Embed:

Den Himmel haben sie zwar noch nicht erreicht, aber hier auf der Erde machen sie zurzeit große Sprünge: die Steaming Satellites melden sich mit ihrem neuen, selbstbetitelten Album nach zwei Jahren wieder zurück.

Der Weltraum ist schon aufregend. Seit Jahrhunderten fragt sich die Menschheit, was sich genau über ihren Köpfen abspielt. Wie einsam und winzig ist ein einziger Mensch in Anbetracht der unendlichen Größe des Weltalls? Auch die Mitglieder der österreichischen Indie-Größe Steaming Satellites sind vom Weltraum und dem „Lost in Space“- Gedanken sehr angetan, wie nicht nur der Bandname vermuten lässt. „Die Weltraum Thematik dient als Inspiration, erweitert den Horizont und bietet sehr viel Platz für Kreativität“, erklärt Max Borchardt. Der Sänger und Gitarrist muss es wissen, ist er doch für
den Großteil des musikalischen und lyrischen Inhalts des neuen Albums verantwortlich.

Tatsächlich herrscht in vielen Songs ein sphärischer Klangkosmos, der einen in eine entfernte Galaxie entführen möchte. Space Rock wird das häufig genannt, doch greift diese Genreeinteilung für die mittlerweile wieder vier Kopf starken Steaming Satellites viel zu kurz. Gemeinsam mit Bassist Manfred Mader, der nach einer Auszeit wieder mit an Bord ist, schaffen Max Borchardt, Emanuel Krimplstätter (Synthesizer) und Matthäus Weber (Schlagzeug) auf ihrem dritten Album einen ausgeklügelten Sound, der zwar offensichtlich an der Vergangenheit hängt, zugleich aber sehr modern und alternativ klingt. Gerade erfreut man sich an Pink Floyd-Keyboardflächen, schon ziehen schwere verfuzzte Led Zeppelin-Gitarren einen um die Ecke, nur um im nächsten Moment von sexy Funk-Rhythmen wieder auf die Tanzfläche gezerrt zu werden. Die Basis dieses Spektakels wird zum größten Teil von coolen Schlagzeug-Grooves und pumpenden Bass-Lines gestemmt. Flirrende Keyboards umspinnen dieses Soundgerüst dabei fast permanent, während die markante, vom Soul geküsste Stimme Borchardts alles zusammenhält. Zusammen mit der Produktion sorgt das für einen lässigen ‘70s Vibe. Aus diesem Soundgemisch brauen Steaming Satellites höchst eingängige und abwechslungsreiche Songs, die mal mit voller Wucht daherkommen („Rocket“, „Back and Forth“), dann wieder sanft umschmiegen („Honey“, „Unfold“) und auch vor epischer Größe nicht zurückschrecken („Move on“). Die Salzburger nehmen uns mit auf einen wilden Trip, bei dem es dank der cleveren Vielschichtigkeit des Sounds auch nach dem x-ten Ritt noch so einige neue Details zu entdecken gibt. Beim Hören dieser grundsätzlich erdigen Songs, erwischt man sich trotzdem immer wieder dabei, wie man verträumt gen Himmel blickt.

Gereift und trotzdem frisch

Es war ein langer und nicht gerade einfacher Weg für die Band, um dort anzukommen, wo sie mit „Steaming Satellites“ nun stehen. „Wir haben aus Fehlern gelernt und machen mittlerweile vieles besser und strukturierter als früher, sowohl musikalisch als auch geschäftlich“, erzählt Borchardt. Seit der Gründung 2005 hat sich die Band stetig weiterentwickelt und ihr drittes Album klingt trotz des großen Variantenreichtums so homogen, dass beim Hören das Gefühl entsteht, dass die Musiker nun bei sich angekommen sind. Ursprünglich noch als Progressive/ Psychedelic Rock Band ausgerichtet, war zwar bereits das Faible für den Kosmos vorhanden, aber die Musik noch schwerere Kost. Ein wichtiger Wendepunkt in der Geschichte der Steaming Satellites geschah nach einer gemeinsamen Show mit den Indie-Rock-Größen “Portugal. The Man” im Jahr 2008. Die famosen Alaskaner erkannten das Potenzial der ambitionierten, jungen Band und nahmen sie mit auf ihre Europa-Tour. Dadurch eröffneten sich für die Salzburger nicht nur ganz neue Möglichkeiten, sondern auch eine handfeste Band-Freundschaft: „Ohne Portugal. The Man wären wir heute vermutlich nicht da, wo wir sind. Wir verdanken ihnen sehr viel. Sie gaben uns Starthilfe und haben immer an uns geglaubt“, schwärmt der Sänger der Satelliten über die US-amerikanisch-österreichische Verbindung. Und wenn man über das höchst diverse, aber grandiose Schaffen der amerikanischen Indie-Querdenker um John Baldwin Gourley Bescheid weiß, macht diese Freundschaft durchaus Sinn. Musikalische Brüder im Geiste quasi.

Steaming Satellites1-1

(c) Christian Maislinger

Es folgten weitere Support-Shows, unter anderem für „Thin Lizzy und Monster Magnet”. 2014 untermalte ihr Song „How dare you“ vom Debütalbum „The Mustache Mozart Affaire“ die angespannt-kühle Atmosphäre des oscarnominierten Austro-Western „Das finstere Tal“ perfekt und sorgte damit wohl für den besten österreichischen Soundtrackmoment des Jahres. Im selben Jahr konnte auch eine Nominierung für den Amadeus Award ergattert werden. Kaum zu glauben, dass die Band danach beinahe vor einem Trümmerhaufen stand. „Wir hatten im letzten Jahr einige Kommunikationsprobleme innerhalb der Band und waren kurz davor, uns aufzulösen“, gesteht Mastermind Borchardt im Interview. Glücklicherweise konnten die Differenzen beigelegt und ein Album geschaffen werden, welches runder und ausgewogener klingt als seine Vorgänger. Die Leute sollen „Steaming Satellites“ als ein Debütalbum betrachten, wünscht sich Borchardt, der Mann mit der gewaltigen Stimme. Um den Neustart zu signalisieren, bekam es auch den eigenen Bandnamen verliehen.

Egal wohin, die Sterne sind dabei

Die bandinternen Probleme sind dem selbstbetitelten Album keineswegs anzuhören. Vielmehr besitzt es, wie auch schon die beiden Platten zuvor, internationale Klasse. Längst vorbei sind die Zeiten, in denen man für solche Sounds sehnsüchtig in das englischsprachige Ausland blicken musste. Der große Durchbruch könnte Steaming Satellites, die dem Mainstream nicht abgeneigt sind, durchaus mit diesem Neustart gelingen. Wenn die Band ihr neues Album dann auch noch mit der gleichen Leidenschaft und Vorliebe für energiegeladene Jam-Einlagen, die man von ihnen seit Jahren gewohnt ist, auf die österreichischen und internationalen Bühnen bringt, dann steht einem wahren Feuerwerk nichts mehr im Weg. Was aber mit Sicherheit versprochen werden kann, ist, dass der Weltraum immer Teil der Reise der Steaming Satellites sein wird. Sei es auch nur in Form der „Star Wars“- Filme, ohne die die Band keine Tour bestreitet.

PARADOX002_Sujet

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.