EP-Release mit fünf Songs im Herbst, inklusive dazugehörigen Videos, und dasselbe nochmal im darauffolgenden Frühjahr. Wie es sich für eine „sixtiesindiehippierock“-Band gehört, natürlich stilecht auf Vinyl.

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(c) Sascha Pseiner

Eine Single soll als Vorbote bereits im Sommer veröffentlicht werden. Musikalisch wird das Quintett keinen absolut neuen Weg einschlagen, dennoch verspricht Krejan einige Neuerungen: „Das neue Zeug von uns ist etwas härter, schneller und klingt roher. Zumindest im Vergleich zur letzten Platte, die doch sehr langsam und relaxt war. Zur Thrash Metal Band sind wir aber nicht mutiert und wir machen auch keinen ‚neuen Austropop‘.“ Der Sänger und Gitarrist verspricht auch neue Instrumente wie Nasenflöten und Gastspiele vom Ökonom Milton Friedman sowie von Politaufreger Donald Trump. Der republikanische Präsidentschaftskandidat sorgt auch hierzulande für großes Aufsehen und hat sich dadurch einen Auftritt auf der ersten Single der neu erscheinenden EP des SMGCs „verdient“: „Ich hoffe, der verklagt uns nach der Veröffentlichung des Liedes nicht. Glaube, wir verletzen da ein paar Urheberrechte. Aber er ist selbst schuld, wenn er so einen Blödsinn redet“, erklärt der Bandleader sein Handeln. Auf Songwriterebene hat sich bei den Grazern nicht allzu viel getan, immer noch kann sich Krejan den größten Teil der Credits zuschreiben lassen. Auch wenn er durchaus bereit wäre, die Arbeit aufzuteilen, wie er mit einem Seitenhieb auf seinen Bruder Dominik erklärt: „Die Songs stammen meistens von mir, da mein Bruder, unser Organist, der ein wunderbarer Songwriter ist, was er eindringlich bei seinem neuen Projekt codes and keys zur Schau stellt, zu faul zum Komponieren ist. Faul kann ich nur nochmals sagen!“ Dennoch stammen nicht alle Songs vom Gründer der Band. Auch der neue Gitarrist Taxacher steuerte einen Song bei. Die Ausarbeitung und das Arrangement der Lieder werden allerdings immer im Bandkollektiv erledigt.

Kein Schlüssel zum Erfolg

Die Zeichen stehen also gut, dass es ein tolles Jahr für den SMGC werden könnte. Überhaupt scheint es ein sehr produktives Jahr für Krejan zu werden, arbeitet er nebenher doch an einem neuen, vorerst allerdings noch geheimen Projekt. „Ich würde jetzt gerne alles ausplappern, aber es ist ja so geheim und wenn die Leute merken, dass ich kein Geheimnis für mich behalten kann, dann erzählt mir keiner mehr etwas“, hüllt sich der Musiker in Schweigen. Klar ist aber, dass sich der Lebensmittelpunkt Krejans, wie auch der der restlichen Band, in Graz befinden wird. „Wir alle leben in Graz. Und keiner darf wegziehen“, gibt sich der studierte Theologe bestimmend. Den derzeitigen Aufwind der österreichischen Pop- und Rockszene will der Sänger nicht explizit ausnutzen: „Ob dieser Trend anhält, ist abzuwarten. Mir ist’s aber grundsätzlich egal. Ich bin eh Lehrer.“ Überhaupt will Krejan sich und seiner Band keinen Erfolgsdruck aufzwingen lassen, auch darum, weil seiner Ansicht nach Erfolg ohnehin nicht planbar ist. Wohin der Weg vom SMGC langfristig hinführen soll, ist für den Sänger allerdings klar: „Ich hoffe ins Grab! Sprich: Musik bis ans Ende des Lebens.“

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