Der August 2016 stand ganz im Zeichen des Rock’n’Roll – zumindest für alle Crew- und Cast-Mitglieder sowie Soundtrack-Spender der neuen Produktion von Michael Ostrowski. Dessen neuer Film „Hotel Rock’n’Roll“ vermittelt nicht nur echten Rock’n’Roll-Flair, sondern setzt auch heimische Bands gekonnt in Szene.

Mit „Hotel Rock’n’Roll“ beschloss der österreichische Schauspieler und Regisseur die von Michael Glawogger ins Leben gerufene Trilogie „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“. Fans des österreichischen Films und ganz besonders auch des landestypischen Schmähs pilgerten im Spätsommer 2016 in die Kinos des Alpenlandes. Bei der gelungenen visuellen Kost im österreichischen Stil sollte auch das heimische Hörerlebnis nicht vergessen werden, das “Hotel Rock’n’Roll” zu bieten hat.

Heimische Klänge für’s heimische Kino

Für den Soundtrack griff Ostrowski ganz bewusst zu heimischen Musikern. Neben Austropop-Legende Wolfgang Ambros findet man sowohl alternativen Sound von The Base und Suricates als auch Hip-Hop Vibes von Skero und Elektrisches von Koenig auf dem Soundtrack-Sampler des „Hotel Rock’n’Roll“. Als Motivation, österreichischen Bands mit seinem Film eine Plattform zu bieten und ihrem Sound ein visuelles Antlitz zu verleihen, nennt Ostrowski seine eigene Begeisterung für österreichische Musik: „Ich war immer schon ein großer Fan heimischer Bands und habe nie verstanden, wieso man die eigenen Musiker im Land nicht mehr schätzt und unterstützt.“
Damit steht Ostrowski nicht alleine da, auch wenn das „Hotel Rock’n’Roll“ einen ganz besonderen Schwerpunkt auf Musik und insbesondere Musik aus dem eigenen Land legt. Schon Michael Glawogger bereicherte die ersten beiden Teile der Filmtrilogie, „Nacktschnecken“ und „Contact High“, mit österreichischen Künstlern. Auch Andreas Prochaskas „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“, Barbara Alberts „Die Lebenden“ sowie die Serie „Braunschlag“ – um nur einige zu nennen – bedienten sich an der vielseitigen Auswahl heimischer Musikschaffender.
Die Wahl von Musikern aus Entstehungsland des Films hat dabei weniger mit reiner Geografie zu tun als vielmehr mit der Stimmung und dem Inhalt des Werkes: „Wenn der Film ein gewisses Lokalkolorit mittransportieren will, kann man das mit heimischer Musik schon verstärken“, so Norbert Wally von The Base. Auch die Suricates sehen die Auswahl heimischer Künstler für das „Hotel Rock’n’Roll“ als äußerst passend an und bezeichnen den Film gar als eine Hochzeit von österreichischer Musik mit österreichischem Schmäh. „Das Gesamtkonzept muss stimmig sein, unabhängig davon, was aus welchem Land stammt“, betont die junge Band aus dem Burgenland.

Oh, du rockiges Österreich

Das Konzept des Films, wie der Titel schon verrät, dreht sich um den puren Rock’n’Roll Lifestyle. Dabei sprengt Ostrowski die Genregrenzen und verpasst dem Begriff „Rock’n’Roll“ einen neuen Anstrich: „Wir haben nicht unbedingt nach klassischen Rocksongs gesucht, sondern eher nach Nummern, die das verkörpern, was wir als Rock’n’Roll-Haltung bezeichnen. Das kann Hip-Hop genauso sein wie Balkanmusik oder ‚Du schwoaza Afghane‘ vom Ambros.“ Die Bands, die sich Ostrowski für den Soundtrack ausgesucht hat, teilen diese Ansicht und verstehen unter Rock ebenso eher ein gewisses „Scheiß-drauf-Feeling“ und eine entsprechende Lebenshaltung als einen bestimmten Sound und Rhythmus. So ist Rock für Skero „Hip-Hop für Menschen mit langen Haaren“, für die Suricates „Sex auf Drugs“ und für Lukas König alias Koenig einfach „schwer, groß, metallisch, wild, schön und schirch“.
Dieses Verständnis von Rock’n’Roll als Geisteshaltung erklärt auch die musikalischen Unterschiede zwischen den Bands. Während die Suricates ein Sammelsurium aus Songs diverser Rock-Subgenres zu bieten haben, schlägt Koenig elektronische Klänge an und Skero bedient sich an der Rap-Kunst. Für Ostrowski verbindet diese Künstler vor allem ein gewisser Wille zum Sieg und zur großen Geste: „Die Qualität und Originalität und der Wagemut heimischer Bands sind schon oft höher als anderswo“, versucht er, den gemeinsamen Nenner zu beschreiben. Für alle Verfechter des klassischen Rock’n’Roll-Begriffs sowie Internationalisten hat sich Ostrowski allerdings auch etwas einfallen lassen und „I Wanna Be Your Dog“ von Iggy Pop in den Film aufgenommen – zum Besten gegeben von der filmeigenen Hotelband.

Soundtrack als Sprungbrett

Während The Base schon einige Erfahrungen im Soundtrack-Bereich verzeichnen können und schon vor „Hotel Rock’n’Roll“ Songs zu früheren Produktion von Michael Ostrowski beigesteuert haben, war die Rolle als Soundtrack-Spender für die anderen Musiker größtenteils Neuland. Für König ging mit seinem Auftritt im Film und seiner Soundtrack-Nummer ein Traum in Erfüllung: „Ich habe es mir oft gewünscht, dass Musik, in der ich in irgendeiner Art mitwirke, von Bildern unterstützt wird.“ Auch für die Suricates war die Mitgestaltung des Soundtracks etwas Neues: „Für eine doch eher unbekannte Band wie uns ist das Gefühl, wenn die eigene Nummer aus den fetten Kinolautsprechern dröhnt, wirklich etwas ganz Besonderes. Dieser Kinofilm ist so ziemlich das Coolste, was uns bisher passiert ist.“
Die Mitgestaltung eines Soundtracks kann gerade für junge und unbekannte Bands ein wahrer Karrierebooster sein und für mehr Bekanntheit sorgen. Wally betont in dieser Hinsicht vor allem die positiven Qualitäten der Vermischung verschiedener Kunstformen und die Chance, ein anderes Publikum zu erreichen. Die Suricates können dem nur zustimmen, immerhin feierten sie gerade erst ihr Debütalbum und erreichten durch ihre Mitwirkung bei dem Film eine äußerst weitgefächerte Hörerschaft, worunter sich bestimmt auch Menschen befinden, die sonst womöglich nie auf ihren Sound aufmerksam geworden wären.
Neben der Chance auf einen höheren Bekanntheitsgrad profitierten The Base, Skero, Koenig und die Suricates vor allem auch von den entstandenen Kontakten, den Dreharbeiten und Afterwork-Partys. „Für mich war es eine lebensverändernde Zeit, am Set dabei sein zu dürfen und Musik dafür zu machen“, erinnert sich König zurück. Der Musiker gab Schauspieler Georg Friedrich – im Film zu sehen als Schorschi – sogar einige Wochen lang Schlagzeugunterricht. Auch die Zusammenarbeit mit Ostrowski und den anderen Castmitgliedern blieb den Bands positiv im Gedächtnis. „Es war alles super und lustig – sowohl beim Dreh, den dazugehörigen Partys danach und der Promotour“, erinnert sich Wally.

Reich beschenkt

„Hotel Rock’n’Roll“ ist somit nicht nur ein Film des österreichischen Schmähs und Witzes, sondern auch eine Plattform für junge österreichische Musiker und eine Verkörperung des unverkennbaren Rock’n’Roll-Feelings. Auch Ostrowski schätzt die Zusammenarbeit mit den Bands sehr, nicht nur, weil er ein großer Ambros-Fan ist und The Base als eine der besten Bands Österreichs bezeichnet: „Ich bin durch alle Musiker im Film und am Soundtrack sehr bereichert und reich beschenkt worden“, gesteht Ostrowski. Wer weiß, vielleicht erklingt ja auch seine filmeigene Hotelband mit einer Version von „Futschikato“ demnächst in den Radiosendern dieses Landes.

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