Das Label für harte Angelegenheiten. Das österreichische Label Napalm Records hat sich auf metallische Klänge und rockige Beats spezialisiert. Obwohl das Label seinen Sitz in Eisenerz hat, ist sein Name weltweit bekannt.

Seit seinen Anfängen in den 90ern fanden über 200 Bands den physischen oder virtuellen Weg in seine Räumlichkeiten, ist sein Name auf über 450 Alben zu finden und hat es mittlerweile von Österreich über Deutschland bis nach Amerika etliche Fans der härteren Klänge um sich geschart. Die Rede ist vom österreichischen Label Napalm Records.
Was als Ein-Mann-Unternehmen in der Wohnung des Großvaters von Gründer und Kopf Markus Riedler begann, hat sich zu einem souveränen und international erfolgreichen Metal- und Rock-Label entwickelt. Mit Top-Chartplatzierungen von Bands wie Powerwolf, Alestorm, Saltatio Mortis oder Kamelot darf der Geschäftsführer stolz auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurückblicken.

„Riesen-Challenge“

Der Ursprung von Napalm Records liegt in der Schulzeit von Markus Riedler, als der Steirer nach und nach eine große Leidenschaft für Musik und insbesondere für Rock und Metal zu entwickeln begann. Es dauerte nicht lange und nach der Leitung des Pungent Stench Fanclubs wurde er von der Death Metal Band Disastrous Murmur gebeten, eine Mini-CD von ihnen zu produzieren.

„Das wär’ in ihren Augen wahrscheinlich ein Beamtenjob gewesen – oder im Erzberg mit der Spitzhake.“

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Napalm Boss Markus Riedler (c) Sascha Pseiner

Die HAK-Ausbildung wurde da geflissentlich hinten angestellt und nachdem sich das Produkt ungewöhnlich gut verkaufte, war schnell eine gewisse Entwicklung zu erkennen. Dennoch hatte Markus Riedler nie die ausdrückliche Absicht, ein Label zu gründen. „Meine Eltern haben mir abgeraten, haben gesagt, ich soll nicht selbstständig werden, sondern ‘was Gscheit’s’ machen. Das wär’ in ihren Augen wahrscheinlich ein Beamtenjob gewesen – oder im Erzberg mit der Spitzhake“, lacht Markus Riedler. Mit einer Unternehmensgründung wollte er sich länger nicht auseinandersetzen: „Man startet mit dem aus purem Idealismus und es wird irgendwie ein Wirtschaftszweig und die Haupteinnahmequelle für einen. Man lebt davon – und dann nimmt das irgendwann richtig konkrete Formen an.“
In eine Unternehmensform wurden seine Machenschaften letztendlich mehr oder weniger von außen gepresst. Als Markus Riedler begann, auch Stores in Wien zu beliefern und Rechnungen mit Mehrwertsteuer von ihm verlangt wurden, musste er sich schlussendlich etwas einfallen lassen. Auch der Postler wurde bereits etwas misstrauisch. Immerhin war Markus Riedlers Wohnung voller CDs, die von dem Postboten in Unmengen zugestellt wurden: „Der hat gefragt, was ich da eigentlich die ganze Zeit bekomme. Aber ich hab’ mich immer ein bisschen bedeckt halten müssen, weil ich konnte ja nicht ohne Unternehmen von einer eigenen Firma reden. Es war schon eine Riesen-Challenge am Anfang.“

Eisenerz und die große weite Welt

Im Nachhinein hat sich die Entscheidung zum selbstständigen Unternehmen für Markus Riedler als goldrichtig erwiesen. Noch heute ist der Hauptsitz des Labels im überschaubaren Eisenerz. In Bezug auf die Kontaktaufnahme mit internationalen Bands waren der Sitz und die Herkunft Napalm Records jedoch noch nie von Nachteil: „Die Künstler schauen viel mehr darauf, welche internationale Präsenz und welchen Ruf wir haben.“ Die Anschrift am Hammerplatz hat sogar schon einige Male für Aufsehen gesorgt: „Bands fragen uns oft, ob wir diese Anschrift gekauft haben“, lacht Markus Riedler und zieht das Fazit, dass, wenn die Idee passt, es sicher nicht so wichtig ist, woher man kommt. So konnte das Label vor kurzem auch die schwedische Power Metal Band Hammerfall von dem Konkurrenten Nuclear Blast abwerben, worauf Markus Riedler besonders stolz ist.
Auch, wenn das Logo mit Doppelkopfadler und österreichischer Flagge Österreich imposant und theatralisch repräsentieren soll, war die Grundeinstellung für Markus Riedler immer: „Schnell weg aus Österreich. Der Markt ist einfach zu klein.“ So sind heutzutage nicht mehr so viele österreichische Künstler unter Vertrag, wie zu Beginn. Dennoch versucht Napalm Records, die heimische Musiklandschaft zu fördern: „Ich bin nach wie vor so patriotisch eingestellt, dass, wenn es etwas Interessantes und Gutes aus Österreich gibt, wir versuchen sollten, das unter Vertrag zu nehmen.“ Als jüngstes Beispiel nennt Markus Riedler die Band Drescher, die im Februar 2016 ein Teil der Napalm Familie wurde.

Als Band bei Napalm Records

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Im Herzen von Napalm Records in Eisenerz (c) Sascha Pseiner

Um als Band von Napalm Records unter Vertrag genommen zu werden, sollte die Musik ausgereift sein, der Social Media-Auftritt passen und mitreißende Live-Shows zum guten Ton gehören. Wenn „nicht nur plump irgendein Demo abgeliefert wird“ und das Label im Idealfall von sich aus auf die Band aufmerksam wird, sind die Karten gut. Spontanbewerbungen sind da eher ein Glücksspiel: „Wir bekommen zwar noch immer viel zugeschickt, aber das meiste ist wirklich – und das muss ich leider so sagen – einfach Rotz“, meint Markus Riedler. Hat man allerdings einmal die volle Aufmerksamkeit des Labels auf sich gezogen, übernimmt Napalm Records das finanzielle Risiko und investiert bis zu 700.000 Euro in eine Band. Eine Band erhält Unterstützung beim Marketing, Tipps in kreativen Fragen und dreht mit dem Label das Napalm Records Musikvideo. Bei Korpiklaani und Alestorm wurde sogar bei der Namensfindung und den Cover Artworks nachgeholfen.
Grundsätzlich hat Napalm Records immer ein Auge auf die Produkte, die von den unter Vertrag genommenen Bands entstehen. Da können natürlich auch Unstimmigkeiten auftreten, wie es zum Beispiel mit der Heavy Metal Band W.A.S.P. der Fall war. Vom Entwurf des Artworks von „Golgotha“ war Markus Riedler nicht sonderlich begeistert und ließ das Cover sogar von einem professionellen Grafiker nachzeichnen: „Das schaute wirklich um Meilen besser aus: moderner, gut und zeitgemäßer umgesetzt.“ Blackie Lawless, Mastermind von W.A.S.P., war allerdings gar nicht beeindruckt und setzte letztendlich seinen Erstentwurf durch. Der Versuch, dem alten Hasen des Genres das Thema moderner näherzubringen, ging da daneben.

Das heikle Thema Politik

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PARADOX Redakteurin Lisa Schantl im Gespräch mit Markus Riedler (c) Sascha Pseiner

Als Firma mit einem guten internationalen Ruf hat Napalm Records ein gewisses Image aufrechtzuerhalten. Ein Thema, das erst kürzlich polarisierte, war beispielsweise die Neuerscheinung der Band Varg, die die Frage nach einer rechten Ausrichtung aufwarf. „Wenn es irgendwo eindeutig erkennbar ist, dass es in eine politische, also rechte Richtung geht, machen wir das Thema natürlich nicht“, erklärt Markus Riedler. „Aber das haben wir bei Varg dann nicht gesehen und sie distanzieren sich auch ganz klar von rechts.“ Dass Politik grundsätzlich nichts in der Musik verloren habe und nicht im Interesse von Napalm Records sei, betont Markus Riedler stark. Generell hätte der Geschäftsführer aber des Öfteren mit „Moralaposteln“ der Szene zu kämpfen. So wurde ein Mitarbeiter des Labels sogar einmal nicht in die Arena in Wien gelassen, weil er das Labeleigene T-Shirt mit Doppelkopfadler trug.
Auch der Wikipedia-Eintrag über Napalm Records sorgte schon öfter für Furore. Darin wird das Label für „rechtsextreme Bands im Web-Shop“ kritisiert. Napalm Records hat auf Richtigstellung geklagt, da die Firma und der Sachverhalt in dem Beitrag nicht neutral dargestellt würden, aber blieb erfolglos. „Wir haben damals ein Produkt vertrieben, das Amazon heute noch immer verkauft, aber bei Amazon ist das natürlich etwas anderes – da steht das nicht.” Auch hätten bereits einige Künstler auf diesen Eintrag hin Bedenken an der Zusammenarbeit mit dem Label geäußert. Markus Riedler ist jedoch fest davon überzeugt, dass, wenn man die breite Aufstellung ihrer Künstler berücksichtigt, man sehen muss, dass da in keiner Art und Weise etwas Politisches dahintersteckt.
Napalm Records präsentiert sich also als ein politisch unabhängiges Label mit einem offenen Ohr für gute, interessante österreichische und internationale Musik. Vor allem der weltoffene Charakter, Niederlassungen im englischen und deutschsprachigen Raum und die unterschiedlichen Thematiken der vielen Metal und Rock Subgenres stellen den oftmals kritisierten Namen und das zugegeben teilweise widersprüchliche Logo in den Hintergrund. Letztendlich ist es ja nicht Wikipedia, das ein Label charakterisiert, sondern der Idealismus und der Ehrgeiz der Leute, die hinter dem Label stehen.

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