Der Brite Jonathan Jeremiah hat seine Vorstellungen in seinem neuen Album „Oh Desire“ verwirklicht und beeindruckt mit Gitarre und Bariton-Stimme.

Irgendwie erinnert das Ganze schon ein wenig an Religion und Bibel: Da blickt uns ein junger Mann mit Bart und lockigen Haaren entgegen, nennt sich Jonathan Jeremiah und singt über Flucht, Liebe und Verzweiflung. Doch der Singer-Songwriter aus London hat noch einiges mehr zu bieten, als Assoziationen mit diversen Religionen bei uns hervorzurufen.

„Eine Nachtschicht, und ich konnte mir wieder einen Geiger leisten. Die nächste Nacht war dann der Kontrabassist abbezahlt.“

Ein Leben geprägt von verschiedenen Erfahrungen

Jonathan_Jeremiah

Jonathan Jeremiah

Was nun über Jonathans Leben folgt, würde bei einigen TV-Formaten mit melancholischer Musik untermalt werden und irgendwo würde auch jemand im Bild erscheinen, der zu Tränen gerührt ist. Jonathans Leben ist geprägt von einigen Schicksalsschlägen und traurigen Erfahrungen, die den Londoner aber nicht verzweifeln lassen, sondern ihm und seiner Stimme Stärke geben, die wir in seiner Musik wiederfinden. Jonathans Sound ist speziell und ganz eigen, er nimmt uns gefangen in seiner Welt. Dabei hervorstechend ist die immerwährende Begleitung auf der Gitarre, die der Sänger mit sechs Jahren anfing zu spielen. Die Liebe zur Musik entdeckte er wahrscheinlich bei gemeinsamen Gesangsabenden mit der Familie und durch die Kassettensammlung seines Vaters, die ihn und seine Musik stark beeinflussten.

Während seine Freunde stets an neuen Trend interessiert waren, begnügte sich Scott Walker oder Cat Stevens, die er beim Austragen von Zeitungen auf dem Walkman hörte. Mit 21 Jahren beschließt Jonathan sich auf eine gewaltige Reise zu begeben. Er will von Kunst leben und akzeptiert, dass er für Kost und Logi singt, nicht für Reichtum. Er wird angetrieben von dem Gedanken im Westen Gleichgesinnte zu treffen. Doch die Enttäuschung trifft ihn herb: Weder Künstler wie Carole King oder Carly Simon bekommt er zu Gesicht, noch entspricht die westliche Welt seinen Vorstellungen. Diese Erfahrungen konnte Jonathan in seiner erfolgreichen Single „A Solitairy Man“ verarbeiten. Der Musiker entschließt sich zurückzukehren, wo er das Heritage Orchestra kennenlernt. Jonathan weiß, dass er mit diesen Musikern seine Träume verwirklichen kann und erarbeitet mit ihnen ein Album.

Das Geld, das er dafür benötigte, erarbeitete sich der Musiker mit Nachtschichten beim Sicherheitsdienst in London: „Eine Nachtschicht, und ich konnte mir wieder einen Geiger leisten. Die nächste Nacht war dann der Kontrabassist abbezahlt.“ Das Album zur gleichnamigen Single „A Solitairy Man“ erscheint im Jahr 2011 und stellt uns einen Sänger vor, der mit seiner tiefen Stimme beeindruckt und dessen Begleitung auf der Gitarre nicht wegzudenken ist. All die Sucherei, die Enttäuschung in den USA, die Erfahrungen aus seiner Kindheit kann Jonathan nun musikalisch nutzen und dem Zuhörer nah bringen.

Jonathan hat seinen ganz eigenen Sound

Der britische Musiker hat seinen ganz eigenen Stil, den er in über einem Jahrzehnt entwickelt hat. Er mischt Folk mit viel Soul und gibt etwas Country dazu. Die tiefe Bariton-Stimme rundet das Ganze dann hervorragend ab. Dass es bei dieser Mischung nicht nur bei einem Album geblieben ist, versteht sich von alleine. Nach seiner zweiten LP „Golden Dust“ aus dem Jahr 2012 folgt nun ein weiteres Album: Am 27.03.2015 ist „Oh Desire“ beim Label BMG erschienen. Die CD enthält 13 Tracks, die alle eine eigene Geschichte zu erzählen wissen.

Diesmal arbeitete der Musiker mit einer festen Band in London zusammen und war auch als Produzent der Platte tätig. Die Arbeit nahm mehr als sechs Monate in Anspruch. Eine lange Zeit, die allerdings allen Beteiligten positiv in Erinnerung geblieben ist. Die Themen, die Jonathan in seinen Songs aufgreift reichen von Verlust über Liebe hin bis Flucht und Eskapismus. So singt er im Track „The Devils Hillside“ zum Beispiel über eine Geschichte, die seine Mutter ihren Kindern erzählt hat: Es geht um einen Berg, bei dem augenscheinlich ein Stück fehlt. Angeblich vom Teufel herausgebissen. Erinnerungen an seine Zeit in London verarbeitet der Sänger in den Titeln „The Birds“ oder „Smiling“. In „Arms“ singt er von den Erlebnissen, die er während der Studioaufnahmen in London hatte: „Jede Nacht fahre ich vom Studio nach Hause, habe Rollen von Tapes unter meinem Arm und meinen Hund im Schlepptau“. Auch Schicksalsschläge wie den Tod seiner Eltern kann er mit der Musik verarbeiten und seiner Trauer Platz geben.

Und wie sieht die Musik neben dieser persönlichen Lyrik aus? Jonathans Stimme ist prägnant, aber er lässt seiner Band durchaus Platz sich darstellen zu können. So ist der erste Track der Platte ein reines Instrumentalstück, bei dem die Band die Chance hat sich vorzustellen. Der Titel „Wild Fire“ eröffnet dann das neue Album des Singer-Songwriters, der überhaupt nicht traurig oder melancholisch daher kommt, sondern stark und voller Energie. Jonathan kann aber auch ganz viel Gefühl zum Ausdruck bringen und Emotionen mit seiner tiefen Stimme beim Zuhörer ankommen lassen.

Am besten zeigt sich das im Titel „Oh Desire“ oder „Phoenix Ava“, in denen der Sänger seine Stimme auch über mehrere Töne verteilt und so Melodiepassagen gefühlvoll darstellt. Selbstironisch präsentiert sich der siebte Track der CD, der den Titel „Seven“ trägt und nur wenige Sekunden andauert. Bei Titel 13 wiederholt er das Ganze dann erneut. Mit Jonathan Jeremiah haben wir einen Sänger vor uns, der Medientrubel und Massenkonsum nicht mag, sondern echte Musik bevorzugt und uns schenkt: Er verwirklicht seine Visionen auf traditionelle Art und Weise, will richtige Instrumente hören, keine Soundbibliothek einsetzen und schafft damit ganz eigenen, unverkennbaren Stil.

Live noch authentischer

Jetzt fehlt der Musik von der Platte natürlich der Live-Faktor, um wirklich echt zu sein (auch wenn die Plate schon einiges hermacht). Daher ist ein Konzertbesuch für Fans von Jonathan ein Muss! Folgende Termine sind im deutschsprachigen Raum geplant und stehen bevor:

13.05.2015 Köln, Kulturkirche
14.05.2015 Hamburg, Mojo Club
15.05.2015 Berlin, Frannz Club
16.05.2015 München, Strom
17.05.2015 Wien, WUK
18.05.2015 Zürich, Kaufleuten

Credits:
Copyright © 2015 Jonathan Jeremiah / TEAM

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