Präambel

Beim Versuch, ein umfassendes Band-Feature von Sergeant Pluck Himself zu schreiben, scheitere ich genauso, wie beim Versuch, das ganze Oeuvre der Niederösterreicher „Adult Pop“ oder aber auch „Progressive Pop“-Band an einem Nachmittag kennenzulernen. Das liegt zunächst einmal daran, dass die sympathische Formation rund um Matthias Ledwinka (der ist übrigens auch Drummer, und zwar von Lausch, die es mir ja ziemlich angetan haben) schon lange zusammen spielen und ein schier unerschöpfliches Repertoire an Songs haben, die zu facettenreich sind, um ihnen mit einer kurzen Standard-Schubladen-Beschreibung gerecht zu werden. Mit „Oeuvre“ meine ich: eine EP und drei Alben, mit facettenreich meine ich: das ist eine beeindruckende kreative Bandbreite, die nur Musiker, die wirklich mit dem Herzen bei der Sache sind und auf vielen Ebenen wissen, was sie tun, zusammenbringen. Sergeant Pluck Himself – ja, der Name ist kurios, und ja, der bedeutet was, aber dazu später – ist eine Band, die man noch lange nicht kennt, nur weil man ein paar Songs gehört hat. Deshalb werde ich im Folgenden skizzenhaft ein paar Eindrücke über diesen Mister Sergeant Pluck Himself in den Raum werfen und mich dabei auf ihr im März erschienenes neues Album „Yesterday Will not Come Again“ konzentieren.

Pop für Leute, die „Pop“ nicht mögen

Das ist ja so eine Sache mit dem Wort „Pop“ – es läuft Gefahr, Assoziationen mit 17-jährigen DSDS-AspirantInnen und überproduzierter Massenabfertigungs-Geräuschkulisse hervorzurufen. Im Falle von Sergeant Pluck Himself finde ich aber, dass das Label „Adult“ bzw. „Progressive“-Pop wirklich treffend ist: denn das sind größtenteils ‚runde’ Songs mit eingängigen Melodien, die aber musikalisch raffiniert sind und in denen man, je öfter man sie anhört, immer wieder auf wohlüberlegte Details stößt, die dem Ganzen einen individuellen Charakter verleihen und es wirklich ‚progressiv’ im Sinne von experimentierfreudig und vielseitig machen. Hört euch zum Beispiel „Did you touch my Elbow“ an: der Song hat diese – irgendwie seltsame und deshalb coole – Hookline, die man innerlich tagelang weitersingen könnte, ist aber voll von Taktwechseln (wer also z.B. Tool mag und/oder generell Freude am Zählen hat, wird diese zu schätzen wissen) und hat auch einen Part zu dem ich meinen Head durchaus bangen würde. Der Titelsong des Albums – oder zumindest der, aus dem der Albumtitel stammt – heißt „Alpha Resignation“ und hat den epischen Refrain „Take your time but keep in mind, yesterday will not come again“ – unbedingt anhören. Wem dieser Sergeant Pluck Himself nun bereits sympathisch ist, dem empfehle ich, sich mal auf der Website der Band umzusehen: da gibt’s nämlich massig Material, zum Beispiel eine Banddoku, die nicht nur ein Video über Musik, sondern vor allem, ich zitiere frei, „ein Video über die Menschen, die diese Musik machen“, geworden ist. Und natürlich geniale – weil selbst mit viel Aufwand gezeichnete bzw. animierte – Musikvideos, wie zum Beispiel das zur Single „Howard Dick“. Seht selbst!

This Sergeant’s got it going on.

Wer Sergeant Pluck Himself noch nicht kannte, sollte diese Bildungslücke schnell füllen, denn diese Herren sind ordentlich auf dem Vormarsch: die letzten Monate sind sie durch Tschechien, Polen und allerlei Locations in Österreich getourt, im Jänner sind sie in Zwettl und Brno live zu sehen. Mit meinem bescheidenen Feature reihe ich mich nur ein in die vielen positiven Pressekommentare zu Sergeant Pluck Himself – so wird SPHS zum Beispiel wiederholt attestiert, die IndieRock-Szene mit ihrer catchy, aber trotzdem zeitlosen Musik ordentlich aufzumischen.

Von Fahrrädern und Menschen

Aber was hat es nun auf sich mit dem Bandnamen? Tja, LiebhaberInnen der englischen Literatur kennen vielleicht Sergeant Pluck, eine Hauptfigur in Flann O’Briens (also eigentlich Brian O’Nolans) Roman „The Third Policeman“. Sergeant Pluck hat eine Theorie über die Beziehung zwischen Fahrrad und Mensch, die besagt, dass Menschen beim Fahrrad fahren teils zum Fahrrad werden und die Fahrräder zu Menschen. Ja. Das mag komisch klingen. Ist es auch (also eigentlich ist es einfach typisch postmodern, aber da würden wir zu weit ausschweifen). Erklärt aber unter anderem das Bandlogo. Und lässt sich, wenn man die Fahrräder durch Musikinstrumente ersetzt, auch vorzüglich auf das Verhältnis dieser Musiker zu ihren Instrumenten umlegen. Denn dass hier eine Symbiose stattfindet, ist nicht zu überhören. Wer sich also für wirklich guten Pop/Indierock/wie auch immer ihr das benennen wollt – Genrebezeichnungen sind ohnehin nicht so wichtig, wenn die Musik stimmt – begeistert und mal was Neues hören will, dem empfehle ich wärmstens, sich das neue SPHS-Alben zu holen (kann auch gedownloadet werden) und die Band bei nächster Gelegenheit live anzuhören.

Sergeant Pluck Himself – diesen Namen werdet ihr so schnell nicht vergessen. Und ihre Musik auch nicht! Das neue Album „Yesterday will not come back again“ ist progressiver, eingängiger Indierock voll musikalischer Raffinesse, cleverer Details und Herzblut.

Fotocredits: Sergeant Pluck Himself

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