Der Name mag zwar skurril wirken und sofort die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, jedoch hat er überhaupt nichts mit einer Dating-Plattform gemeinsam. Mit einem Gospel-Chor vielleicht schon eher – denn hier teilt man sich ja die Musik.

Hinter Gospel Dating Service steckt eine Band aus Wien, bestehend aus Christoph Ertl (Keys und Vox), David Resch (Bass) und David Ruhmer (Drums). „Wir haben bewusst einen Bandnamen gewählt, der nicht gleich im ersten Moment auf eine Band schließen lässt“, erklärt Ertl. Sie wissen natürlich selbst, dass der Bandname sehr eigen ist, und wollen die Leute so zum Grübeln anregen. Durch die Absurdität soll sich der Name auch in den Köpfen festsetzen, und das gelingt ihnen auf jeden Fall.
Die Jungs mit Wurzeln in Linz und Salzburg wirken auf den ersten Blick nicht nur lässig, sondern lassen mit groovigem Sound aufhorchen. Das Indie-/ Alternative-Pop Trio setzt sowohl auf Up-Tempo als auch auf ruhigen Soul. Dabei ist aber anzumerken, dass sie trotz „Indie-Schiene“ komplett auf die Gitarre verzichten. Wie Christoph Ertl erklärt, ist das eher durch Zufall entstanden: „Zu Beginn waren wir zu viert inklusive Gitarre, aber dadurch, dass der damalige vierte Mann nicht in Wien wohnte, beschlossen wir, zu dritt weiterzumachen.“ Daraufhin wurde von ihnen nur noch Bass, Piano und Schlagzeug gespielt, und das funktionierte ganz wunderbar. Das hatte auch etwas Eigenes und sie begannen, ihren Sound in diesem Setting zu kreieren.
Die Gründung der Band liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück. Bereits 2011 wurde GDS gegründet, doch durch die Unterstützung des jungen Wiener Labels „Kleio Records“ hat das Bandprojekt nun noch mal an Schwung gewonnen.

Champagne – Eine Fake-Ruhm-Gesellschaft

Im Oktober veröffentlichten GDS ihr Debütalbum „Champagne“. Auch zu diesem Titel hat man sich einige Gedanken gemacht: Champagne ist nämlich ironisch gemeint und steht für eine Fake-Ruhm-Gesellschaft. „Wir wollen dadurch klarstellen, dass wir uns nicht verbiegen, um irgendjemandem zu gefallen. Unser Ziel ist es nicht, kurz da gewesen zu sein, um dann für immer von der Bildfläche zu verschwinden“, so Ertl. Für viele sei ein Song oder ein Album einfach zu etwas Selbstverständlichem geworden und die Medien würden sich nur mehr auf irgendwelche Storys stürzen. Die Musik spiele oft nur mehr eine Nebenrolle. Für einen Musiker ist so etwas natürlich nicht akzeptabel.

Das Album gestaltet sich sehr bunt, denn die Themen sind breit gefächert. So werden zum einen Themen behandelt, die so ziemlich jeden beschäftigen – wie Zukunftsängste, Beziehungen, das Weggehen und das Ankommen. Zum anderen werden aber auch durchzechte Partynächte besungen – und zwar mit einer ordentlichen Portion Selbstironie. Des Weiteren hat man sich Geschichten mit erfundenen Charakteren ausgedacht. „Wir haben also ein sehr abwechslungsreiches Album geschaffen, das den Zuhörer in immer neue Welten entführt“, so Ertl über die Songs des Debütalbums.

Von Kampflust und Partynächten

„Red“ war die erste Singleauskoppelung des Albums und sollte einen ersten Vorgeschmack geben. Hier geht es in erster Linie um den Zukunftsgedanken und daraus ergibt sich die Frage, wie zufrieden man eigentlich mit sich selbst ist. Das zentrale Lebensgefühl ihrer Generation wird zum Ausdruck gebracht. Man setzt sich selbst so dermaßen unter Druck, dass man seine Träume aus den Augen verliert. Es heißt schließlich nicht umsonst „open your eyes babe“. Ständig misst man sich mit anderen, was im Musikvideo durch zwei Kämpfer im Boxring dargestellt wird. Wer als Gewinner aus dem Kampf hervorgeht, bleibt aber offen und dem Zuschauer selbst überlassen. Allerdings deutet alles auf ein Unentschieden hin.

Ende September wurde ein zweiter Song aus “Champagne” inklusive Musikvideo veröffentlicht. „Queen Mary Cemetery“ erzählt von der Vergänglichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen vielfältigster Art – also von Freundschaft, Familie und Liebesbeziehungen. Auf diese Beziehungen blickt man im Song zurück. Im Video laufen gezeichnete Bilder in Schwarz und Weiß nacheinander ab. So wird unter anderem das Rad eines Roulette-Tisches gezeigt – ein Hinweis, dass Beziehungen teilweise einem Glücksspiel gleichen und oft mit Zufall verbunden sind? Verschiedenste Illustrationen lassen Raum zur Spekulation. Vor allem in diesem Song stellt Christoph Ertl die Wandelbarkeit seiner Stimme unter Beweis.
„Vanilla Unicorn“ handelt entgegen aller Annahmen nicht von einem Einhorn, das nach Vanille schmeckt, sondern von der zuvor erwähnten durchzechten Partynacht, viel Selbstironie inklusive.

Ein Album ohne (zeitliches) Limit

Eineinhalb Jahre hat es von der Vorproduktion bis zur fertigen Master-Aufnahme von “Champagne” gedauert. Das Hauptziel sei gewesen, ohne zeitliches Limit ein Album zu produzieren, mit dem sie in jeglicher Hinsicht zufrieden sein können. Das sei ihnen ihrer Meinung nach auch gelungen. „Gemeinsam mit den Produzenten David Furrer und Tom Marsh haben wir uns, ohne musikalische Grenzen zu setzen, stetig weiterentwickelt und neu erfunden. Natürlich gab es auch Ups and Downs, aber das ist ganz normal bei so einem langen Prozess“, erklärt Ertl die Vorgänge der Albumproduktion.

Für die Zukunft wünschen sich die drei eine lange Tour, die sie durch Österreich, Deutschland und vielleicht sogar weiter führen wird. „Wir hoffen, großartige Konzerte mit noch großartigeren Künstlern spielen zu dürfen und, nicht zuletzt, uns immer weiterzuentwickeln, um unser Publikum stetig aufs Neue zu überraschen und zu begeistern.“ Bescheidene Wünsche einer Band, die bereits jetzt hoch im Kurs steht.

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