Alles andere als oberflächlich ist die britische Band Metronomy. Selbstironische, kluge Texte in schöne Electromelodien verpackt gefällig?

Auf den meisten Party-Playlists haben sie wohl genau so einen festen Platz, wie sie auch in der Indie-Electro-Szene etabliert sind. Metronomy, die fünf Briten machen ja auch nicht erst seit gestern Musik.

Aus dem Jugendzimmer ins Nachtleben von Brighton

Angefangen hat alles Mitte der 90er im britischen Devon. In ihrer vollsten Teenager Blütezeit fanden sich inzwischen Frontman Joseph Mount, Gabriel Stebbing und der inzwischen verstorbene Kevin Hawes sich als The Upsides zusammen. Die Band löste sich allerdings auf, als beide 2002 zum Studieren nach Brighton gingen. Einige Jahre später wurden sie Teil von The Customers, einem langjährigen Projekt von Will und Gregg.

Eigentlich ist aber vor allem Frontman Joseph Mount für die Entstehung von Metronomy verantwortlich. Der Name, die Idee und die ersten Stücke entstammen seinem kreativen Kopf. Noch, als er bei seinen Eltern in Devon wohnte, begann er Songs zu komponieren. Der Name entstammt seiner Feder. Er wählte ihn in Anlehnung an Bands aus, die ihm selbst gefielen. Darunter Autechre und Funkstorung. Außerdem gefiel ihm die Bedeutung, die das Metronom für Musiker hat. Das Metronom ist essenzieller Bestandteil jedes Musiker-Equipments, denn es gibt zuverlässiger als die meisten Drummer Takt und Tempo vor.

Das Debutalbum „Pip Paine (Pay the £5000 You Owe)” erscheint 2006 – Metronomy ist geboren

Auch während seines Studiums interessierte Mount sich weiterhin brennend für Musik, lernte zu producen und arbeitete in Brighton als Electro-DJ. Bei einem dieser Gigs wurde er, nach eigener Aussage, von jemandem angesprochen und dazu ermutigt eine Platte zu veröffentlichen. Erst da wurde ihm klar, dass seine im Homestudio aufgenommenen Tracks ein Album füllen könnten.

2006 erschien Metronomy’s Debut-Album “Pip Paine (Pay the £5000 You Owe)” bei Holiphonic. Kurz vorher hatte die Mount die Single “You Could Easily Have Me” veröffentlicht, jedoch weniger Feedback erhalten, als Mount sich das wünschte. Darum nahm er sich Oscar Cash und das ehemalige Bandmitglied Gabriel Stebbing zur Hilfe und begann sich mit ihnen als Live-Act einen Namen zu machen. In einem Interview mit dem Loud and Quiet Magazine sagte Mount 2008:

„I was doing some shows on my own (…), which was pretty crap, so I thought it would be better to get a band thing going on.”

Nights Out erscheint, die Band wird vom Trio zum Quintett

Es folgten viele weitere Shows und Remixes für andere Bands. 2008 folgte “Nights Out” bei Because Music. Stebbing verließ die Band 2010, um an einem eigenen, von Mount produzierten Projekt zu arbeiten, begleitete Metronomy aber trotzdem noch gelegentlich als Gitarrist für Live-Shows.

Metronomy live

Metronomy live


Heute sind Metronomy zu fünft. Joseph Mount ist Komponist, Leadsänger und Frontman der Band. Oscar Cash spielt Saxophon, Gitarre und Keyboard und singt im Hintergrund. Anna Prior, die vorher Teil von Lightspeed Champion war, ist oft im Duett mit Mount zu hören und ist außerdem Drummerin der Band. Olugbenga Adelekan spielt den Bass und ist als backing vocal zu hören. Live unterstützt außerdem Michael Lovett die Band. Und live ist auch das nächste Schlagwort, denn die Band ist bekannt für ihre Shows.

English Riviera, ein Klassiker der elektronischen Indiemusik

2011 erschienen die drei Singles, die der Band den Durchbruch verschafften. Das zugehörige Album “English Riviera” erschien im April des Jahres, wieder bei “Because Music”. Der eigene Sound und die selbstironische Inszenierung schlugen sofort ein. “The Look”, “Everything Goes My Way” und “The Bay” sind nach der Festivalsaison allen als Ohrwurm in Erinnerung geblieben. Die Band bewegt sich da Sound-mäßig zwischen Britpop, Indiegitarren, Synthie-Pop und Electrobeats. Bei den Melodien lassen sie sich, genau wie bei den Beats wesentlich mehr einfallen, als die gängige Pop-Band. Passend dazu ist jedes einzelne Musikvideo von Metronomy eine kleine Sensation. Im Video zu „The Bay“ lassen sie Models, in weißen Badeanzügen, die aussehen wie aus einer Raffaelo-Werbung, den Beckenrand lecken. Sie nehmen so mal eben alle chauvinistischen Pool-Party-Videos auf die Schippe, ohne dabei den Zeigefinger zu heben.

Nach wie vor sind es aber insbesondere die Live-Shows, die Metronomy-Fans vor Entzückung in die Hände klatschen lassen. Die Band war schon als Vorband für Stars wie Coldplay, Bloc Party, CSS, Kate Nash, Justice und Klaxons zu sehen. Ihre erste eigene große UK-Tour hatten sie dann 2008. Seitdem haben sie sich am Indie-Pop und Electrohimmel etabliert, touren Weltweit und sind Teil jedes guten Festival-Line-Ups (z.B. Primavera Sound Festival in Barcelona, NME Awards oder auf Tour mit Azealia Banks und Two Door Cinema Club).

Love Letters – Neues Album, neue Tiefe

2014 erschien der neueste Streich der Briten. Ihr Album “Love Letters” ist ein etwas zurückgenommeneres, reduzierteres Stück Electropop. Mount schafft es immer, musikalische Versiertheit und Professionalität mit einem Augenzwinkern zu koppeln. So klingt die Band niemals, als würde sie sich, wie viele Kollegen, im eigenen Narzissmus verlieren, sondern im Gegenteil. Man hört und sieht ihnen live an, dass sie sich nicht allzu ernst nehmen. Sie wissen was sie tun, das sie das ziemlich gut machen und sich darüber freuen, ihre Fans zum Mitsingen und irren Tanzverrenkungen zu bewegen. Auch, wenn mitunter mal ernstere Textpassagen vorkommen und die Band keinesfalls leere Phrasen drescht. “Love Letters” erzählt von Isolation, von Verlangen und Sehnsucht. Von unerwiderter Liebe und Einsamkeit. Experimentierfreudig sind die Engländer in Punkto Kombination von Klängen, Samples und Stimmlagen hier wieder und trauen sich einiges! Hier wird die New Wave Grundlage mit lo-fi Synthie-Sounds aufgelockert. Anna Prior’s klare, sanfte Stimme und ihre gefühlvollen Backing-Vocals ergänzen Mounts legeren Tonfall perfekt. Er fragt in Textzeilen wie “Why are you giving me a hard time tonight” in legerem Tonfall nach den Spielregeln der Liebe. Da werden auf unkomplizierte Art und Weise Fragen gestellt, denen man sonst in seiner Freizeit lieber aus dem Weg geht.
Für das Video zu „Love Letters“ hat sich die Band Beatle-like in 50er Jahre Smokings geworden und sich in einer Pappkulisse in Szene gesetzt. Die naive Inszenierung passt gut zum unkomplizierten, simplen Sound des Tracks. Der besteht hauptsächlich aus Wiederholungen des Titels, beim Mitsingen kann also kaum etwas schiefgehen!

Auch in „I’m Aquarius“, einem der Tracks von „Love Letters“ geht es um die Liebe. Woher weiß man, zu wem man passt, ob man passt? Er habe das nicht in der Universtität gelernt, singt Mount da. Recht hat er.

„I’ve seen our stars but there’s nothing aligning. That’s Cause I’m Aquarius“

Auch, wenn das Album in seinem Tempo nicht mit dem Vorgänger “English Riviera” mithalten kann, hat diese tiefere, emotionalere Produktion definitiv ihre Berechtigung. Sie reißt vielleicht nicht ganz so schnell mit, begleitet uns aber dafür womöglich etwas länger, berührt uns etwas tiefer. Britisches Understatement at its best!

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.