Die junge Band INFAMOUS aus St. Pölten hat sich ganz dem Grunge und Punk verschrieben. Auf ihrem Debüt-Album „INDIGO“ zeigen sie ihre Leidenschaft.

Grunge und Punk, orientiert an Vorreitern wie den Pixies, Nirvana oder Blink 182, das ist die selbstauferlegte Aufgabe der jungen Konstellation INFAMOUS aus St. Pölten. Vor allem ihr jüngstes Werk, der Longplayer „INDIGO“, vereint die Einflüsse und musikalischen Vorlieben der drei Jungs. melancholisch, sentimental, dann wieder aggressiv und wild – sie zeigen der Welt, dass weder Grunge noch Punk jemals „dead“ sein werden.

Musik im Beton

INFAMOUS Bus

Vielleicht wird sie dieser Bus eines Tages zu ihrem Traum-Gig am Frequency bringen.

Durch einen Zufall teilten sich vor rund fünf Jahren die Gründungsmitglieder von INFAMOUS im BRG/BORG St. Pölten einen Klassenraum. Phil, Max, Jonny und Peter entdeckten sofort Parallelen in ihrem Musikgeschmack und die ersten Cover-Songs wurden einstudiert. Nach einigen Differenzen verließ Lead-Gitarrist Peter aber die junge Band und es wurde, wie es in Grunge-Manier üblich zu sein scheint, zu dritt weiter gemacht. Seitdem verkriechen sich die Jungs jeden Samstag in einen abgelegenen Betonraum, den sie mit etwas Glück aufspüren konnten. „Dort haben wir uns unsere eigene kleine Welt geschaffen“, erzählt Gitarrist und Sänger Phillip Neuhauser. Auch der erste Auftritt fand in dem Betongehäuse statt, der aber, laut Beschreibung der Jungs, eher eine „hemmungslose Party mit Livemusik“ war. Die „öffentliche Probe“ dürfte aber gefallen haben und ist seitdem ein halbjährlicher Pflichttermin.

Der dunkelste Blauton

INFAMOUS_INDIGO

Das Debüt-Album „INDIGO“ erschien im Mai 2014.

Nachdem sie es mit ihrem Demo-Album „Let’s Go“ ins Local Heroes Österreich-Ost-Finale geschafft und eine Single veröffentlicht hatten, erschien im Mai 2014 ihr Debüt-Album „INDIGO“. „Der Name, der den dunkelsten Blauton, den es gibt, meint, war vor allem in der Grunge-Musik Anfang der 90er gerne als Farbe gesehen und verwendet. Das war ein Mit-Grund für den Namen unseres Albums“, erklärt Drummer Jonathan Idinger. Mit dem Album wollen sie sowohl musikalisch als auch grafisch die alten Werte aufzeigen: „Man sollte sich bewusst sein, dass der Ursprung in Platten und Kassetten liegt.“

Die Mischung macht’s

Eine Entscheidung zwischen Grunge und Punk konnten die drei talentierten Musiker aus Niederösterreich wohl noch nicht endgültig treffen. Erinnert der Anfang von „INDIGO“ eher an Kurt Cobain, Krist Novoselic und Dave Grohl, wird man mit dem „PunkRockSong“ in Richtung Tom DeLonge, Mark Hoppus und Travis Barker katapultiert. Auch unterschiedliche Stimmungen lassen einen die Band stets neu entdecken. So weckt die bewegte Nummer namens „The Flo“ die Tanzmuskeln auf und lädt mit der abwechslungsreichen Stimme, Screams und im Gedächtnis bleibenden Rhythmen und Melodien zum Mitsingen ein. Der Song „What If“ ist im Gegensatz dazu langsam, fast schon traurig, und verbreitet eine tiefe, melancholische Stimmung. Die Ballade am Album handelt von der verlorenen Liebe, vermischt sich mit Cello-Klängen und hallt nach dem letzten Ton noch lange im Kopf nach.

Das klingt wie …

Dass nicht nur die Rhythmen und Melodien der Band von Nirvana geprägt sind, hört man an jeder Grunge Nummer des Albums. Erinnern Riffs wie in „The Killer Himself“ an die Grunge-Größe, so tut dies vor allem auch die wandlungsfähige Stimme von Phil. Emotionslos und doch kräftig, markant und natürlich und dann wieder melancholisch und sentimental – das stimmliche Repertoire des jungen Musikers scheint nie ausgeschöpft zu sein. Erlebt man ihn in „P.O.R.N.“ in einem tiefen Grunge-Feeling, kann er in anderen Nummern durchaus auch punkig sein. Jedoch hat man das Gefühl, dass er sich im Grunge besser beheimatet fühlt.

Aber nicht nur die stimmliche Leistung erinnert an diverse Vorreiter der Musikgeschichte. Gitarrenklänge à la The Offspring und Co. sind das ganze Album lang präsent. Der Musikgeschmack der Jungs geht aber eindeutig über die allseits bekannten Bands hinaus. Das erkennt man unter anderem an dem kräftigen Punk Song „Bold Gus“, der überraschenderweise mit einer Secondhand Serenade Songzeile aus dem Nähkästchen rückt: „I was born to tell you I love you …“

Up-Coming

In nächster Zukunft dürfen wir uns auf ein Musikvideo auf YouTube zu dem Song „Buddy“ freuen, der zufällig gerade der Lieblingssong der Jungs auf ihrem Album ist. Wie auch „INDIGO“ selbst, wird es eine Eigenproduktion sein, an der natürlich einige helfenden Hände beteiligt sind. „Es wird von dem einfachen Wunsch aller Jungs und Mädels handeln, mit einer Band vor Leuten zu spielen. Dafür verzieht man sich wöchentlich bei strahlendem Sonnenschein und 40°C in einen dunklen Betonraum. Dafür friert man sich im Winter in einem unbeheizten Raum die Finger ab. Schlicht um das wahnsinnige Gefühl der Freiheit empfinden zu können, wenn man seine eigenen Lieder vor Menschen spielt“, beschreiben die drei das Video.

Auch auf Shows Ende des Jahres und im Frühjahr 2016 darf man gespannt sein. Musikalisch sind INFAMOUS definitiv auf dem richtigen Weg – spannend, abwechslungsreich und gleichzeitig zielgerichtet. Dennoch ist es zu erwarten, dass sie sich in den nächsten Jahren noch deutlicher definieren und die Richtung, in die sie gehen wollen, genauer abstecken werden. Wohin sie sich auch entwickeln, mit Leidenschaft werden sie ganz bestimmt immer dabei sein.

Credits: Valentin Reiter, Mariella Schlossnagl, Phillip Neuhauser, Jonathan Idinger

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