„Intensiv, authentisch, extrovertiert“, so beschreiben die Mitglieder von Olympique ihre Musik selbst. Damit hat es das Trio ins Burgtheater, aufs Frequency und in die willhaben.at Werbung geschafft. Ein Portrait über eine aufstrebende Rockband aus Salzburg und ihre melancholische, energiegeladene Musik.

Der Name macht neugierig, der Titel und das reduzierte Artwork des Debütalbums wirken vielversprechend, besonders das Omega-Zeichen fällt auf. Und dann diese Songs. Die Songs von Olympique sind groß, mehr als das, sie sind episch. Bei solchen mächtigen Worten ist naturgemäß Vorsicht geboten, doch die Musik von Fabian Woschnagg (Gesang und Gitarre), Leo C. Scheichenost (Keyboards, Piano, Bass und Gesang) und Nino Ebner (Drums) verdient dieses Prädikat. Auf diese besondere Stimmung ihrer Songs angesprochen, die auch einer gewissen Melancholie und mystischen Anklängen nicht entbehrt, erklärt die Band: „Das liegt daran, dass unsere Songs aus Emotionen heraus entstehen, und als kreativ verwertbare Emotionen gelten wohl eher solche, die schwer auf der Seele liegen. Mystisch wird das Ganze dann, wenn es einen selbst überrascht, was da alles unterbewusst mitschwingt.
Episch wird es dann, wenn man das ganze möglichst befreiend und brachial nach außen tragen will.“ Wenn man dann etwa Songs wie „The Reason I Came“ oder „No Estate to Remind“ hört, möchte man diese Worte definitiv unterschreiben. Und dennoch besitzt letzterer Titel so eine Breitenwirksamkeit, dass er es bis in die aktuelle Fernsehwerbung des Online-Anzeigenportals willhaben.at geschafft hat.

Ein ausgeklügeltes Gesamtkonzept

Auch das Video von „No Estate to Remind“ ist bemerkenswert. Darin reisen die Bandmitglieder durch die gesamte Filmgeschichte und sind in über 50 bekannten HollywoodFilmen unter anderem neben Arnold Schwarzenegger, Robert De Niro und Sharon Stone als Protagonisten zu sehen. Auch bei ihrem ersten Musikvideo zu „The Reason I Came“ wurde kein geringer Aufwand betrieben. Ein fast 3000 Kilometer langer Roadtrip führte nach Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Italien und schließlich wieder ins Salzburger Land. Daraus wurde ein atmosphärisch dichtes und episches Video. Insgesamt wurden zu acht Songs von „Crystal Palace“ Videos gedreht und jedes einzelne davon ist besonders. Bei Olympique wird also anhaltend am Gesamtkonzept gefeilt, Videos, Grafiken und Fotos miteinbegriffen. So zieht sich auch das Ω-Symbol konsequent durch das Schaffen der Band, sei es im Bandnamen oder in den einzelnen Szenen des bereits erwähnten Videos zu „No Estate to Remind“. Der visuellen Umsetzung der Songs misst die Band dementsprechend große Bedeutung bei: „Jeder möchte Videos produzieren, die nicht nur kreativ und qualitativ hochwertig sind, sondern auch die Band und im Speziellen den Song repräsentieren. Videos sind nach wie vor essentiell, um sich als Band ein Image aufzubauen und um der Musik ein visuelles Gesicht zu verleihen.“

Zurück zu den Anfängen

Vor dem Erscheinen des Debütalbums sind die drei Bandmitglieder schon einen weiten Weg zusammen gegangen. Die Wurzeln von Olympique reichen zurück bis in die Schulzeit von Fabian und Nino, die durch Musikprojekte zusammengefunden haben. Anfangs verstanden sich die drei Salzburger als Indie-Band, mittlerweile „orientieren wir uns aber nicht mehr an ein Genre, sondern ziehen uns Inspirationen von überall heraus, wodurch es uns leichter fällt, uns zu entfalten und unseren eigenen Stil zu kreieren.“ Und dieser Stil wird etwa auf der Facebook-Seite der Band als Melodramatic IndependentPop-Rock beschrieben. Nach ihrer Schulzeit bot sich dem Dreiergespann die Möglichkeit in England aufzutreten. Eine prägende Erfahrung, wie sie betonen: „Die Auftritte in London und Manchester waren für uns aufgrund der einprasselnden Realitätsschübe bandintern die Anstöße, die wir brauchten, um professionell Musik zu machen.“ Festgehalten hat Olympique diese Erfahrungen auch im Titel des Debütalbums: „Crystal Palace ist die Endstation der Buslinie 3, in die wir uns spontan gesetzt haben. Wir haben zwar nicht das Ziel vor Augen gehabt, aber uns bewusst dazu entschlossen, eine Reise anzutreten, und ein solcher Entschluss ist immer dann eine Bereicherung, wenn es um die Reise selbst geht, und nicht um das Ziel. Crystal Palace ist daher sinnbildlich zu dem geworden, was wir unser Debütalbum nennen.“ Und dieses Debüt wurde teilweise live und gänzlich ohne Metronom eingespielt, was wohl für die unbändige Energie und Dynamik sorgt, die aus jeder Sekunde jedes Songs perlt.

Ganz große Momente

Besonders im speziellen Ambiente des Burgtheaters glänzten diese Songs ganz außergewöhnlich, sodass dieser Auftritt der Band heute als einer der Höhepunkte ihrer Karriere gilt. Daneben waren die Eröffnung des Frequency-Festivals 2014 und die eigene Headliner-Tour wichtige Meilensteine. Doch auch viele SupportShows in Deutschland standen auf dem Programm, um dort Fuß zu fassen. Das scheint auch gelungen zu sein, wurde Olympique in deutschen Musikmedien doch bereits als „Österreichs neuester Exportschlager“ bezeichnet. Dennoch kann das Tourleben mitunter beschwerlich sein, schlussendlich zahlt sich das für die drei aber immer aus: „Die weiten Strecken zu fahren und der ganze Auf- und Abbau-Zirkus jedes Mal sind natürlich anstrengend und nervenaufreibend. Wenn man sich aber dessen bewusst wird, dass es letzten Endes nur um die Showtime auf der Bühne geht, ist man am Ende immer happy, wenn dort alles passt.“ Am Ende zählen also vor allem die Momente auf der Bühne, darüber hinaus genießt es Olympique aber auch, in kürzester Zeit so viele verschiedene Orte zu sehen und unterschiedliche Menschen zu treffen. Die Musiker haben auch eine interessante Definition davon, was ein Highlight ist: „Highlights entstehen meistens dann, wenn sie die Erwartungen nicht erfüllen, sei es in positiver oder negativer Hinsicht.“

olympique_(c)Credit Matthias Heschl

© Matthias Heschl

Die heimische Szene

Spricht man die Mitglieder von Olympique auf ihre Einschätzung der Rockszene in heimischen Gefilden an, bekommt man folgende Antwort: „Da gibt es so viele unterschiedliche Bands und Stilrichtungen, dass wir uns nicht anmaßen, darüber zu urteilen, denn manches funktioniert gut, auch im Ausland, ohne dass hier ein kommerzielles Medieninteresse besteht.“ Hierzulande scheint es im Moment besonders im Rock-Sektor recht heiß herzugehen, geistert doch vermehrt der Begriff eines „AustroGitarrenrock-Hypes“ durch die heimischen Medien. Spürt man als österreichische Band denn tatsächlich Auswirkungen dieses angeblichen Hypes? Dazu gibt es von Olympique ein klares Statement: „Das kann man nicht nur auf Österreich beschränken. Analoge Musik wird früher oder später wieder zurückkommen, als Gegenbewegung zur Overdose an elektronischer Popmusik. Und was wäre da authentischer als bodenständiger Rock?“ Diese Einstellung manifestierte sich auch bei „Crystal Palace“ deutlich, indem, wie bereits erwähnt, auf ein Metronom verzichtet und die technischen Einflüsse gering gehalten wurden. Wenn Rockmusik international wieder ganz groß rauskommt, dann liegt es nahe als österreichische Band kräftig mitmischen zu wollen. Doch wie gut eignet sich Österreich als Ausgangsbasis für eine Band, um eine internationale Karriere starten zu können? Die Musiker von Olympique schätzen die Chancen auf internationale Erfolge eher gering ein, wenn es auch Ausnahmen gibt: „Die Chancen bleiben bescheiden, solange man im internationalen Vergleich nicht hervorsticht. Bands wie Bilderbuch haben dies eindrucksvoll gezeigt, indem sie den Spagat zwischen Rockmusik und Popkultur vollzogen haben. Den Steaming Satellites ist dies auch zuzutrauen, auf ihre Art. Und wir versuchen es auf unsere.“ Da ist es bestimmt kein Nachteil, sich den Produzenten mit Bilderbuch zu teilen, die momentan ganz oben auf der Hype-Welle surfen. Dabei handelt es sich um Sebastian „Zebo“ Adam, der ehemals bei Russkaja mitwirkte und eine Reihe weiterer österreichischer Bands produzierte wie etwa Johann Sebastian Bass. Mit Bilderbuch waren Fabian, Leo und Nino auch zusammen auf Tour, was sie mit lediglich zwei kleinen, die Fantasie anregenden Wörtchen kommentierten: „Lecko Mio!“ Und wo soll der Weg von Olympique in Zukunft noch hinführen, welches Ziel verfolgend die drei Musiker? „Von der Musik so leben können, dass wir uns ihr voll und ganz hingeben können.“ Das wünschen wir Olympique und uns ebenso, damit auch wir uns in Zukunft noch vielen weiteren mystischen, melancholischen, monumentalen Songs dieser außergewöhnlichen österreichischen Band hingeben können.

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