Österreich und der Symphonic Metal

Nightwish, Within Temptation, Delain – sie alle sind die internationalen Größen und Vorreiter des faszinierenden Symphonic Metals, einer melodiösen und zugleich kraftvollen Verschmelzung von Metal und klassischer Musik. Seit den 90ern zieht dieses besondere Subgenre aber nicht nur die nordischen Länder in seinen Bann, sondern findet auch in Österreich großen Anklang. Bands wie Serenity, Edenbridge oder Visions of Atlantis haben den Symphonic Metal nicht nur in ein heimisches Gut verwandelt, sondern ihn auch mit ihren ganz individuellen Varianten geprägt und erweitert. Einen kleinen Überblick über die österreichischen Schmankerl dieser Disziplin erhält ihr in den folgenden Zeilen.

Von der ersten Minute an dabei – Edenbridge

Eine Band, die nur zwei Jahre nach Nightwish das Licht der Welt erblickte, ist Edenbridge. Die fünfköpfige Konstellation mit Frontfrau Sabine Edelsbacher ist von der Female Fronted Symphonic Metal Landschaft Österreichs nicht mehr wegzudenken. Was mit Einflüssen von Dream Theater und Co. begann, hat sich zu einem eigenständigen Sound entwickelt. „Klassik mit Metal zu verbinden, war schon immer mein Ziel – seit ich Songs schreibe”, erinnert sich Gitarrist, Keyboarder und Gründer der Band, Lanvall. Nach elf veröffentlichten und erfolgreichen Alben darf Edenbridge dieses Ziel wohl auch als erreicht ansehen. Auch wenn nach Auftritten am „Busan Rock2 in Korea, Shows in Moskau und Peking und zahlreichen Europatourneen viele Wünsche der Band bereits erfüllt sind, würde sich Lanvall vor allem über einen Gig am „70.000 Tons of Metal” freuen. Bis es soweit ist, ist zuerst aber ein neues Album in Arbeit, mit dessen Songs es voraussichtlich 2016 ins Studio gehen wird. Derzeit gehen Fans aber auch nicht leer aus, denn es kursiert gerade die erste DVD Reihe von Edenbridge,„A Decade and a half … The history so far”.

Vom Profimusiker bis zum Studenten – Siren’s Cry

1999, ein Jahr nach der Gründung von Edenbridge, produzierten Siren’s Cry, eine fünfköpfige Symphonic und Progressive Metal Band aus Wien, ihr erstes Demo, das allerdings nie released wurde. Nach einer Supportshow für keine geringere als Doro Pesch folgte gleich wieder eine längere Pause und die Band wurde erst 2006 mit der neuen Frontfrau Katie wiederbelebt. Seitdem hat es sich die Band zur Aufgabe gemacht, Geschichten zu erzählen. „Je nachdem, was wir erzählen wollen, bedienen wir uns der entsprechenden musikalischen Gerätschaften. Da wir alle Fans von Filmmusik sind und ich auch ein leidenschaftlicher Gamer bin, war dieses Genre die perfekte Mischung für uns”, erzählt Bassist Phillip R. Porter. Zu den Highlights von Siren’s Cry zählen unter anderem Supportshows für Rhapsody of Fire oder Gigs gemeinsam mit Azylya, einer female fronted Band aus Brüssel. „Wir waren nach den Gigs immer am Merchstand und haben uns unters Volk gemischt. Ich denke, Musik ist da, um Brücken zu bauen und Leute aus verschiedenen Ländern, Schichten und Berufsfeldern unter einem Banner zu vereinigen”, erläutert Phillip die Philosophie der Band. Daher zeigen sie sich auf der Bühne wie sie sind, ohne Maske und ohne einstudierte Acts – ganz anders als eine ebenso 2006 in Graz gegründete Band.

Cinematic Metal – Illuminata

Die knapp zehn Jahre alte Band aus Graz setzt bei ihren Shows auf kleine Einlagen mit Tänzerinnen, Kostümen und Requisiten, die dem Publikum ein Erlebnis bieten sollen. „Unsere Musik braucht live einen gewissen Rahmen, um sich entfalten zu können”, erklärt Gitarrist Lukas Knöbl die aufwendigen Liveshows. Bei der ganz bestimmten musikalischen Richtung, nämlich Female Fronted Symphonic Metal gepaart mit großspurigem Cinematic Metal, ist der Aufwand auch nachvollziehbar. Mit ihrer ganz besonderen, von Filmen und Büchern inspirierten Klangexplosion dürfen wir uns bestimmt noch auf einige Shows freuen, auch gemeinsam mit österreichischen Größen wie Visions of Atlantis und Serenity.

Gelassen und exakt – Serenity

Progressiven Symphonic Metal machen die vier fixen Bandmitglieder der grenzüberschreitenden Band Serenity. Ihren Ursprung hatte die aus Österreich, Italien und Deutschland zusammengewürfelte Band 2001, als Sänger Georg Neuhauser bemerkte, dass sein Nachbar dieselben T-Shirts trug wie er und ihn einfach fragte, ob er nicht Lust hätte, in einer Band Keyboard zu spielen. Nach dem ersten Auftritt als Support von einem ehemaligen Black Sabbath Sänger standen Serenity gleich zu Beginn viele Türen offen – und sie haben diese Chance genutzt. „In Atlanta wurde, als wir schon Backstage waren, noch immer unser Name gerufen“, schwärmt Georg Neuhauser von den beeindruckenden Momenten. Die Songs erzählen ebenfalls Geschichten, jedoch geht es um wahre historische Ereignisse. „Schon vor einigen Jahren haben wir beschlossen, dass wir die Alben immer von geschichtlichen Ereignissen und speziellen Momenten wie Schlachten handeln lassen”, das sei naheliegend gewesen, so Georg Neuhauser, weil er selbst Geschichte und Philosophie studierte. Auch auf dem Anfang 2016 erscheinenden neuen Longplayer darf man sich über Interessantes aus dem Leben Leonardo Da Vincis freuen. Musikalisch bietet Serenity ein Wechselspiel aus solidem männlichen Gesang und stellenweise weiblichen Gastvocals. Eine Mischung, die Serenity groß gemacht hat und die sie bestimmt noch über etliche Grenzen hinaustragen wird.

Irre Themen und femininer Klang – Everlasting Dawn

Eine eher unkonventionelle, aber dem 21. Jahrhundert naheliegende Gründung durchlebten Everlasting Dawn vor rund fünf Jahren. Nachdem Sängerin Lisa und Gitarrist Dave Slut ihre alte Band verließen, fanden sie durch Internetforen die ideale Besetzung für ihr female fronted Symphonic Metal Projekt. „Es gibt für mich nichts Mächtigeres, als harte Gitarren und Drums mit einem bombastischen Orchestersound zu verbinden”, ist Dave Slut begeistert. Durch ihre Einflüsse aus dem Melodic Death Metal heben sich Everlasting Dawn dennoch von dem klassischen Symphonic Metal Sektor ab. Obwohl die Band derzeit eine kleine Pause eingelegt hat, wollen sie demnächst weitermachen und träumen von einem Festival, bei dem auch kleine Bands ein bisschen wie VIPs behandelt werden. Wie unterschiedlich diese österreichischen Bands aus den Gefilden des Symphonic Metal auch seien, ohne treue Fans und gut gesonnene Labels wäre keines dieser Projekte auch nur ansatzweise möglich gewesen. Nicht nur Lanvall von Edenbridge macht daher auf den „Teufelskreislauf und Tod der Kreativität” aufmerksam, der droht, wenn Streamingportale jegliche Chance auf Verdienst vernichten. Österreich hat eine fantastische Bandbreite an musikalischen Highlights anzubieten, die es zu fördern lohnt. Dann geht der Traum vom echten Orchester auf der Symphonic Metal Scheibe vielleicht auch bald für einige mehr in Erfüllung, und die Fans freut es bestimmt auch.

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