„Wie viel Zeit und Geld eine Band aufbringen kann, um am Erfolg intensiv arbeiten zu können, zählt zu einem der wichtigsten Faktoren. Es ist unmöglich zu sagen wer mehr oder weniger Chancen hat.“

White Miles verstehen sich selbst als Pole Dance Stoner Blues Rock Duo und touren im Moment unaufhaltsam durch ganz Europa. Es wird also höchste Zeit, um sie näher kennenzulernen und mit ihnen über ihre musikalischen Einflüsse, die österreichische Rockszene und über Pole Dancer zu sprechen. Öffnet man das Debütalbum des Zweiergespanns White Miles aus Tirol, dann springen einem zwei Sätze ins Auge: „Kill the man inside your mind“ und „Pull the trigger honey – it’s okay.“ Diese Kampfansage kommt von Medina Rekic (Gesang, Gitarre) und Hansjörg „Lofi“ Loferer (Schlagzeug), die sich 2005 bei einem Bandwettbewerb in Hall in Tirol kennengelernt haben und seitdem eng befreundet sind. 2011 begannen sie unter dem Namen White Miles gemeinsam Musik zu machen und Ende 2014 erschien ihr Debütalbum „job: genius, diagnose: madness“. Das hat nicht nur einen klingenden und vielversprechenden Titel, sondern steht auch für treibende Drums und schmutzige, im Blues verankerte Gitarrensounds. Dazu gesellen sich eindringliche, teilweise ungestüme Gesangsparts. Doch auch ruhigeren Momenten wird genügend Platz eingeräumt, sodass sich ein dynamisches, vielschichtiges Album
daraus ergibt.

Zwischen Led Zeppelin und PJ Harvey

Irgendwann muss man eine Band als verantwortungsbewusste Musikjournalistin natürlich nach ihren Einflüssen fragen. Bei den White Miles ergaben sich daraus zwei recht verschiedene Antworten. Lofi gab große Namen zu Protokoll: „Mich inspirieren Bands und deren Drummer wie Led Zeppelin, Mötley Crüe, The Dead Weather.“ An dieser Stelle fällt es schon allein wegen der Zweierkonstellation schwer, nicht an The Kills zu denken, bei denen wie bei The Dead Weather Alison Mosshart am Mikro steht. Medina beschreibt ihre Einflüsse allerdings folgendermaßen: „Ich ertrinke oft im Kolorit vieler meiner Vorbilder, sodass ich mich manchmal in meinem Überfluss an Gedanken und der Auffassung alltäglicher Angelegenheiten total verliere und nicht mehr weiß, was ich persönlich davon halten soll. Dieser Einfluss meiner Vorbilder hat meist nichts mit der Musik zu tun, die Musik schreibe ich und nicht Lindsey Buckingham oder PJ Harvey. Ich lasse mich gerne von einem Gitarrensound inspirieren, aber die Musik und der Text kommt von mir.“
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Keine andere Wahl

Hört man den Album-Opener „Fake Smile“, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass Medina über die Entscheidung der beiden singt, ihre Jobs aufzugeben und sich fortan nur mehr der Musik zu widmen wenn sie singt: „Well do you know what I gave up? I chose this life – no matter if I am on crack.“ Eine folgenreiche aber unumgängliche Entscheidung, wie die Band selbst bestätigt: „Es gab keine andere Wahl. Wenn du Musik machen willst, brauchst du Zeit für Musik. Mit einem anderen Beruf würde man sich nur im Weg stehen beziehungsweise wäre Musik dann nur ein Hobby. Das ist es für uns nicht. Es ist Kunst, Leben und die Befriedigung unserer Lüste, zugleich aber auch das Mildern unserer Brainfucks, bis zu einem gewissen Grad.“ Damit geht für das Duo auch die Möglichkeit einher unermüdlich zu touren.
Alleine 2014 waren sie mit den Truckfighters, Valley of the Sun, Courtney Love und der Grazer Band Witchrider unterwegs. Für die berühmt-berüchtigte Cobain-Witwe haben die beiden nur gute Worte übrig: „Courtney Love, eine unglaublich interessante Person, die wenn man sie abseits der Bühne erlebt, mit ihrer Live-Performance total überrascht und mitreißt. Es war intensiv mit ihr auf Tour zu sein. Wir lieben sie und ihre Musik.“

Ein Tourleben mit vielen Highlights

Auch die Frage nach den Grazer Tourpartnern sorgte für eine euphorische Antwort: „Witchrider sind geniale Dudes, die Musik und das Tourleben lieben und das auch in vollen Zügen ausleben – sei es bei einer Aftershowsession oder während ihrer Show selbst!!“ Auch die White Miles genießen ihr Tourleben kräftig, wie in ihrem Tourmovie „Another Rock’n’Roll History“ deutlich wird. Darin kann man zwei energiegeladene Menschen auf und hinter der Bühne erleben, die immer für ein Späßchen oder einen Plausch mit dem Taxifahrer bereit sind. Für das Zweiergespann zählt nach eigenen Angaben jeder motivierte Konzertgänger und auf der Bühne erfasst sie nach wie vor eine Gänsehaut, wenn ihnen klar wird, was sie da gerade wirklich erleben. Doch das ist noch nicht alles: „Dazu kommt die Tatsache, dass Leute auf unser Konzert kommen, die uns bereits live erlebt haben, um mit uns abzuhängen, mit uns was zu trinken, reden, rauchen, Spaß zu haben und ordentlich bei der Show abzugehen. Und wenn dir das tausende Kilometer weit weg von zuhause passiert, dann kann es leicht dazu kommen, dass man mal gerührt vor dem Spiegel steht und nicht glauben kann, dass man das ‘high on life-Gefühl‘ erleben darf.“ Bei gezählten 70 Auftritten alleine im Jahr 2014 muss einem doch irgendwann die Energie ausgehen. Selbst dagegen haben Medina und Lofi allerdings ein Mittel gefunden: „Wir hatten noch nie keine Lust mehr auf Musik. Auf einer Tour gibt es ‚nach Luft ringende Momente‘ oder das Gefühl kurz vor einem Blackout zu stehen, wo man sich jedoch trotzdem irgendwie wieder mit der Energie des Songs auftankt und diese Energie treibt dich in solchen Situation voran.“

Von Österreich in die Welt?

whitemiles_4Bei so viel Tourerfahrung ist ihre Einschätzung der österreichischen Rockszene natürlich besonders interessant: „Es gibt so viele Bands wie immer schon und so viele gute, einschlägige Bands und spannende Musiker. Wir sind unglaublich froh, dass immer mehr Leute um uns rum stehen, wenn wir auf ein Konzert gehen. Es entwickelt sich wieder eine Konzert- und Rockszene.“ Das klingt durchaus optimistisch und entspricht auch ein wenig dem momentan heraufbeschworenen österreichischen Gitarrenrock-Hype. Doch was braucht es, um als österreichische Band international erfolgreich sein zu können? „Wie viel Zeit und Geld eine Band aufbringen kann, um am Erfolg intensiv arbeiten zu können, zählt zu einem der wichtigsten Faktoren. Es ist unmöglich zu sagen wer mehr oder weniger Chancen hat.“, sprechen die beiden wohl vor allem aus eigener Erfahrung. Den White Miles wäre es jedenfalls zu wünschen, dass sie auch weiterhin so voller Energie touren und ihre Facette des wahren Rock’n’Roll-Spirits verbreiten wie bisher und damit ganz Europa und noch mehr erobern. Doch was ist jetzt mit den eingangs erwähnten Pole Dancern? Angeblich feiern die beiden gerne Proberaumpartys mit alten Schwarz-weiß-Filmen, lauter Musik und Pole Dancern. Darauf angesprochen bleiben sie allerdings ebenso kryptisch wie verheißungsvoll: „Bei uns gibt’s mehr als Pole Dancer im Proberaum.“

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