Lorde – Oder als aus großer Abneigung, große Wertschätzung wurde.

Als ich Lorde zum ersten Mal hörte, dachte ich mir: „Nicht schon wieder!“ Nicht schon wieder eine Künstlerin die sich an das „Experimental/Synth-Minimal“ verkauft. Ich dachte, dieser Teich hat schon genug Fische. Danach hab ich ignoranterweise das Album „Pure Heroin“ zur Seite gelegt und es eine Zeit lang nicht angegriffen. Aber irgendetwas hatte es! Irgendwas in mir sagte, dieses Album ist gut, versuche es einfach nochmal, du wirst nicht enttäuscht sein. Nachdem ich mich dann dazu entschlossen hatte, das Album wieder aus den Analen meiner Musiksammlung auszugraben, legte ich es nochmal in meinem CD-Player. Und ich war hin und weg! Ich habe dieses Album quasi schon für tot erklärt – eine solche Fehldiagnose ist mir noch nicht passiert!
Diese 16-jährige neuseeländische junge Dame hat mich umgehauen. Das Album hat einerseits die gewisse melancholische Unbekümmertheit eines 16-jährigen Teenies, andererseits aber auch eine gewisse Reife und einen Weitblick in den Texten.

Seit ihrem 13. Lebensjahr arbeitet sie im Musikbusiness und hat auch schon eine Talentshow gewonnen. Ihr musikalischer Background ist für ihr zartes Alter trotzdem schon enorm, schließlich kommt sie aus einer höchst musikalischen Familie. Sie ist zwischen David Bowie, The Smiths und den Stones aufgewachsen. Zudem spielt sie seit ihrer Kindheit Theater, dadurch stand sie schon sehr früh auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Sie ist quasi im Rampenlicht zur Welt gekommen. Daraus lassen sich leichte Dekadenz, Egoismus aber auch große Erfahrung und Tiefgang in ihren Texten ableiten.
Es mag vielleicht ein wenig seltsam klingen, dass eine 16-jährige >>It’s so scary gettin‘ old<< singt, aber auch das hat in ihren Ansichten und Metaphern, die sie verwendet, seinen Platz. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ihre Texte nicht wörtlich nehmen darf, und immer ein wenig um die Ecke denken muss um sie zu verstehen. Möglicherweise war ich in erster Instanz nicht bereit dazu.
Also an alle, die die gleiche Erfahrung machten: gebt ihr eine Chance. Kauft euch das Album, nehmt euch die Zeit und hört mal genau hin. Wahnsinns Album!

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