The Pope of Free Jazz brought new aspects into music.

Der Jazzmusiker Randolph Denard Ornette Coleman (geboren am 9. März 1930 in Fort Worth, Texas, gestorben am 11. Juni 2015 in New York City) zeigte sich hauptsächlich mit Altsaxophon, gelegentlich auch mit Tenorsaxophon, Trompete oder Geige. Durch seine innovativen Ideen revolutionierte er die Jazzkompositionsszene, er gilt als Pionier des Free Jazz und ist auch der Schöpfer der „Harmolodie“, einem selbst erdachten Improvisationssystem.

Autodidakt

Mit 14 begann er, selbst Saxophonspielen und Notenlesen zu lernen, mit 19 riss er von zuhause aus, um der Armut und Rassendiskriminierung im Süden der USA zu entfliehen und schlug sich in Los Angeles mit Hilfsjobs durch. Daneben lernte er, wiederum im Selbststudium, Harmonielehre und Musiktheorie und entwickelte seine – auf mathematischer Logik basierenden – musikalischen Konzepte. In L.A. fand er auch einige Mitmusiker wie Don Cherry und Bobby Bradford (Trompete), Ed Blackwell und Billy Higgins (Schlagzeug), Walter Norris (Klavier) und Charlie Haden (Bass) und gründete das „Ornette Coleman Quartet“. Erst tourten sie durch kleine Clubs in Los Angeles, ein Engagement im berühmten „Five Spot“ in New York im Jahre 1959 brachte den Durchbruch.

Free Jazz

Sein bekanntestes Album „Free Jazz: A Collective Improvisation“ hat er 1960 mit einem Doppelquartett, bestehend aus Eric Dolphy (Bassklarinette), Don Cherry (Taschentrompete), Freddie Hubbard (Trompete), Scott LaFaro und Charlie Haden (Bass), Billy Higgins und Ed Blackwell (Schlagzeug) aufgenommen. Auf diesem Album konnte man sich entscheiden, ob man das linke, das rechte Quartett oder beide gemeinsam hören wollte, ein damals einzigartiges Konzept. Seit den frühen 1960er Jahren komponierte er auch Werke für Ensembles der Kammermusik und seit 1967 auch sinfonische Stücke für größere Ensembles (z.B. „Skies of America“, 1972).

Harmolodie

Ornette Coleman entwickelt vor allem seit den 1970ern aus dem Free Jazz ein System der „Harmolodie“. Anders als im modalen Spiel wird dabei über lineare Intervallreihen improvisiert. Insbesondere mit seiner Band Prime Time wurde er ab Mitte der 1970er Jahre zu einem Pionier des Free Funk, denn er kombinierte die „Harmolodics“ mit aggressiven Rockrhythmen und sphärischen Klängen. Sein Album “Dancing in Your Head”, wurde in die Liste „100 Records That Set the World on Fire (While No One Was Listening)” aufgenommen. In den 1980er Jahren brachte Coleman weitere Platten mit Prime Time, aber auch mit seinem klassischen Quartett heraus. Ornette Coleman hinterfragte alles, er sprach viel über Sequenzen: „John Coltrane was a good saxophone player but he was lost to sequences“ und “I first tried to ban all chords and just make music an idea, instead of a set of patterns, to know where you are” waren 2 seiner kritischen Aussagen. Über seine geliebten Unisonolinien meinte er: “Being a human, you’re required to be in unison” und über die Qualität von Musik: “There is no bad music, only bad performances”. Seine Art stammte vermutlich von seiner Mutter. Nachdem er sein erstes Saxophon bekommen hatte, rannte er oft zu ihr, um ihr seine Lernerfolge zu demonstrieren: „Listen to this! Listen to this!” rief er begeistert, doch seine Mutter meinte gelassen: “I know who you are. You don’t have to tell me”.

Weitere Aufnahmen

Seine Platten der 1990er Jahre, auf denen er zum Teil in einem klassischen Jazzquartett (mit Piano, Bass, Schlagzeug) bzw. im Duo mit Joachim Kühn (Piano) spielte, fanden ebenfalls großen Anklang. Auf seinem letzten Album „Sound Grammar“, das 2006 bei einem Festivalauftritt in Deutschland entstand, spielte er in einer ungewöhnlicheren Besetzung (mit je zwei Bassisten und Schlagzeugern). 2002 und 2003 unternahm Ornette Coleman Abstecher in die Rockmusik und wirkte bei Lou Reeds Bearbeitung von Werken Edgar Allan Poes „The Raven“ sowie bei Eddy Grants Hearts & Diamonds“ mit. Bereits in früheren Jahren war er an Produktionen von Yoko Ono, Claude Nougaro, Jamaaladeen Tacuma, Yochk’o Seffer und Joe Henry beteiligt.

Familie

Aus der geschiedenen Ehe mit der Dichterin Jayne Cortez stammte sein Sohn Denardo Coleman, auf den er seit 1966 als Schlagzeuger zurückgreift. Neben der Musik interessierte sich Coleman auch für wissenschaftliche Themen aus der Physik, Mathematik und Chemie.
2007 erhielt Coleman als erster Jazzmusiker den Pulitzer-Preis in der Kategorie Musik, der bisher nur an „klassische“ Komponisten vergeben wurde, in diesem Jahr bekam er auch vier Jazz Awards (bester Musiker, bester Altsaxophonist, bestes Album, bestes Kleinensemble), verliehen von der Jazz Journalists‘ Association.

Wichtige Platten (Es gibt über 60 Tonträger unter seinem Namen) sind: Something Else!!!! (1958), The Shape of Jazz to Come (1959, inkl.dem Klassiker Lonely Woman), Free Jazz (1960), Dancing in Your Head (1973/1976) und In All Languages (1987). Literatur über ihn gibt es von Peter Niklas Wilson (Ornette Coleman: Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten), John Litweiler (Ornette Coleman: A Harmolodic Life), Steve Day (Ornette Coleman – Music Always), Christian Broecking (Ornette Coleman – Klang der Freiheit), Martin Kunzler (Jazz-Lexikon), B. Spellman (Four Jazz Lives).

fotocredits: Emilie Pons

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