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Rammelhof, die schimpfwütige und „goschate“ Band aus Wien, meinen: Ja. Nicht umsonst haben sie eben jene Frage aus der Überschrift in Form einer Aussage als ihren Schlachtruf auserkoren.

Vor zwei Jahren machten sie in YouTube Furore, heute beglücken sie ihre wachsende Fangemeinde mit ihren Liveshows. Die Rede ist von Rammelhof, der Wiener Tschin Bumm Rock Band, oder einfach Rockband. Rammelhof, das sind Sänger General Geri und sein weibliches Gegenstück Gina der Gino, der Gitarrist GI Don und Urgos Brutalos an den Drums. Schon alleine optisch stechen die drei Männer und ihre Lady – obwohl diese ja angeblich vormals ebenfalls ein Mann gewesen sein soll – ins Auge. Für ihre Auftritte und in ihren Videos erscheinen sie in gepimpten Militäroutfits. Besonders auffällig ist in diesem Zusammenhang Geris Antennenhelm, der rein optische Zwecke erfüllt, wie uns Geri verrät: „Der Helm ist einfach mein Markenzeichen. Ich bin der Kommandant der Band und das Licht am Ende der Antenne soll den Bandmitgliedern den Weg weisen.“ Auch ein Panzer darf hier natürlich nicht fehlen. Dessen Beschaffung, sei laut General Geri kein Problem für ihn gewesen: „Ich war der Kommandant der dritten Panzergrenadierbrigade und es ist daher kein Problem für mich ein gepanzertes Kettenfahrzeug aufzutreiben.“ Gegründet wurde die Band offiziell im September 2014, schon im Dezember des selben Jahres sind sie mit ihrem ersten Song an die Öffentlichkeit getreten.

Der Bandname Rammelhof alleine sorgt schon für die eine oder andere Augenbraue, die in die Höhe wandert und teils auch für pubertäres Gekicher. Doch entgegen etwaiger Vorstellungen sei die Band nach einer Ortschaft in der Nähe von Allentsteig benannt worden, so General Geri, und nicht nach irgendwelchen Schweinereien.

Humoristisch verpackte Gesellschaftskritik

Der erste Hit der Band „Wladimir (Put Put Putin)“ schlug nicht nur bei österreichischen Fans ein wie eine Granate, sondern erfreute sich auch in der Ukraine großer Beliebtheit. Die vier Aufwiegler konnten außerdem durch den 2014 erschienen Song das Publikum und die Jury des FM4 Protestsongcontestes 2015 für sich gewinnen und staubten bei selbigem den ersten Platz ab. Doch das Lied wird oft missinterpretiert. Während „Wladimir (Put Put Putin)“ von vielen als Schmählied auf den russischen Präsidenten gesehen wird, soll es eher die Menschen kritisieren, die sich nach einer „starken Führung“ sehnen. So wird auch im Refrain aufgelöst: „Die Deutsch’n hom die Mutti und die Russ’n den Putin. Und die A-merikana den Barack Obama, Dena komma glei die Tränen vor lauter Rührung, weil die meisten Leut – woll’n a starke Führung!“

2015 erschien das erste Rammelhof-Album mit dem Titel „Die ganze Welt ist ein Rammelhof„, womit wir wieder bei eingangs erwähnten Schweinereien wären. Der Albumname hat sich durch die simple Tatsache ergeben, dass die ganze Welt ein „Rammelhof“ sei und Sexualität ein zentraler Bestandteil vieler Lebewesen. Wobei dies wenig mit dem Inhalt des Albums selbst zu tun hat, wie uns General Geri verrät: „Das erste Album ist eher politisch und gesellschaftskritisch, aber es gibt auch Lieder drauf wie zum Beispiel ‚Du‘, wo es um das Thema ‚Fremdgehen‘ geht.“
Nicht nur der Albumtitel sorgt für Aufmerksamkeit – die 12 Nummern starke Scheibe lässt außerdem genauer hinhorchen. Auf ihr befinden sich Stücke wie „NSA“ oder „Da Papa wird’s richten“. Zuletzt erwähnte Nummer ist aus der Sicht eines gierigen Investmentbankers geschrieben und nimmt selbige unter lyrischen Beschuss.

Auch Supermächte sind vor Rammelhof nicht sicher

Auch mit ihrer Albumauskopplung „Pumpgun“ treffen Rammelhof wieder den Nerv der Zeit. Auf ihre bandeigene humoristische und augenzwinkernde Art stellen sie die amerikanische Waffenpolitik und den in der USA herrschenden Rassismus in Frage. Nachdem Rammelhof bereits die Supermächte Russland und USA in lyrischen Beschuss genommen haben, muss sich als nächstes Saudi Arabien vor den Wienern fürchten, wie uns Geri verrät.

Rammelhofs neuestes Schaffenswerk trägt den Titel „RADIKAL“ und wird am 7. Oktober veröffentlicht werden. Das Erscheinen des neuen Albums wird natürlich gehörig gefeiert mit einer Release-Show am selben Tag im Area in Wien. Die erste Auskoppelung aus „Radikal“ ist frisch veröffentlicht worden: „Fesche Ski„, eine Nummer mit Ohrwurmpotential. Alleine schon durch den Refrain „Wer so fesche Ski hat, fahrt doch net zum Dschihad“ wird man für mindestens den Rest des Tages vom Track verfolgt.

Typisch für Rammelhof Songs sind ihre Lyrics in österreichiser Mundart und ihre Texte, bei denen sie sich kein Blatt vor den Mund nehmen. Es wird munter drauflos geschimpft auf Banken, Politiker oder politisch Fehlgeleitete – kurz: auf alles und jeden, über den man sich in Puncto Verschlechterung-der-Gesamtsituation aufregen kann. Aufgrund ihrer mit Witz und Charme verpackten kritischen Inhalte werden sie von manchen auch gerne mit der EAV verglichen – eine Gegenüberstellung, die von Rammelhof selbst durchaus als Kompliment gesehen wird.

Stake Bühnenpräsenz

Ihre Liveshows bewegen sich zwischen kabarettartig und verrückt, wie sie heuer unter anderem auch schon auf dem Rock in Vienna 2016 oder dem Noppen Air Musikfestival und am Szene Openair in Lustenau beweisen konnten. Auch im berühmt, berüchtigten Rabenhof Theater in Wien standen Rammelhof mit „Putins Nightmare“ bereits auf der Bühne. Zu ihren Showeinlagen bei ihren Auftritten meint Geri: „Rammelhof ist einfach ein durchgeknalltes Bandprojekt, wo es keine Grenzen und Tabus gibt. Und ich denke wir liefern eine sehenswerte Live-Show mit Schauspieler ab, man kann uns also durchaus als Band mit kabarettistischen Zügen betrachten.“

Ihr bestes Erlebnis bei ihren Shows hatten die Vier in einem unserer Nachbarländer, wie uns General Geri verrät: „In Deutschland haben wir mal ein Konzert gespielt, wo gleich nebenan ein Atomkraftwerk stand. Mit Atomstrom zu spielen war für uns besonders aufregend.“
Wer heuer noch in den Genuss kommen will, Rammelhof live zu sehen, hat hier zum Beispiel die Chance dazu.

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