Nena veröffentlicht in Kürze ihr neues Album Oldschool. Wir haben es für euch gründlich unter die Lupe genommen.

Was erwartet uns?

Nenas neues Album ist endlich da! Seit 2012 mussten wir uns gedulden um neue Klänge von ihr zu hören. Ihr neues Album Oldschool wird am 27.2.2015 veröffentlicht und bietet viele neue Sounds, neue Ideen und eine Vielfalt an angesprochenen Themen, so wie es für Nena üblich ist. Obwohl sich dieses Album musikalisch sehr von ihren Bisherigen abhebt, hört man doch in jedem Lied ganz eindeutig das klassische Nena-Style durch. Samy Deluxe hat mit ihr gemeinsam dieses Album produziert, und auch sein Stil und seine Vorlieben kommen in den Liedern stark zum Ausdruck.

Was sagt Nena denn zu ihrem neuen Album Oldschool?

Nena: „Für mich ist das auch echt ein Weitergehen in meiner musikalischen Karriere, da ist das so ein echter Schritt gewesen, der mich auch wieder unglaublich motiviert. Den frischen Wind den Samy da rein bringt, für den bin ich ja immer offen, aber den find ich nicht immer selber und ich bin angewiesen auf Menschen die mich auch mitnehmen und mittragen und inspirieren.“ So beschreibt sie die Zusammenarbeit mit Deluxe und ist offensichtlich dankbar für die neuen Ideen, die er mitgebracht hat und auch in genialer Weise in das Album einfließen ließ.“

Auch die Vergangenheit spielt eine große Rolle in ihrem neuen Album, denn alleine der Titel Oldschool lässt einen ja schon darauf schließen, dass es auch um alte Zeiten gehen wird. Nena: „ Ich hab ja mal eine Zeit lang in meinem Leben die Vergangenheit verdrängt. Ich wollt nicht zurückschauen, hab gedacht, dass das auch richtig ist. Das ist ein richtiges Lebenskonzept sozusagen, ich bin im Hier und Jetzt! Ich mache auch nicht viele Zukunftspläne und die Vergangenheit will ich schon gar nicht in meinem Leben haben. Das ist eine Illusion. Inzwischen ist mir das Gott sei Dank bewusst geworden und dass ich die Vergangenheit wohl zu schätzen weiß und alles was ich bisher erlebt habe.“

www.music-news.at: Ist man eigentlich stolz, wenn man so eine starke Leistung bringt?

Nena: „ Ich bin auch als Mutter nicht stolz fünf Kinder in die Welt gesetzt zu haben, aber ich freu mich einfach darüber. Dieses Album freut mich richtig, weil es genau meinem Lebensgefühl entspricht und auch wie es entstanden ist und dass ich mit Samy so eine schöne Verbindung habe, das ist alles ein Grund zur Freude. Also ich bin stolz auf dieses Album, ich trau es mich zu sagen. Ich bin stolz!“

Das Album OLDSCHOOL

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Albumcover Oldschool

Der erste Titel des neuen Albums trägt den Namen Oldschool und bietet einen gigantischen Einstieg in das musikalische Erlebnis, das auf einen zukommt. Das Lied beschreibt die 34 vergangenen Jahre in einem Zeitraffer. Nena singt von ihren früheren Liedern, die vor 34 Jahren entstanden sind und dass wir uns noch an das eine oder andere erinnern können. „Heute mit Computer, damals analoge Handarbeit.“ An diese Zeiten können sich wahrscheinlich noch alle Musikmacher und Musikfreaks erinnern. An die Zeit als man noch Mischpulte hatte, die mehr als den halben Raum eingenommen haben und heute ist ein Mischpult nicht mehr notwendig um zu Mischen. Das Lied ist sehr elektronisch produziert und wurde bei Samy im Studio aufgenommen. „Oldschool habe ich bei Samy im Studio gesungen, gerappt – darf ich ja ruhig sagen“, sagt Nena ganz stolz, da sie auch viele Komplimente von Fachleuten aus diesem Genre bekommen hat.

LIEDER VON FRÜHER

Die Musik untermalt in genialer Weise den Text, den Nena in das Mikro trällert. Wenn sie beispielsweise von Zeiten singt, wo die Nadel springt, weil das Vinyl zu verstaubt ist, dann ist der musikalische Hintergrund so angelegt, dass es so klingt als ob tatsächlich ein Hänger auf der Platte von Lieder wie früher wäre.

„Einfach genial!“
www.music-news.at Redaktion

Man hätte es nicht besser machen können. Technisch und musikalisch wahrscheinlich eines der besten Lieder auf dem neuen Album. Auch textlich gibt Nena vollen Stoff, denn sie beschreibt ein Gefühl, das jeder von uns garantiert genau kennt. Wenn man dieses Lied hört, bekommt man richtig Lust darauf, seine alten Platten sofort rauszuholen und sich einfach in diese alten Zeiten, die musikalisch unbeschreiblich waren, zurückzuversetzen. „Bei Lieder von früher, da ist dieses Bild, an das ich mich sehr gerne erinnere. Da war ich 13 und hab von meinem Vater eine Musiktruhe bekommen. Damals gab’s das noch, Plattenspieler und Radio integriert. Ich hab die Beine von dem Ding abgesägt und mich dann auf den Teppich gelegt vor den Lautsprecher, um mich herum meine Lieblingsplatten gehabt und sooft ich konnte, Musik gehört und in dieser Welt bin ich dann auch ganz abgetaucht.“ So beschreibt Nena was sie mit diesem Song verbindet und was er für sie bedeutet. Dieses Feeling, wenn man total in Musik versinkt, kennen wahrscheinlich viele. Alle die es bereits vergessen oder verlernt haben, werden mit diesem Lied wieder angespornt sich dem musikalischen Erlebnis ganz hinzugeben und wieder voll in die Musik einzutauchen.

GENAU JETZT

Das ist Nena. Der Sound von Genau jetzt ist genau dieser, den wahrscheinlich jeder von uns mit Nena verbindet. Vertraut und doch ganz neu. Worum geht es in Genau jetzt?
Nena: „Es gab so eine Phase in meinem Leben, wo ich überzeugt davon war, dass es ganz wichtig ist im Hier und Jetzt zu leben. Ich hab auch gedacht, es ist ein Zustand den man sich erarbeiten muss, indem man sich nämlich von der Vergangenheit abkoppelt und auch nicht in die Zukunft blickt. Das hab ich komplett hinter mir gelassen, Gott sei Dank geschnallt, dass es ganz anders ist, für mich jedenfalls. Dass ich meine Vergangenheit sehr wohl zu schätzen weiß, dass ich sehr gerne auf 34 Jahre Musikkarriere zurückblicke und einfach weiß, dass die Vergangenheit das ist, was mich jetzt ausmacht. Was das Genau Jetzt betrifft, das ist so, dass wir immer im Hier und Jetzt leben, das ist kein Zustand den man sich erarbeiten muss, ob wir es wollen oder nicht, wir sind immer im Hier und Jetzt.“, erzählt Nena und erklärt so die Bedeutung des Liedes.

JA DAS WARS

Der Text ist Nena pur. Ihre Art zu formulieren und sich auszudrücken ist phänomenal und unvergleichlich. So einfach und doch so aussagekräftig zu sagen, was man sich denkt, schaffen nur wenige so wie Nena. „Ja das wars, nicht im Sinne von alles ist zu Ende, alles ist vorbei, sondern: ja das wars und so wird es immer sein, das Leben ist ein ewig beweglicher Prozess und wenn ich zurückschaue, freu ich mich über das, was bisher in meinem Leben los war, mit allen Höhen und allen Tiefen. Mir ist aber durchaus bewusst, dass es in dieser Sekunde weitergeht und dass das auch nicht aufhört und dass ich das liebe. Das macht das Leben aus, die ewige Bewegung und darüber spreche ich auch in diesem Lied.“ Nena macht mit dieser Aussage ganz gut klar, worum es geht und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund, so wie man es von ihr auch gewohnt ist.

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Nena – Oldschool – Promofotoshooting

BETONBLOCK

In Betonblock findet sich eine Zweideutigkeit wieder, die Nena auch bewusst so in das Lied hineingesetzt hat. Sie spricht damit auf der einen Seite die reellen Betonblöcke an, die in unseren Städten stehen und bezieht sich da vor allem auf den Potsdamerplatz. Da damals (Anfang der 80er), als Nena nach Berlin kam, dieser Platz noch mit Sand angeschüttet war und heute nur mehr Betonklötze herumstehen und man sonst nichts mehr sieht. Auf der anderen Seite aber, sind die Betonblöcke auch metaphorisch für unsere Gedanken beispielsweise. „Der Song steht aber auch für die Betonblöcke und Mauern, die wir so in unseren Köpfen mit uns tragen. Mauern, die wir uns selbst kreieren, die uns selbst einschränken und auch zurückhalten von dem was wir eigentlich machen wollen.“, verrät Nena. Diese Art auf Dinge aufmerksam zu machen und auch unangenehme Themen anzusprechen, ist typisch für Nena. Sie hält ihre Kritik so, dass sie damit niemanden persönlich angreift oder verletzt, aber trotzdem deutlich zum Ausdruck bringt, was sie beschäftigt und was ihr am Herzen liegt.

MACH DOCH WAS ICH WILL

Mach doch was ich will? Sicher nicht! Das musikalische Arrangement bei diesem Lied würde ich als sehr interessant bezeichnen, weil sich sehr viele kleine Details hinter der Geräuschkulisse verbergen. Bei genauerem Hinhören entdeckt man immer wieder neue Elemente, die am Anfang noch ganz unscheinbar im Hintergrund mitliefen. Wenn man so ein Lied hört, dann stellt sich doch die Frage, wie so etwas entsteht und welche Einflüsse da mitspielen. Nena gibt uns die Antwort: „Samy kam mich besuchen und er saß nur am Computer, er war nur mit seinen Kopfhörern unterwegs und hat ständig Output gehabt. Er hat dauernd irgendetwas aufgenommen und ein bisschen geredet, aber ich hab ihn immer nur mit seinen Kopfhörern und Laptop gesehen. Das hat mich auch total inspiriert, weil das bei mir nicht einfach so kommt. Bei mir braucht das manchmal Tage bis ich irgendwie die Quelle anzapfe und manchmal dauert ein Songwriting nur drei Minuten. Samy hat einen Output, dass mir manchmal ganz schwindlig wird.“ Das ist doch mal eine Ansage. Also geht es auch bei den ganz großen Stars mit ihren Songwriting manchmal nicht so schnell wie sie es sich wünschen.

„Samy hat einen Output, dass mir manchmal ganz schwindlig wird.“
Nena

BERUFSJUGENDLICH

Mit Abstand der „härteste“ Song des Albums. Die Gitarren fahren im Hintergrund so genial aggressiv und untermalen so die Aussage des Liedes. Der Text spricht ein Thema an, dass sich wahrscheinlich viele Damen und Herren ab dem 50. Lebensjahr denken und selber nicht besser formulieren könnten. Die ganzen Grenzen, die man laut Gesellschaft einzuhalten hat, wenn man ein bestimmtes Alter überschreitet. Dagegen setzt sich Nena zu wehr und lässt sich keine Vorschriften machen, nur weil sie schon „älter“ ist. „Ich hab jetzt vor zwei Jahren wieder intensiver angefangen. Hab meine Gitarre rausgeholt, die Rakete mir mal in den 80ern geschenkt hat und es ist einfach ein ganz anderes Gefühl sich wieder einzuklinken. Ich hab früher immer mal ein bisschen Gitarre gespielt und Mundharmonika, aber jetzt intensivier ich das. Und bei Berufsjugendlich ist das einfach ein Hammergefühl, Gitarre hängt schön tief. Ich sing einen guten Song und das ist einfach genial und auf solche Momente freu ich mich bei der Clubtour besonders.“ So beschreibt Nena, was der Song für sie beinhaltet und bedeutet. Warum gibt sie denn aber keine Konzerte in großen Hallen und Stadien bei dieser riesen Anzahl an Fans, sondern macht eine Clubtour? „Das hab ich mir gewünscht, mit diesem Album eine Clubtour zu spielen, weil ich diese körperliche Nähe, die man in einem Club hat, dadurch dass alles kleiner ist, mag. Das wollte ich unbedingt für dieses Album.“ Viele fühlen sich wahrscheinlich angesprochen und auch verstanden, wenn Nena beschreibt wie es so ist älter zu werden. Einfach genial gemacht!

SONNEMOND

„Sonnemond ist einfach toll. Schluss aus, mehr hab ich dazu nicht zu sagen.“ Dieser Aussage von Nena gibt es auch nicht mehr viel mehr hinzuzufügen. Der Song beginnt mit einem ganz gechillten und entspannten Sound und auch der Text klingt sich in dieses Schema ein. „Ich weiß nicht was morgen kommt, ich weiß nur was gestern war“, so lautet die erste Zeile und dieses Thema zieht sich durch das ganze Lied. Sie singt davon wie die Tage vergehen, wie schön sie sind und wie man sie genießt. Der Text in Sonnemond ist einfach nur phänomenal. Thematisch gesehen passt er wie die Faust aufs Auge in das Album. Zufall oder Absicht, dass die Texte alle irgendwie einen roten Faden haben?! „Wir haben uns auf nichts festgelegt. Wir haben uns jetzt auch nicht im Vorfeld überlegt, was wir eigentlich machen wollen. Es ist einfach so passiert. Da hat Samy seinen Einfluss drin, sogar einen ganz starken Einfluss. Er hat das federführend produziert und auch den Löwenanteil geschrieben und ich komm so mit meiner Welt um die Ecke und das hat sich einfach super ergänzt.“, erklärt Nena.

JEDEN TAG

Die Baseline eröffnet das Meisterstück über den Wunsch ständig die Liebe und Zuneigung des Partners zu bekommen. Egal welcher Tag gerade ist, was an dem Tag passiert, ob man zum Mond fliegt, oder ob es ein ganz normaler Tag ist wie jeder andere. „Als es Donnerstag gedonnert hat, konnten wir uns nicht sehen. Freitag wolltest du einen freien Tag und das wollt ich nicht verstehen“, singt sie und beschreibt so, was unter der Woche alles los ist. Musikalisch ist das Lied sehr gut aufgebaut und auch exzellent arrangiert. Die Steigerungen und Lautstärken sind sehr gut eingesetzt und vor allem auch ganz fantastisch umgesetzt.

EIN WORT

In Ein Wort geht es um das Leben und wie es so spielen kann. Es sind Metaphern eingebaut, die gut widerspiegeln was in unserer Welt so passiert. Nena singt davon wie schwer es ist, einige Dinge zu begreifen und zu verstehen und vor allem auch manches auszudrücken und zu erklären. Sie erzählt davon, dass sie immer noch das Wort sucht. Ein Wort, das es auf den Punkt bringt und jeden erreicht. Ein Wort, das sie erinnert, dass sie nicht jünger wird und das ist genau das Wort, das fehlt. Der Text lässt viel Raum für eigene Interpretationen und zwingt keine Ansichten oder Meinungen auf, aber er regt stark zum Nachdenken an. Im Vordergrund steht hier aber eindeutig der Text und nicht die musikalische Umrahmung.

MAGIE

Der Refrain ist ein reines Wortspiel, das großes Potential für einen Ohrwurm mit sich bringt. Die Melodie ist vermutlich die Eindringlichste der ganzen CD. Sie verleitet einen regelrecht zum Mitsingen und lässt auch Platz für eigene gesangliche Interpretationen, für diejenigen die nicht gleich auf Ansatz den richtigen Ton treffen. Auch musikalisch ist das Lied äußerst gelungen und ist eine gute Mischung aus Elektro und dem typischen Nena-Sound. Dieses Lied könnte genauso gut aus den 80ern hierher importiert worden sein. Einfach nur grenzgenial. Die Mischung aus Alt und Neu ist in diesem Song ausgezeichnet gelungen und erfreut das Ohr des Zuhörers schon beim ersten Hinhören.

KREIS

„Die ganze Welt dreht sich im Kreis. Kein Stillstand.“ Scharfe Kritik an der heutigen Zeit. Aber wie immer bei Nena, wird das ganze Geschehen umschrieben und greift niemand direkt an. Es ist eher eine Art Kritik an der gesamten Menschheit. Man kann die Vielzahl an Informationen, die dieses Lied beinhaltet, gar nicht beim ersten Mal erfassen, weil man von Inhalten überschwemmt wird. Bei vermehrtem Hören jedoch, begreift man auch die hinter den Wortkulissen versteckten Botschaften, und bekommt ein Gesamtbild von dem ganzen Stoff, der in dieser einzigen Nummer angeschnitten und verarbeitet wird. Da fragt man sich manchmal schon, von wo denn dieser ganze Einfluss und Input herkommt, der diese Lieder zudem macht was sie sind. „ Black Sabbath und Paranoid, so fing es an. Dann kam Angie von den Stones, da war ich 12. Danach kam irgendwie Neil Young, David Bowie, Pink Floyd und Bob Dylan. Mit all diesen Kollegen habe ich viele Stunden auf meinem Teppich in meinem Zimmer unter dem Dachboden verbracht. Da war mein Musikbox. Und aus dieser Welt hab ich natürlich auch was mitgebracht und einfließen lassen in diese Produktion.“, erinnert sich Nena an die damalige Zeit zurück.

PI ICH RECHNE MIT ALLEM

Dieser Sound braucht vermutlich ein wenig, bis man ihn gewohnt wird, da er doch ganz andere Seiten aufzeigt, als das was man bisher gehört hat und gewohnt ist. Auch der Gesang zeigt ganz neue Seiten auf, obwohl er doch ganz vertraut erscheint. „Das ist auch so ein Oldschool Gesang, finde ich. Haha, weil er alles in sich vereint, da gibt es auf jeden Fall die Nena von vor 30 Jahren. Die schwingt hier mit, aber es gibt auch die Nena, die jetzt vor dir sitzt und dieses Verschmelzen, das ist für mich so ein ganzheitliches Gefühl und das ist für mich auch ein Oldschoolgefühl.“, beschreibt Nena den Gesang auf ihrem neuen Album. Über den Text kann man eigentlich nicht wirklich viel sagen, da er so geschrieben ist, dass man viel hineininterpretieren kann und er viel Raum für freies Denken zulässt. Also am besten, man hört selber rein und macht sich sein eigenes Bild darüber.

„ich liebe es mit anderen Menschen Musik zu machen…“
Nena

PETER PAN

Peter Pan singt Nena gemeinsam mit ihrem Sohn Sakias. Doch Sakias ist nicht der einzige, der seine Mama unterstützt. Die Band beinhaltet auch andere Mitglieder der Familie Kerner. Wie kommt es denn, dass die halbe Familie Teil der Band von Nena ist? „Das sind einfach tolle Menschen, mit viel Talent und einer absoluten Musikalität und die haben auch manchmal Lust auf Jobs. Ich habe vor ein paar Jahren meine ältesten Kinder gefragt, ob sie nicht Lust haben in den Konzerten meine Backing Vocals zu machen und seitdem sind sie fest dabei. Sie verdienen sich ihr Geld und darüber hinaus arbeiten wir auch gerne miteinander. Mein jüngster Sohn ist auf der Clubtour als Keyboarder dabei. Den hab ich einfach gefragt, weil ich weiß, dass er das kann und als ich ihn gefragt hab, hat er einfach breit gegrinst und gesagt, dass es eine krasse Erfahrung für ihn wäre, die er unbedingt mitnehmen will. Ich mach mehr Musik denn je. Das ist auch durch meine Kinder. Wir treffen uns immer in diesem Haus indem sie alle aufgewachsen sind. Dort gibt es ein Studio, da gibt es Instrumente, es gibt Räume und da findet jeden Tag Musik statt! Ich kann mir das nicht anders vorstellen, ich liebe es mit anderen Menschen Musik zu machen. Das hält fit, wer singt der schwingt!“ Sakias überzeugt in dieser Nummer mit seinen stimmlichen Leistungen, ob da nicht ein Nachwuchskünstler in ihm steckt?! Die Kombination der beiden Stimmen ist mehr als perfekt und wohltuend für das Ohr. Die beiden harmonieren sehr beim gemeinsamen Singen und bringen so auch die inhaltlichen Seiten des Liedes sehr zur Geltung.

BRUDER

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Samy Deluxe

„Du fehlst, aber bist immer da. Du bist der Bruder, bist der Sohn. Bist der König auf seinem Thron. Du bist ein Fakt und keine Illusion,“ so wird Nenas verstorbenen Sohn in dem Lied Bruder beschrieben. Dieses Lied sollte man sich in Ruhe und vollkommener Entspanntheit anhören. Ich finde, dass es eines der berührendsten deutschen Lieder aller Zeiten ist. Es beschäftigt sich mit dem Tod ihres Sohnes, und auch mit dem Prozess des Gehenlassens und der Fähigkeit zu akzeptieren, dass jeder Mensch irgendwann gehen muss. „Samy hat mich irgendwann im Studio um ein Gespräch unter vier Augen gebeten und ich hab mir gedacht, was kommt denn jetzt. Dann hat er mir die erste Strophe von Bruder vorgespielt, die er nämlich geschrieben, getextet und gesungen hat. Dann hat er mich gefragt, ob er das darf. Ob er sich an das Thema heranwagen darf, oder ob mir das zu Nahe geht, oder ob ich das respektlos finde. Das fand ich berührend. Er ist selber Vater und ich hab ihm mal von meiner Geschichte und meinem ersten Sohn erzählt. Dass er aus einer ganz anderen Sicht draufschaut und einfach die richtigen Worte gefunden hat. Das hat mich echt sehr tief berührt. Ich fand es auch mutig von ihm, so offen. Ich hab dann diese Strophe gehört und das hat mir echt total aus dem Herzen gesprochen. Er hat in dieser Strophe so den persönlichen Aspekt in der Geschichte thematisiert und ich hab dann in der zweiten Strophe das übergeordnete Thema angesprochen, nämlich den Tod.“

SCHICKSAL

Die Frage die wir uns alle irgendwann in unserem Leben einmal stellen: Was ist Schicksal? Wenn es passieren soll, passiert es sowieso. Wir folgen unserem Schicksal, oder folgt es uns? Nena widmet dem Schicksal ein ganzes Lied und krönt damit den Abschluss eines überaus gelungenen Albums. Ihre Stimme zeichnet einem eine Geschichte über Fragen die wir haben, die das Schicksal betreffen. Was ist Schicksal eigentlich? Können wir es beeinflussen? Diese Fragen werden in Nenas Zeilen aufgegriffen und erklärt. Auch die musikalische Umrahmung lässt nichts zu wünschen übrig. Der Anfang erinnert ein bisschen an ihren Erfolgshit 99 Luftballons. Es klingt nach Nena, es schreit förmlich: Nena und rundet es so, als letzter Titel des Albums, ab und man wünscht sich, dass es erst das erste Lied auf der CD wäre. Ist es Schicksal, dass Nena so ein Star geworden ist? „Ich singe inzwischen viel lieber als früher. Ich hab als Kind schon gerne gesungen, aber als ich dann durch das Singen erfolgreich wurde und in die Außenwelt geschmissen wurde, hatte Singen plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Es hatte plötzlich etwas mit Leistung zu tun, jedenfalls war das der Input der von außen kam. Das musste ich erst einmal alles verdauen und jetzt ist es in den letzten Jahren alles viel selbstverständlicher geworden. Der natürliche Zugang zur Musik und zum Singen ist wieder da. Es macht einfach Freude und für mich hat das nach wie vor nichts mit Leistung zu tun. Ich komm auch mit drei Akkorden auf der Gitarre klar und hab Freude daran. Ich finde es aber auch toll, wenn man ein Instrument studiert und jahrelang übt und sich da einfach fortbildet. Ich finde alles toll, was Spaß macht. Und ein Leben ohne Musik, das möchte ich nicht.“ So beschreibt sie ihren Zugang zur Musik und auch zum Musizieren. Hauptsache man hat Freude und Spaß an der Sache. Eines ist ihr aber wichtiger als vieles anderes, und das ist der Zugang zur Musik an sich. Nena hat auch einen ganz offenen Zugang dazu und auch etwas zu sagen darüber, was viel zu selten gesagt wird, und schon gar nicht von so einer musikalischen Legende: „Wir sind ja auch Musik, wir sind ja Menschen. Wir schwingen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Ton, deshalb sind wir alle musikalisch. Also ein Mensch, der sagt ich kann nicht singen, das glaub ich ihm nicht. Das tut mir immer weh. Er ist nur dorthin gekommen, weil er bestimmte Sachen in seinem Leben erlebt hat, die ihn dahin geführt haben, aber das gibt es gar nicht.Jeder Mensch kann singen, jeder Mensch hat eine wunderschöne eigene Stimme und die gilt es zu entdecken. Und das ist Musik für mich.“

Jeder Mensch kann singen, jeder Mensch hat eine wunderschöne eigene Stimme und die gilt es zu entdecken. Und das ist Musik für mich.
Nena

“Einen schöneren Satz zum Abschluss gibt es glaub ich nicht. Also an alle, die glauben sie könnten nicht singen, glaubt Nena! Sie weiß wovon sie spricht. Oldschool ist ein hervorragendes Album, das voll von Überraschungen ist und jede Erwartungen weit übertroffen hat. Es bleibt nicht mehr, als Nena und ihrem Team zu dieser einzigartigen Leistung zu gratulieren und zu hoffen, dass es noch viele weitere Alben geben wird, die sich mit diesem messen können. Hut ab!

Coverfoto: (c) Ester Haase

Foto von Samy Deluxe: (c) Wiki Commons

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