Warum sie kaum noch aus der Szene wegzudenken sind, woher sie kommen und wohin sie gehen.

Knife Party veröffentlichen am 25. August 2014 die erste Single aus ihrem upcoming Album und das auch noch for free . Aber wer sind Knife Party eigentlich? Wo ihre Wurzeln liegen und was das Erfolgsrezept der australischen Band ist, werde ich euch hier ein wenig näher bringen.

Australien – England – Pendulum


Die Masse der international bekannten australischen KünstlerInnen ist vielleicht nicht berauschend, umso hervorragender sind jedoch jene, die sich am Musikmarkt durchsetzen konnten. Um einige der Bekanntesten zu nennen: AC/DC, Airbourne, die Bee Gees, Jet, Kylie Minogue, Nervo, Silverchair sowie Pendulum und Knife Party.
Australien mag aber nicht der beste Ort der Welt sein um die musikalischen Eigenkreationen zu verbreiten, deswegen beschlossen die Mitglieder von Pendulum 2003, ein Jahr nach ihrer Gründung, in den Mutterstaat des Drum and Bass zu übersiedeln, nämlich England.
Bald nach Veröffentlichung der ersten Single „Vault“ (2003) stellte sich der Erfolg ein und kein geringerer als D’n’B Artist Andy C von RAM Records wurde auf Pendulum aufmerksam. Zahlreiche weitere Singles eroberten den Markt, das Genre und die Fans, bis schließlich das lang erwartete erste Album „Hold your Colours“ (Label: Breakbeat Kaos) 2005 erschien. Mit dem Re-Release des Albums in 2007 wurde die jahrelange Arbeit endgültig belohnt. Die Nummern „Slam“ mit dem zugehörigen Video wie auch „Tarantula„, „Hold your Colour“ und „Bloodsugar“ sind nur einige der Titel, die wahrscheinlich allen von uns schon einmal durchs Ohr gesaust sind.

Ich für meinen Teil stand diesem ganzen Hype anfänglich noch ziemlich kritisch gegenüber. Da hatte ich allerdings von D’n’B, Dubstep, EDM und was es sonst noch alles so gab und gibt, recht wenig Ahnung. Mein Herz eroberten die fünf Herren mit dem Album „Immersion„, dem Kassenschlager 2010 schlechthin. Jeder Track ein Einzelstück, ein Meisterwerk und nicht umsonst in nahezu jedem Set der damaligen D’n’B-Stage am Urban Art Forms Festival zitiert, allen voran „The Island Pt. 2„.

„We descend, We reach the end…“


…ist nur eine der Textzeilen aus Immersion, die einen gewissen Pessimissmus ausdrückt und wer weiß, vielleicht wussten die Bandmitglieder rund um Pendulum schon bei der Albumproduktion, dass der Traum ein baldiges Ende haben würde. Nach zahlreichen Tourneen rund um die Welt, unglaublichen Verkaufszahlen und immensem Erfolg löste sich Pendulum 2012 auf. Paul Harding und Ben Mount touren nach wie vor als sog. Pendulum DJ-Set. Man munkelt allerdings seit 2013 über eine Wiedervereinigung inklusive neuem Album.

The Rise of Knife Party


Während sie mit Pendulum 2011 noch Konzerte bestritten, begaben sich die beiden Mitglieder Rob Swire und Gareth McGrillen auf neue Pfade. Sie gründeten die Band Knife Party – laut Announcement hätte der neue Sound jedoch wenig mit Pendulum zu tun. Diese Annahme wurde umso mehr durch den damals auf Soundcloud veröffentlichten Track „Not Pendulum“ bekräftigt und wer die Materie bereits ein wenig verfolgt hat kann die Parallelitäten zu Knife Party’s Hit „Internet Friends“ deutlich heraushören:

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Die zwei Künstler kennen sich bereits aus Jugendtagen, denn sie besuchten beide das in einem Vorort von Perth liegende Scotch College. Nach einer gemeinsamen Karriere mit und bei Pendulum sollte ihr Weg aber noch weitergehen. Wer genau Gareth McGrillen ist, konnte mir Dr. Google leider auch nicht sagen, jedenfalls ist er Bassist und DJ McGrillen. In einem Interview erzählte er, dass es seinerzeit in Australien ein absolutes No-Go war sich mit EDM zu beschäftigen bzw. es zu hören. Mitunter wahrscheinlich ein weiterer Grund, der den damaligen Umzug nach London erleichtert hat oder sogar bekräftigte. Rob Swire hingegen war schon immer eine Rampensau. Auch wenn er ungerne Interviews gibt und arrogant wirkt, weiß er sich klug in Szene zu setzen. Schon in frühen Jahren agierte er in seiner Heimat als Musikproduzent. Bei Pendulum übernahm er nicht nur die Produktion und das Songwriting, sondern auch den Gesang und Gitarrensynthesizer. Es ist zu vermuten, dass er sowohl bei Pendulum als auch bei Knife Party die tragende Rolle übernahm bzw. übernimmt. Außerdem hat er ganz nebenbei noch Zeit für andere KünstlerInnen, wie etwa Rihanna, zu produzieren.

„It’s always one trick in each country, if you can find that one trick it’s usually the door of something bigger.“ Rob Swire

Wie ein Iphone-Klingelton die Welt eroberte


Wie weiter oben im Text bereits erwähnt, ist „Internet Friends“ der Ursound von Knife Party. Allerdings stiftete der Song hier und da doch Verwirrung im Publikum, da viele (ja, darunter war auch ich) vermuteten, dass ihr Apple-Produkt gerade angerufen wird. Es ist aber auch befremdlich, wenn ein Lied plötzlich aufhört und nur folgendes inklusive Vibration zu hören ist:

Wie auch immer – ein netter Gag. Die „100% No Modern Talking“ EP hatte samt Internet Friends 4 Titel zum Inhalt und mit den Typen von „Modern Talking“ die wir kennen nichts zu tun. Obwohl die EP keine besonders gute Chartplatzierung erzielen konnte, produzierten Rob und Gareth fleißig weiter. Im Mai 2012 wurde EP Nummer Zwei namens „Rage Valley“ released. Die Platte zeichnet sich vor allem durch harte verzerrte Bässe, sowie Reggae-Tunes und Lazer-Sounds aus. Die dazugemischten Breakbeat-Elemente lockern die Dubstep-lastigen Passagen auf. Melodien aus der klassischen Musik werden als Intro bzw. Background-Klänge verwendet, weitere Einflüsse kommen aus dem Moombahton. Ganz allgemein wirken einige der Tracks bedrohlich und könnten durchaus von der in Horrorfilmen typischen Musik inspiriert sein. Mit der Rage Valley EP verschaffte sich Knife Party den erfolreichen Einzug in die UK Album Charts, die Billboard Top 200 wie auch die Itunes Top 10. Das war den Jungs aber noch immer zu wenig des Guten.

Mit „Haunted House“ (EP) versuchte sich das Duo näher in Richtung House Music zu bewegen. Besonders die Single „LRAD“ bedient sich der aktuell trendigen Effekte aus der Clubmusik. Auch wenn sie durch den neuen Stil viele Fans dazugewonnen haben, mussten sie von der Youtube-Gemeinde viel Kritik einstecken. Der Vergleich von Knife Party mit dem damaligen Sommerhit „Animals“ von Martin Garrix mag den Künstlern wohl nicht so gut bekommen sein.

Mit dem Titel „EDM Death Machine“ gehen Knife Party auf die Zukunftsmusik ein.

„No-one will do the Harlem Shake
No-one will know bitches love cake
There will be no internet friends
There will be no antidote“

In den Textzeilen beziehen sie sich nicht nur auf ihre eigenen bald veralteten Hits (Internet Friends & Antidote), sondern ebenso auf eine Nummer namens „Decisions (Bitches Love Cake)„, die in einer Zusammenarbeit von Miley Cyrus und dem israelischen Dubstep-DJ Borgore entstand. Außerdem gehen sie auf das schon seit Jahren beliebte Thema der Endzeitutopie und der Herrschaft der Maschinen ein und setzen es gekonnt in Sound und Lyrics um.

Knife Party 4.0


Vor kurzem veröffentlichte Rob Swire auf seiner Soundcloud Page den Teaser zu „Boss Mode„, einem der Songs, die sich auf dem bald erscheinenden Album „Abandon Ship“ befinden werden. Erinnert man sich zurück an die Ursprünge bzw. Vorgeschichte der Band Knife Party wird man vor allem bei der Anfangspassage stark an Pendulum erinnert. Nach einigen Takten wird der Sound durch eine Stimme verstärkt die vom – wie könnt’s auch anders sein – Drop, der von Trap- und Moombahton-Klängen beeinflusst ist, abgelöst wird.

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Wie zu Anfang bereits angekündigt wird der erste Track des neuen Albums am Montag, den 25. August 2014 online gestellt und gratis zum Download verfügbar sein. Für die ganz Neugierigen: Live Mitschnitte des neuen Werks kursieren auch schon auf diversen Plattenformen.

Rob Swire sagte mal: „It’s always one trick in each country, if you can find that one trick it’s usually the door of something bigger.“ Dieser Satz beschreibt das Erfolgsrezept von Knife Party wahrscheinlich am besten. Wie jedes Land eine bestimmte Mentalität hat, so hat es auch seinen eigenen Beat den es zu knacken gilt. Ob es Knife Party erneut schaffen sich in den Heartbeat der (hiesigen) Fans zu mixen steht in den Sternen. Basierend auf den Previews zu Boss Mode (und Resistance) darf man, meiner Meinung nach, sehr zuversichtlich sein.

Bis zum Album-Release am 27. Oktober 2014 wünsche ich euch viel Spaß mit dem Teaser zu Boss Mode. Jetzt noch eine kleine Empfehlung von mir: Solltet ihr einmal die Möglichkeit haben sie Live zu erleben – bitte nutzt sie!

Fotocredit: www.electricfestival.com

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