15 Jahre liegen hinter den Rapcore-Machern von NA15. Es waren Jahre voller Liebe, spannender Wettbewerbe, wilder Achterbahnfahrten und Hassnachrichten auf Facebook, weil sie wieder mal kein Blatt vor den Mund genommen hatten. All das hat die vier Jungs aus der Landeshauptstadt des Burgenlands nur fester zusammengeschweißt und lässt sie noch lange an kein Ende der längsten Beziehung ihres Lebens denken.

Frontman und Sänger Edi Mastalski, Bassist Alex Meller, Gitarrist Philipp Wimmer und Stefan Meller am Schlagzeug legen dieses Jahr sogar noch eines drauf und präsentieren nach vier Jahren Studioabstinenz ihr drittes Werk „Goldstandard“.

Von wegen nullachtfünfzehn

Es war Liebe auf den ersten Blick, die die Mitglieder von NA15 im Jahr 2001 zusammenbrachte. Nachdem Wimmer und Stefan Meller schon beim Schulschlussfest einen ersten Eindruck von Mastalski erhalten hatten, waren sie spätestens nach einem Auftritt beim Hip-Hop Café im Eisenstädter JUZ von den Rap-Künsten des jungen Sängers hin und weg. Gegen Ende des Jahres holten sie Alex Meller als passenden Bassisten an Bord und seitdem gehen die vier einen gemeinsamen Weg. Mangels umwerfender Ideen einigten sie sich, nachdem sie den punkigen Bandnamen Public Outrage hinter sich lassen wollten, auf null.acht.15, bis auch dieser unters Messer kam. Heute verwüsten sie unter NA15 die Bühnen dieses Landes.
Nach nullachtfünfzehn kann man bei den vier Jungs allerdings lange suchen. Schon ihr Crossover-Stil, der sich aus ihren unterschiedlichen Geschmäckern zusammensetzt, ist alles andere als gewöhnlich. Aus Jazz, Funk, Metal, Alternative Rock, Hip-Hop und Skatepunk kreieren NA15 ihren ganz eigenen Sound, den sie am ehesten unter dem Oberbegriff Rapcore beheimatet wissen. Diese „Melange“, wie es Mastalski bezeichnet, brachte die Band schon nach Wiesen, ins Gasometer oder in die Szene Wien, wo sie mit Kontrust die Bühne teilten. Auch, wenn sie einem Gig mit genreverwandten Idolen wie Prophets of Rage auf keinen Fall entsagen würden, spielt Größe nur eine Nebenrolle. „Wir sind immer glücklich, wenn unsere Homies dabei sind“, so Mastalski und bezieht sich damit auf lokale Bands wie The Overalls, Seek and Destroy oder Ramazuri.

Für einen deutschen Bandnamen entschied sich das Quartett wegen ihrer deutschen Texte. Mastalski fühlt sich ganz klar dem Deutschrap zugehörig und auch Wimmer wollte den englischen Texten entsagen, da diese nicht selten in „Fuck-Orgien“ ausufern. „Englische Texte sind natürlich auch kein Problem“, so Mastalski, „aber ich habe nicht das Gefühl, mich auf Englisch so umfassend ausdrücken zu können, wie ich möchte.“ Wie ihre Alben beweisen, sind gerade Ausdrucksfähigkeit und klare Meinungen zu Wiedererkennungsmerkmalen der vier geworden: Von plakativen Punk Rock Lyrics auf dem Album „Fahrstuhlmusik“ über bedachtere Zeilen auf „null.acht.15“ bis hin zum zynischeren Blick auf Themen rund um die Gesellschaft auf „Goldstandard“ zieht sich der rote Faden der Kritik – klar, gerade heraus und auf Deutsch.

Pure Liebe

Ein weiterer, ganz und gar nicht gewöhnlicher Aspekt ist, dass NA15 während ihrer gesamten Bandgeschichte keinen einzigen Mitgliederwechsel erlebt haben, sondern nach 15 Jahren noch immer in der gleichen Besetzung das Publikum anheizen wie bei ihrem ersten Konzert in der Cselley Mühle im April 2002. „Wir sind über die Jahre zusammengewachsen“, erklärt Mastalski dieses Phänomen. „Wir können uns immer noch formidabel streiten, miteinander feiern und haben auf der Bühne und im Proberaum einfach Spaß miteinander.“ Eine wichtige Rolle spielt dabei sicherlich auch die Banddemokratie, die für alle vier unverzichtbar ist. Nach dem Motto „jede Stimme zählt“ verlässt somit auch kein Song den Proberaum, bis nicht alle vier damit vollkommen zufrieden sind. Da braucht es hin und wieder eine helfende Hand, wie die von Kontrust-Gitarristen Mike Wolff, der bei den Aufnahmen zu „Goldstandard“ so manch kreative Notlage gelöst hat.
Auch wenn es bei der Entstehung der Songs manchmal etwas länger dauert, Ideen verworfen werden, die Länge des Mittelteils mehr Streitpotential bietet als je erwartet und sie irgendwann doch wieder bei den alten Aufnahmen landen, sind sich die Mitglieder von NA15 in folgender Sache einig: Die Band bietet vor allem eine Plattform für Zeit mit den besten Freunden. Albumproduktionen oder gewonnene Bandwettbewerbe wie die „Planet Festival Tour“ sind zwar Leckerbissen, die diese Zeit versüßen und den Rock’n’Roll Lifestyle der Jungs ankurbeln, aber im Zentrum steht die pure Liebe.
Die Freundschaft bestimmt somit auch den Weg der Band und Karriereplanung wird zur Nebensache. Das soll sich laut Mastalski auch in den nächsten Jahren nicht maßgeblich ändern: „Über kurz oder lang kann man über andere Releasezyklen und Vertriebsmöglichkeiten nachdenken, aber letztlich machen wir so weiter, wie wir es wollen. Hätten wir uns an alle Prognosen aus der Vergangenheit gehalten, wären wir nie im Fernsehen gewesen und jetzt um zwölftausend Euro Preisgeld ärmer.“ Der Weg sei das Ziel, fügt er noch an, und solange sie diesen gemeinsam gehen können und auch wollen, sei alles in bester Ordnung.

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.