Wenn man Prinz Pi mögen will, ist es einfach ein „Muss“ in seine Welt einzutauchen und seine Geschichte zu erfahren.
Somit halte ich euch davon nicht länger ab: Haut euch das neue Album rein und dann sage ich nur noch „Augen zu, Ohren auf­ – PRINZ PI“!

Prinz Pi, mit echtem Namen „Friedrich Kautz“, wurde am 23. Oktober 1979 in Berlin geboren. Als Kind wollte er gerne Astronaut werden. Dieser Traum platzte jedoch, als festgestellt wurde, dass er auf seinem linken Auge fast blind ist. Im Kindergarten wurde er deswegen von anderen Kindern ausgeschlossen und alleine gelassen. In mehreren seiner Texte spielt er immer wieder darauf an, weswegen er sich selbst mehrere Male als „Cyborg“ bezeichnete. Ebenso erstellte er mehrere Artworks, auf denen er sein linkes Auge durch eine biomechanische Augen-ähnliche Einheit ersetzte.

Im Laufe seiner Jugend besuchte er ein elitäres, humanistisches Gymnasium in Berlin-Steglitz. Anfangs fühlte er sich wohl, doch nach kurzer Zeit bemerkte er eine gewisse Gruppenbildung, da die meisten seiner Mitschüler reiche Eltern hatten – er betitelt sie als „rich-kids“. Die wichtigste Frage war hier „Was kaufen dir deine Eltern?“.
Kurze Zeit später lernte er Leute aus der HipHop- und Graffitiszene kennen. Hier fühlte er sich zum ersten Mal wirklich wohl und legte so den ersten Grundstein seiner Karriere.
Trotz HipHop war er ein „kleiner Punk“, wie er selber sagt. Durch einen Streich gegen einen seiner Lehrer, der vorwiegend rechtsradikale Aussagen lieferte, flog er fast von der Schule.

Am Anfang seiner Laufbahn als Musiker, wechselte er öfter seinen Namen. Sein erstes Pseudonym war „Doc Mabuse“. Er wechselte zwischen „Doc Murdock“, „Slick Spingo“, „Prinz Porno One“ – später nannte er sich nur mehr „Prinz Porno“. Wer hier einen sexuellen Ansatz sucht, wird ihn vergeblich suchen… Das „porno“ steht für das griechische „dreckig“. „Prinz Porno“ war sein Künstlername als Graffitisprayer – für ein buntes, schmutziges Hobby passte er.

Viele Missverständnisse mit seinem Künstlernamen führten dazu, das „Porno“ durch „Pi“ zu tauschen (Anm.: seine Freunde kürzten das „Porno“ oft mit dem englischen „p“ ab).
Sein erstes Album erschien 1998, es hieß „Porno Privat“ und war ursprünglich nur für seine Freunde gedacht, er wollte Frust abbauen und mit seiner Musik ein Mädchen beeindrucken – er weiß bis heute nicht, wie das Tape an die Öffentlichkeit gelang. Sein bis heute bekanntester Track auf diesem Album heißt „Keine Liebe“: den Text schrieb er mit 18 und wollte seinen Frust über die Szene und Gesellschaft  abbauen. Gleichzeitig beweist er seine Talente als Rapper.

Zeitgleich nahm er viel mit der Rap-Crew „Beatfabrik“ auf. Die Rapper „Smexer“ und „Kobra“ waren seine Vorbilder, er selber fand die Beiden immer besser als sich selber.
Die Stereotypen des „cool“ und „real“ seins bestimmten die Rapmusik damals maßgeblich – Pi war immer eine Ausnahme. Er sah die Szene als kleingeistig und oberflächlich, weswegen er beschloss, mit der Musik aufzuhören. Wenig später trat er der Szene wieder bei, da er Musik machen wollte und zog das auch durch.
Daraus entstanden in den Jahren 2005 und 2006 insgesamt 5 Alben, eine EP und das Label „NoPeanuts“. In seiner Zeit zwischen Beatfabrik und der Gründung des Labels entstanden unzählige Texte, da er Druck, Gedanken und Erlebnisse verarbeiten musste. Er konnte nie aufhören zu schreiben, deswegen sprach er von sich selbst des Öfteren als „Schreibmaschine“.

Seine Abneigung gegen sogenannte Major-Labels verdeutlichte er immer wieder. Im Jahr 2008 ging er als Experiment eine Kooperation mit Universal ein – das hier erschienene Album nennt sich „Neopunk“. Mit diesem Album wollt er etwas Neues probieren. Parallel dazu plagten ihn enorme musiktechnische  Zukunftsängste, da er viel Mühe und Zeit in Neopunk investierte. Seiner Meinung nach war die Kooperation nicht so schlecht wie gedacht, aber auch nicht „so gut“.

Im Juni 2009 wurde bekannt, dass sich Universal und NoPeanuts von Prinz Pi trennen wollen. Zeitgleich verlautbarte er, dass seine Tochter geboren wurde und er sein eigenes Label „Keine Liebe Records“ gegründet hat.

Pi entwickelte sich geistig und musikalisch weiter. 2011 veröffentlichte er sein Soloalbum „Rebell Ohne Grund“ und stieg damit auf Platz 9 der deutschen Charts ein. Das Album lässt er mit den Worten „tschüss deutscher Rap – hallo Musik“ ausklingen. Pi wollte sich musikalisch stark verändern, aber trotzdem Rapper sein. Er suchte Musiker die später seine Band darstellen sollten und nahm das Akustik-Album „Hallo Musik“ auf – hier interpretiert er musikalisch viele seiner Songs neu.

Sein zwölftes Soloalbum erschien 2013 und nennt sich „Kompass ohne Norden“. Er stieg auf Anhieb auf Platz 1 in den deutschen Albumcharts ein – das ist sein bisheriger erfolgreichster Punkt in der Karriere.

Prinz Pi lässt sich nicht nur in eine Kategorie stecken. Er ist einer der vielfältigsten Themenrapper in Deutschland, seine Texte beschäftigen sich mit Politik, Gesellschaftskritik, Verschwörungstheorien und gesellschaftlichen Trends. Durch seine Alben zieht sich ein roter Faden. Im Laufe der Zeit erkennt man deutlich eine Weiterentwicklung – sowohl geistig, als auch musikalisch.
Nebenbei studierte er Kommunikationsdesign, wollte aber nie als Studentenrapper abgestempelt werden, da er viel mehr zu bieten hatte.

Sein letztes Album „Kompass ohne Norden“ ist tiefgründig gehalten, er beschäftigt sich mit Liebe, dem Erwachsenwerden, modernen Trends und sehr persönlichen Themen. Die Vermutung mag nahe liegen, dass Pi besonders durch seine Tochter ein reiferer Mensch wurde, denn seit 2008 erkennt man eine deutlich positive Veränderung seines Stils.

Im Rahmen seiner „Kompass ohne Norden“-Tour wird Prinz Pi am 29. November 2013 im PPC in Graz anzutreffen sein. Also nicht verpassen!

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