Wenn es eine Kategorie gibt, in die man das niederösterreichische Hardcore Pop’n’Roll-Trio rund um Multitalent Matthias Ledwinka auf keinen Fall stecken kann, dann ist es die eines One-Hit-Wonders:

Während die österreichische Musikszene durch ihre schwierigen Rahmenbedingungen und die für die meisten Bands schiere Unmöglichkeit, von Popmusik zu leben, viele motivierte Bands an den ‚Ernst des Lebens’ verliert, beweisen Sergeant Pluck himself seit mittlerweile 15 Jahren, dass sie konstant Musik machen, die sich wahrlich hören – und als kreatives Gesamtkunstwerk mit interessanten, ausdrucksstarken Artworks – auch sehen lassen kann. Anlässlich ihrer neuen EP „Overhead“, mit der die Band auch ihr fünfzehnjähriges Bestehen zelebriert, hat PARADOX sich mit Frontmann Matthias Ledwinka unterhalten und einiges über die Entstehung der neuen EP und die Band erfahren.

Overhead als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft

Matthias Ledwinka Kopf von Sergeant Pluck himseld – (c) Matthias Ledwinka

Wenn man sich den ‚musikalischen Lebenslauf’ von SPH-Sänger und Gitarrist Matthias Ledwinka so ansieht, ist kaum zu glauben, dass es sich dabei um das Schaffen einer einzigen Person handelt: So ist der 33-jährige Musiker als Schlagzeuger bei der erfolgreichen Progressive Rock Band Lausch und bei der ebenfalls sehr empfehlenswerten Mundart-Formation Freischwimma als Schlagzeuger tätig und ‚ganz nebenbei’ auch Grafiker und Fotograf. Dass sich so ein spannendes Leben von selbst ergibt, wenn man seiner Leidenschaft folgt, thematisiert er unter anderem im Titelsong der EP: „Man steht da, mit einigen anderen Menschen, die einem nahe sind, sieht sich um und fragt sich: Wie zur Hölle sind wir alle hierhergekommen – aber im positiven Sinn.“ Das Gefühl des Angekommenseins, aber auch des Aufbruchs, ist generell ein zentraler Impuls für die EP „Overhead“, die, so Ledwinka, eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft darstellt: die Songs sind nämlich nicht neu, sondern gewissermaßen verborgene Schätze des Repertoires der Band, die schon lange darauf gewartet haben, nun endlich aufgenommen und veröffentlicht zu werden. Sechs Songs sind auf der CD vertreten, und jeder davon ist ein nun geschliffener Rohdiamant aus der Feder des Sergeants. Wer das letzte Album der Band kennt, weiß, dass sich SPH vor allem durch die gelungene Mischung aus messerscharfen Gitarrenriffs und satten Drums einerseits und cleanem, sehr melodiösen Gesang sowie eingängigen, mitsingbaren Hooklines andererseits auszeichnet. Im Gegensatz zu vorangegangenen Alben, so erzählt Ledwinka, betont diese EP jedoch stärker die akustische Singer/Songwriter-Seite des Projektes – wie das Cover-Artwork suggeriert, geht es also um die Beleuchtung der Welt eines Menschen, Schattenseiten inklusive.

Kein Sunnyboy und deklarierter Kontrollfreak

Wenn man sich mit jemandem unterhält, der musikalisch derart vielseitig tätig ist und einen so hohen Output an Songs hat, fragt man sich, wer und was Matthias als Inspiration für sein Songwriting dient und wie seine Musik von der Idee zur fertigen Produktion gelangt. Wer sich auf die Texte der Songs auf „Overhead“ konzentriert, wird erkennen, dass sich eine nordische, kühle Thematik durchzieht: von „Fisherman’s Friend“ über „Jack Frost Speedbrain“ bis hin zu „God Naat“; und auch im Video zum verträumt-schönen „Overhead“ werden wir auf einen Spaziergang durch einen schneebedeckten Wald mitgenommen. Sommer, Sonne, Sonnenschein, das scheint nicht Matthias Ledwinkas Ding zu sein – und in der Tat würde sich der SPHFrontmann eher nicht als Sunnyboy einstufen. Auch nicht als großer Fan des Exzesses: die Inspiration für seine Musik sammelt er eher auf Reisen in den hohen Norden als auf Parties, und Backstage ist das Multitalent hinterm Laptop als beim Lapdancen anzutreffen. Auch beim Songwriting geht es eher geordnet zu, wie er erzählt: Bereits bei der Entstehung eines neuen Songs hat der deklarierte Kontrollfreak meist sehr klare Vorstellungen davon, wie die Sache umzusetzen ist: „Meist komme ich mit der Grundstruktur eines Songs in den Proberaum, wo ich dann mit meinen Bandkollegen Josef [Anibas; Drums] und Jochen [Berger; Bass und Backing Vocals] weiterarbeite. Die beiden haben es dabei oft nicht leicht mit mir, weil ich beim Songwriting meist auch schon eine Vorstellung von Drums und Bass habe.“ Auch bei „Overhead“ wurde nicht lange gefackelt: die Idee, die Songs aufzunehmen, kam auf und kurz darauf waren die sechs Tracks im Kasten.

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