„Weißt du was, du kannst einfach nicht über deine Probleme reden!“ – ein Vorwurf, den besonders Männer in einer Partnerschaft häufig zu hören bekommen. Diese dank Beziehungsratgebern und Frauenzeitschriften allgemein anerkannte Theorie gilt jedoch keinesfalls für die Musik des Singer-/Songwriters Lemo. Der gebürtige Grazer, der mit bürgerlichem Namen Clemens Kinigadner heißt, schafft ehrliche, emotionale Popmusik.

Seine selbst verfassten Texte erzählen beispielsweise vom Ende einer Beziehung, der Verwirklichung seiner Träume oder beschreiben einen warmen Sommertag, wie im Song „Vielleicht der Sommer“. Mit diesem durfte Lemo im Jahr 2014 erste spürbare Erfolge feiern. Obwohl die Musik bereits seit seiner Kindheit Teil seines Lebens war, schien vor zwei Jahren der ideale Zeitpunkt für den Start einer professionellen Musikkarriere gegeben: Lemo entschloss sich, ab sofort in seiner Muttersprache und nicht mehr auf Englisch zu singen und außerdem unterstütze ihn nun ein ausgebildetes Team bei der Arbeit. Platz 24 in den österreichischen Charts sowie eine Nominierung bei den Amadeus Austrian Music Awards belohnten seine Arbeit. Auch dieses Jahr wurde Lemo für seinen Song „So leicht“ wieder für die AAMA als Songwriter des Jahres nominiert. Für den Musiker bedeutet diese Nominierung eine große Würdigung seiner Arbeit, auf die er sehr stolz ist: „Das ist echt cool, dass es da draußen Leute gibt, die meine Musik gut genug für eine Nominierung finden. Das ist ein klasse Feedback.“

Tiefgang und Alltagssprache

Vergleicht man die beiden nominierten Hits „Vielleicht der Sommer“ und „So leicht“ miteinander, stellt sich schnell heraus, dass beide komplett andere Stimmungen spiegeln. Lemo selbst möchte sich nicht so richtig entscheiden, ob er lieber über die Leichtigkeit des Lebens singen will oder ob tiefgehende Texte eher sein Ding sind: „Wenn ich mich entscheiden müsste, dann wäre ich wahrscheinlich doch bei der „So leicht“-Seite zu Hause. Mit dem Song kann ich einfach öfter oder vielleicht auch noch in zehn Jahren etwas anfangen. Das gibt mir auf längere Sicht etwas mehr. Trotzdem ist der Song „Vielleicht der Sommer“ nicht unbedingt schlechter, nur eben leichter und fröhlicher.
Diese gegensätzliche Stimmung ist kein Widerspruch für den Wahlwiener. Vielmehr versucht Lemo in seinen Songs, die verschiedenen Stimmungslagen und Lebenssituationen des Alltags abzubilden: „So wie’s im Leben einfach ist. Mal ist man schlechter drauf, mal ist man besser drauf. Dementsprechend liegen mir manchmal fröhliche Songs, manchmal ernstere Songs mehr.“ Sein neuester Hit „Himmel über Wien“ lässt sich wieder der melancholischen Seite zuordnen. Lemo singt über das Ende einer Beziehung und verwendet dafür die Metapher des belebten Wiens, das völlig unverändert wirkt, obwohl für einen einzelnen Menschen gerade die ganze Welt Kopf steht. Dabei schafft es Lemo trotz großen Emotionen, den Kitsch komplett außen vor zu lassen. Teilweise hat Lemo zwar das Gefühl, seine Texte würden sich auch für Schlagersongs eignen, aber insgesamt versucht er, schnulzige Motive zu vermeiden und stattdessen verständliche Alltagssprache zu nutzen.
Mit Schlagern hat er nach eigener Aussage sowieso nicht viel am Hut: „Ich hab in meinem Leben nie Schlager gehört. Wahrscheinlich komm‘ ich deswegen gar nicht erst auf die Idee, bestimmte Melodien an den Start zu bringen.“ Das Ergebnis sind rockig angehauchte Popsongs, die dank treffender Worte und der rauen Stimme von Lemo emotionale Themen perfekt auf den Punkt bringen.

Alles auf eine Karte

Daher durfte Lemo diesen März als Support des deutschen Singer-/Songwriters Joris auftreten. Ein Künstler, den Lemo nicht nur als Kollegen zu schätzen weiß: „Joris finde ich persönlich total super. Ich bin ein großer Fan von ihm. Das waren wahnsinnig coole Shows mit ihm und seiner Band.“ Zusätzlich unterstütze er die deutsche Popmusikband Revolverheld und den Berliner Künstler Philipp Dittberner bei ihren Shows als Support-Act. Diese Konzerte, hohe Chartplatzierungen, ein vielversprechendes Debütalbum und zwei Nominierungen für den AAMA – da ist Erfolg doch quasi vorprogrammiert.
Doch was plant Lemo, falls es doch nichts mit der Musikkarriere wird? „Plan B? Also eigentlich hab ich den nicht. Ich bin zwar ausgebildeter Tontechniker und falls ich mit der Musik kein Geld verdienen kann, muss ich natürlich irgendetwas machen, um nicht zu verhungern. Aber ich setz’ jetzt alles auf diese eine Karte und mit der muss ich jetzt erst einmal durch’s Leben gehen. Es wird mal besser und mal schlechter laufen, aber es wird bei mir nichts Anderes mehr als die Musik geben.“ Bisher scheint ein Plan B auch völlig überflüssig, denn Lemos Musik kommt an und zieht einiges an Erfolg nach sich. Im Herbst plant der Singer-/Songwriter dann eine eigene Tour, auf die er sich schon unglaublich freut. Wahrscheinlich nicht nur er, sondern auch viele seiner Fans.

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