Hubert Mauracher kann auf ein langjähriges und vielfältiges musikalisches Schaffen zurückblicken. Zusammen mit Sonia Sawoff gibt es auch heuer wieder neues Material.

Seit 2012 ist die Grazerin Sonia Sawoff nun die Stimme zu Maurachers Klangwelten. Unter seinem Nachnamen schuf der gebürtige Tiroler Hubert Mauracher schon zuvor ein vielseitiges musikalisches Werk, für das er mit verschiedenen Musikerinnen und Musikern zusammenarbeitete. Bereits 2003 erschien mit „29°“ das erste Album unter diesem Namen, zwei Songs fanden in Werbespots für Schokobananen Verwendung. Zu diesem Zeitpunkt wurde seine Musik noch rein elektronisch produziert.

Mit dem zweiten Album „Kissing My Grandma“ im Jahr 2005 zollte Hubert Mauracher seinen Indie-Rock-Wurzeln Tribut und setzte seine Songs mit einer Band um. Auch das 2008 erschienene Album „Loving Custodians“ kann noch dieser Bandphase zugerechnet werden. Mit dem bereits fertigen Material zu dessen Nachfolgealbum fühlte sich Hubert Mauracher aufgrund des Inputs der Band dann allerdings nicht mehr wohl und beendete das Projekt. Zeiten des schlechten Gewissens gegenüber seinen ehemaligen Weggefährten folgten, in denen Hubert Mauracher das Musikmachen zeitweise ganz einstellte. Die Zusammenarbeit mit Sonia Sawoff beendete schließlich diese Phase. Die beiden lernten einander bei einem Konzert in Salzburg kennen, bei dem Sonia mit ihrer Schwesternband Sawoff Shotgun und Hubert mit Mauracher auf der Bühne stand. Seit die beiden zusammen Musik machen, hat ein neues Kapitel im Schaffen von Mauracher begonnen, bei dem Zusammenarbeit in den Fokus gerückt ist. Hubert Mauracher wurde zuvor gerne attestiert, nicht gerade ein Teamplayer zu sein und mit sprichwörtlicher Tiroler Sturheit zu agieren. Die Kooperation mit Sonia funktioniert nun allerdings ohne viele Reibungspunkte, wie die beiden berichten: „Wir arbeiten sehr professionell. Das funktioniert bei uns auch sehr harmonisch. Wir hatten eigentlich nur einmal eine kurze Reiberei wegen eines Kommunikationsfehlers. Das war‘s aber auch schon wieder. Wir sind ja mittlerweile erwachsen und wissen sehr gut, was wir wollen und nicht wollen.“ Das 2012 erschienene Album „Super Seven“ nähert sich dem früheren elektronischen Schaffen von Mauracher wieder deutlich an und klingt nach schwelgerischem Synthie Pop. Darauf findet sich der Song „Coma“, der wohl auch symbolisch für das Ende von Hubert Maurachers musikalischem Koma steht und für die beiden bis heute etwas Besonderes ist: „Eines der Highlights war sicher unser allererster Song ‘Coma’. Das war quasi unsere Feuertaufe. Das ist immer noch einer unserer stärksten Songs, sowohl auf CD wie Live.“

Für das Folgealbum „Let’s Communicate“, das 2014 erschienen ist, haben Sonia und Hubert erstmals alle Songs gemeinsam geschrieben und eingespielt. Dazu zogen sie sich für fünf Tage aufs Land in Sonias Elternhaus zurück. Der Sound schließt dabei an den Vorgänger an, auch wenn es etwas trashiger wurde. Die Live-Auftritte werden nun zu dritt bestritten, Sonia ist für die Gitarre und den Gesang zuständig, Sasa Nikolic sitzt an den Drums und Hubert kümmert sich um die Elektronik. Für das Jahr 2015 gab es mit dem Song „A Must-Have“ bereits neues Material, eine Vinyl-EP soll folgen. In dem Song geht es um Schnurrbärte als ultimatives MustHave, das Ganze klingt dann sehr schwelgend-träumerisch und auch ordentlich 80ies-lastig. Für das Songwriting hat sich laut Sonia dabei mittlerweile folgendes Muster eingespielt: „Der kreative Prozess läuft anfangs sehr getrennt ab. Hubert bastelt an den Instrumentals und schickt mir dann die Layouts, um die Vocal-Lines und Lyrics zu schreiben. Danach wird gemeinsam arrangiert und gefeilt.“

Die Grazerin ist neben dieser Zusammenarbeit auch mit Sawoff Shotgun musikalisch aktiv, einer Band, die sie mit ihren beiden Schwestern Susanna Sawoff und Monica Reyes betreibt. Dabei lassen sich für sie die beiden Projekte leicht unter einen Hut bringen: „Das geht ganz easy, wobei der Fokus natürlich schon einmal mehr hier oder dort liegt. Aber die meisten MusikerInnen leben nicht nur von einer Band. Ich bin auch der Typ, der gerne unterschiedliche Sachen macht und mit verschiedenen Menschen zusammenarbeitet.“ Betrachtet man Hubert Maurachers bisheriges musikalisches Schaffen, vermutet man schon, dass auch ihm Abwechslung sehr wichtig ist. Zu ständiger Weiterentwicklung bekennt er sich auch ganz klar: „Weiterentwicklung ist mir sehr wichtig. Sonst wird mir innerlich fad, und das Leben als solches ist so gut wie nie fad. Da darf ein Album schon mal ganz anders klingen, aber das sind die Mauracher-Hörer eh schon gewöhnt.“ Der gelernte Chefkoch hat für sich aber mittlerweile auch herausgefunden, dass ihm das Musikmachen mehr Spaß macht, wenn er nicht davon leben muss. Das ist in Österreich naturgemäß schwer: „Wenn man von der Musik leben will/muss, wird‘s sehr schwer. Österreich ist ein sehr kleines Land mit sehr vielen wirklich großartigen Bands, die aber alle im selben Teich fischen müssen. Dann kommt noch die internationale Konkurrenz dazu. Dank alternativen Plattformen wie Radio FM4, diversen Privatradios, InternetBlogs und auch Gotv bekommt man aber doch gute Unterstützung.“ Neben der Musik war Hubert Mauracher schon seit einigen Jahren vormittags als Koch tätig. Nun hat er ein eigenes Lokal namens „schönscharf“ in der Wiener Innenstadt eröffnet, wo er hauptsächlich südostasiatische Gerichte zum Mitnehmen kocht. Trotz der beschriebenen Schwierigkeiten fühlen die beiden momentan Aufwind für die österreichische Musiklandschaft, wenn auch eher hinsichtlich der Qualität als im kommerziellen Sinn: „Die letzten zehn Jahre sind unglaublich gute Bands aus den Proberäumen angetanzt. Das tut dem Land richtig gut.“ Man darf also gespannt sein, wie sich Mauracher & Sonia Sawoff von diesem Aufwind in Zukunft inspirieren lassen werden. Aufgrund von Huberts Lokaleröffnung können sie zwar momentan nur kleine Schritte gehen, doch Sonia glaubt an neues Material: „Ich denke, ein Album wird sicher wieder Thema für uns.“

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