Einzuordnen irgendwo zwischen HipHop und Jazz, mit Vorsatz, Musik unter die Leute und nicht über sie bringen zu wollen: Das ist die R’n’Brass Band. Letztes Jahr haben sie durch Guerilla Gigs in den Hauptstädten auf sich aufmerksam gemacht. Dieses Frühjahr schleuderten sie gleich zwei Releases hinaus und spielten ihre ersten Shows auf namhaften Festivals. Wie kam dieses Riesenprojekt zustande und was darf man sich davon erwarten?

Fragt man Bandleader und Bassist Lukas Rappitsch, so scheint die Gründung der Band hauptsächlich durch zwei wichtige Etappen erfolgt zu sein. Erstere wäre sicherlich der Schritt hin zur Idee, überhaupt Musik dieses Genres machen zu wollen. Der erste Funken, oder besser gesagt einer der ersten Funken, entstand – wie sollte es anders sein – durch eine Vorlesung auf der Uni. Lukas bekam es dabei zum ersten Mal so richtig mit der Musik von amerikanischen Brass Bands zu tun und war sehr beeindruckt. So sehr sogar, dass er seinem Freund Marvin Brabender, späterer MC der Band, davon erzählte. Auch diesem gefiel sehr, was er hörte und doch hatten beide das Gefühl, dass etwas im Sound dieser Bands fehlte. So entstand in jener ersten Phase die Idee, eine Brass Band um eine Rhythm Section, also Bass, Schlagzeug und Klavier, zu erweitern. Es ging den Zweien darum, beide Stile, also auf der einen Seite den Brass Band Sound und auf der anderen Hip-Hop, Reggae und R’n’B, zu vermischen und sich die Vorteile der Genres herauszusuchen. Als große Einflussnehmer zur Stilfindung der R’n’Brass Band kann man also Bands wie Moop Mama, die Youngblood Brass Band und die Soul Rebels genauso dazu zählen wie Seeed und Jan Delay.

(c) Benedict Steirer

Zwischen Hip-Hop und Jazz

Letztendlich darf man aber den Stil der Band nicht als Linie begreifen, die sich zwischen Hip-Hop und Brass Band aufspannt. Wenn man es sich schon geometrisch vorstellen will, dann doch viel besser als Dreieck. Und die dritte Spitze, die nennt sich ganz schlicht und einfach Jazz. Der Jazz spielt sogar eine viel wichtigere Rolle, als sich durch seine Nennung als letztes erahnen lässt. Was wäre schon das beste Gericht, wenn die Gewürze fehlen würden?
Genauso verhält es sich eben auch mit der R’n’Brass Band und Jazz. Nicht umsonst ist auf der ersten EP ein Cover der Miles Davis Nummer „Nardis“ zu hören.
Wirft man einen Blick auf die Besetzung – und damit wären wir auch schon bei Etappe Nummer zwei angelangt – so bestätigt sich der Eindruck von einer durch Jazz beeinflussten Hip-Hop Gruppe mit Big Band Besetzung. Die Idee dahinter ist gleichzeitig simpel und genial: Als Grundlage für das Line Up dienten Matthias Weber, früher bei den Makemakes, jetzt Mitglied der Powerkryner und Leiter der Big.Matt.Band und Paul Gritsch, der mit seinen 26 Jahren zu den ganz Großen der österreichischen Jazz-Szene zählt und zur Zeit bei Mayfield und Sterz von Österreich spielt. Beide suchten sich die Musiker für die Band, mit denen sie am liebsten zusammenspielen wollten. So ist es der elfköpfigen R’n’Brass Band schließlich gelungen, trotz der hohen Anzahl an Mitgliedern wie ein enger Freundeskreis, ja fast wie eine Familie zu wirken, was sie letztendlich auch ist. Auch die anderen Mitglieder der Band sind nicht weniger erwähnenswert. Da wären zum Beispiel Dominik Schnaitt, der zwei Jahre lang fester Bestandteil der Wiener Philharmoniker war, und Anton Prettler, der bereits in jungen Jahren mit dem Mahler Jugendorchester als Solosaxofonist an großartigen Locations wie der Royal Abert Hall in London gespielt hat.

Genauso außergewöhnlich wie ihre Besetzung ist, startete die Band auch ihre Bühnenkarriere, nämlich nicht auf Bühnen. Den gesamten letzten Sommer verbrachten sie mit Guerilla Gigs in Wien, Linz, St. Pölten und einigen anderen Städten Österreichs. „Das heißt, dass wir plötzlich mitten auf einem Platz oder einer Straße zusammenkommen und ein paar unserer Songs zum Besten geben, und danach genauso schnell wieder verschwanden. Die Leute finden das großartig, tanzen und machen Party.“

MC mit rotem Haar

Im März diesen Jahres erschien außerdem ihre erste EP „Rhythm’n’Brass” und damit auch die einzige Veröffentlichung mit Marvin Brabender am Mikrofon. Seitdem steht eine Frau an vorderster Front der R’n’Brass Band, nämlich Lily Anna Janoska. Mit fünf Jahren sang sie übrigens zusammen mit ihrer Mutter den „Karton wird aus Holz gewonnen“ Werbejingle ein.
Eine würdige und gleichzeitig freche Neubesetzung für Gesungenes und Gesprochenes, die die Band noch ein wenig exklusiver macht, weil es wenige weibliche MCs gibt. Sie verleiht der Band also, wenn man so will, ebenfalls etwas mehr Würze und ist auf der zweiten EP zu hören, die im Mai veröffentlicht wurde.
Der Sommer 2016 ist die erste Festivalsaison, bei der sich die R’n’Brass Band auf die Bühnen stellt. „Unsere Musik ist was für Hip-Hopper, für Blasmusik Fans, für Jazz Cats und einfach für alle, die bei guter Musik und coolen Grooves gern das Leben baumeln lassen“. Mit dieser Aussage hat Bassist Lukas nicht unrecht, denn das breite Spektrum an Genres, in die man die Band einordnen könnte, spiegelt sich auch in ihren Konzertterminen wider.
Der Tourkalender für dieses Jahr weist einige große Festivals auf, darunter ei-ne Show auf der Menschenrechtsbühne des Donauinselfests. Auch für 2017 steht schon das eine oder andere bedeutende Festival in Aussicht.
So groß wie die Anzahl der Genres, die die R’n’Brass Band mit ihrer Musik abdeckt, ist auch die Anzahl an Möglichkeiten für die Zukunft der Gruppe. Da Können und Professionalität gleichermaßen vorhanden sind, ist es gut möglich, dass sie bald dort stehen, wo Moop Mama und die anderen Genregrößen momentan logieren. Vorausgesetzt natürlich, das Glück spielt ein wenig mit und der Enthusiasmus der Bandmitglieder lässt nicht nach. Wohin es die R’n’Brass Band also letztendlich verschlägt, das wird man wohl erst nach ihrem ersten full length Album, das für Ende dieses Jahres geplant ist, und im nächsten Festivalsommer erfahren.

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