In der österreichischen Musiklandschaft tut sich die letzten Jahre viel: Bilderbuch treiben ihr Unwesen in der Poplandschaft, Wanda sowie Voodoo Jürgens geben dem Austropop einen neuen Kick und Turbobier beleben jüngst den Punk aufs Neue, sofern er jemals gestorben ist.

Ein Interview und das eine oder andere Bier geben Auskunft.

Ausgefallene Namen, Vorbilder und Bier, Bier, Bier

Das Punkband-Quartett Turbobier setzt sich wie folgt zusammen: Marco Pogo, Sänger und Gitarrist, Fredi Füzpappn am Schlagzeug, Baz Promüü, der den Bass – oder schöner: die „Trottelgitarr“ – bearbeitet und Doci Doppler, der auch an der Gitarre tätig ist, damit Marco Pogo „net sovü während den Konzerten zur Klampfn greifn muss und somit regelmäßig zum Bier greifen kann.“
Ob die auffallenden Künstlernamen eine Anlehnung an die Ur-Punks aus England, wie beispielsweise Sid Vicious oder Johnny Rotten von The Sex Pistols, sind, ist unklar, denn Marco Pogo sieht das so: „Wås haast do einfallsreich? Wir heißen hoit so.“ – eine Ähnlichkeit besteht jedoch ohne Frage. Völlig klar hingegen ist, dass Bands wie Sex Pistols oder The Clash sehr wohl das Tun und Schaffen von Marco Pogo in Form einer Vorbildfunktion beeinflusst haben. Fredi Füzpappn feiert hier eher Wölfi, von der Band Die Kassierer, den er, neben seinem ähnlichen Trinkverhalten, als einen sehr großen Künstler schätzt.
Alkohol und Punk gehören zusammen wie Festivals und heiße Sommertage. Das gilt auch für Turbobier – die Namensgebung und Gründung einer eigenen Biermarke waren jedenfalls nicht ohne Hintergedanken. Wenn Fredi Füzpappn zu trinken beginnt, fängt er meistens erst ab dem fünften Bier zum Zählen an, denn „den Rest kann man ruhig ‚Grundversorgung’ nennen.” Aber leider werden im Alter meistens auch die Feste kürzer, wofür Pogo eine schlüssige Erklärung hat: „Senile Bettflucht.“

Sonnenbrillen, Religion und Politik

Jede Band hat ihre Markenzeichen – auch Turbobier, wenngleich nicht beabsichtigt. Wer die Wiener auf sozialen Medien regelmäßig verfolgt und/oder live gesehen hat, dem wird bestimmt aufgefallen sein, dass die Jungs so gut wie nie ohne Sonnenbrille, die sich ungewollt als solches Markenzeichen entwickelt hat, unterwegs sind. Diese Sonnenbrillen sind aber nicht nur Erkennungsmerkmale, sondern haben zusätzlich eine ganz besondere Funktion: „Des is afoch a Drangla-Schutzbrille, die uns vor direkter Sonneneinstrahlung und verspritzem Bier – was wir übrigens nicht immer gutheißen, wenn Bier verspritzt wird – schützen soll“, so Marco Pogo.
Aber für die Jungs aus dem 11. Wiener Gemeindebezirk ist Musik mehr als Tonträger und Konzerte, Turbobier schlagen auch in ihrem sozialen Umfeld Wellen: Die bandeigene Partei „Die Bierpartei“ fand einen Platz in der österreichischen Politiklandschaft und neuerdings wird eine Religion zum Leben erweckt. Die „Bieristische Glaubensgemeinschaft“ impliziert die Schriften der „Heiligen Bierbel“ sowie das neue „Festament“. Fred Füzpappn ist der Meinung, dass „die Welt a besserer Ort wär’, wenn alle leicht einen sitzen hätten.“ Als ausgezeichneter Ort zur Bekehrung von Ungläubigen eignete sich das FM4 Frequency Festival, wo sie den „Teufelssaft Radler“ der Besucher verbannten und zeremoniell in Bier umgetauscht haben: Hierfür wurde ein schwarzer Altar auf Rädern angefertigt – ein Bierfass diente als Monstranz. Die Band selbst hat sich mottogetreu auch schwarz gekleidet. Wie dunkle Priester zogen sie mit ihrem Konstrukt durch die bunte, überhitzte Festival-Landschaft. Aber die Bierweihe war nicht böse gemeint, denn Marco weiß „Jeder Mensch macht mal Fehler.“ Die Bekehrung war übrigens gnadenlos, auch die hübsch gestylten Mädels bekamen die Bierdusche aus dem Trichter ab.

Ein neues Album, Irokesentango und musikalische Weiterentwicklungen

Aber nicht nur die für eine Band ungewöhnlichen Aktionen brachten Erneuerungen mit sich – auch auf ein weiteres Album, das die Thematiken „die Wiener Seele, die Liebe zur Polizei, und dass a Mensch a Mensch is“ bearbeitet, darf gespannt gewartet werden.
Auf stilistischer Ebene wurde bei Turbobier der Turbo eingeschaltet, denn eine musikalische Weiterentwicklung ist deutlich spür- und hörbar: „Wir håm uns a bissl mehr Zeit genommen, waren länger im Studio und das wird man auch hören. Musikalisch gesehen isses owa a leiwande Fortsetzung von ‚Irokesentango“, verrät Marco Pogo bereits vorab. Dennoch sollte eine Sache nach Fredi Füzpappn nie vergessen werden: „Bei aller Geschwindkeit muss man sich aber immer Zeit zum Biertrinken nehmen.“
Ob Punk nun tot ist oder nicht? Über diese Frage lässt sich streiten. In England wird momentan das 40-jährige Punk-Jubiläum gefeiert. Teil der Ur-Punk-Szene wären sie gerne gewesen, vom Jubiläum halten sie jedoch nicht viel, „trotzdem: ois Guade, lieber Punk!“, so Marco Pogo.

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