Aus den Bergen Österreichs in die Metropolen der Welt.

Ein sonniger Nachmittag in einer der berühmtesten Städte der Welt, Sydney. Gerade haben wir die Harbour Bridge überquert, von der aus wir noch ein paar letzte Blicke hinüber zum Opera House werfen konnten. Als wir uns wieder dem Stadtinneren nähern, sehen wir ein Plakat, dass auf den ersten Blick eine gewöhnliche Veranstaltung bewerben soll. Location und Venue sind angeführt, ebenso ein paar lokale DJs. Beim Betrachten des Headliners sticht uns plötzlich doch eine Besonderheit ins Auge: Wild Culture/Austria. Es handelt sich um keinen Druckfehler oder um die häufige Verwechslung von Austria und Australia. Mehr als 14.000 km von zu Hause entfernt, treffen wir tatsächlich auf einen österreichischen Musikexport, der nicht auf Grund seiner Gesichtsbehaarung zu solcher Ehre kommt. Was die ganze Sache noch erstaunlicher macht, es handelt sich sogar nur um einen Stopp einer ganzen Australien Tour. Haben wir es hier mit einer Art Falco der Gegenwart zu tun? Und wenn ja, warum hat man den Namen Wild Culture noch nicht von der Spitze der heimischen Charts lachen gesehen? Doch eines nach dem andern.

Wild Culture, bestehend aus den gebürtigen Vorarlbergern Florian Fellier und Felix Brunhuber, sind ein österreichisches Produzenten Gespann, deren Sound sich am ehesten in das Genre Deep House einordnen lässt. Schon bevor es zur Gründung von Wild Culture kam, waren beide als Produzenten und DJs tätig. So dauerte es bis zum Jahre 2011, als die beiden nach einer gemeinsam durchzechten Nacht beschlossen noch ins Studio zu gehen. Es folgten zahlreiche Releases auf verschiedenen Labels. Mit ihrem Track „The Tide“ lagen die beiden über sechs Wochen in den Beatport Top Ten Deep House Charts und ihre enorme Fanbase auf Soundcloud und Facebook spricht für sich. Der Wild Culture Remix für Glass Animals „Gooey“ zählt allein auf Soundcloud über drei Millionen Plays und auch einige ihrer anderen Werke haben die Millionen Marke bereits überschritten. Damit scheint die Frage wie es zur Australien Tour kam, bereits geklärt zu sein doch steht die Erklärung nach der fehlenden Prominenz in Österreich noch aus.

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© Wild Culture

Nun ganz Unbekannte sind sie auch hierzulande nicht mehr. Wer sich schon etwas intensiver mit der heimischen Musikszene, speziell der elektronischen, auseinander gesetzt hat, dem wird der Name Wild Culture bereits ein Begriff sein. Schließlich legten die beiden von Anfang an einen rasanten Aufstieg hin. Über das Mannheimer Label Circle Music kamen sie zu Kittball Records und es dauerte auch nicht mehr lange bis sie Support von Ibiza Global Radio und Majestic bekamen. Ein weiteres Highlight dürfte der erst vor kurzem von ihnen erschienene Remix für den Londoner Producer Witness sein, der auf keinem geringeren Label als Ultra Music erschien.

Auch beim Sound von Wild Culture hat sich über die Jahre einiges getan. War ihr Sound anfangs noch etwas härter und mit einigen Tech-House Einflüssen versehen, liegt der Fokus mittlerweile klar auf dem Deep House Sektor. Ihr Sound wurde massentauglicher und spricht mittlerweile ein breitgefächertes Publikum an. Was den Sound von Wild Culture auszeichnet und sich durch alle ihre Werke zieht, ist ihr enormes Verständnis für Technik und Harmonien sowie ihre Liebe zum Detail. Zudem scheuen die beiden keine Experimente mit anderen Künstlern und Musikrichtungen, wie ihr erst kürzlich erschienener Song mit dem Sänger der Band Nihils offenbart. Hierbei weichen sie vom elektronischen Weg ab und erzeugen eine feinfühlige, akustische Soundlandschaft. Dabei ist es schön zu sehen, dass die beiden Producer sich nicht in Nischen drängen, sondern ihren Ideen freien Lauf lassen. Man darf gespannt sein in welche Richtung sich der Sound von Wild Culture noch verändern wird. Obwohl erst wenige Jahre im Geschäft, scheint Wild Culture bereits eine internationale Größe zu sein. Der Grund für ihren Aufstieg lässt sich allerdings nicht mit Glück oder Marketing erklären, vielmehr stecken jahrelange harte Arbeit und der Glaube an sich selbst dahinter. Wohin der Weg für Wild Culture in Zukunft führen wird, steht noch offen, nur die Richtung nach oben lässt sich schon erkennen.

„Das Ganze fing vor circa drei bis vier Jahren an, als uns die Deep House Welle erreichte.“

PARADOX: Wie lang gibt es das Projekt Wild Culture schon?
Wild Culture: Das Projekt Wild Culture gibt es jetzt seit vier Jahren. Zu dieser Zeit waren Felix und ich bereits im elektronischen Bereich tätig. Vor allem im härteren Elektro-House Bereich. Felix hatte ein Projekt am Laufen das Upside Hustlaz hieß. Mein Projekt damals hieß Beats 4 Education. Wir kannten uns schon von verschiedenen Partys und nach einer Party auf der wir beide spielten, gingen wir in der Afterhour das erste Mal gemeinsam produzieren. Wir haben da begonnen gemeinsam an einem Track zu feilen und trafen uns noch mehrmals, um diesen fertig zu machen. Schnell erkannten wir, dass wir die gleiche Liebe zu analogen und organischen Beats hatten und beschlossen ein gemeinsames Projekt zu gründen. Zunächst arbeiteten wir unter unseren beiden Nachnamen Fellier & Brunhuber, doch kamen wir recht schnell zu dem Entschluss, dass ein anderer Name her muss, der uns auf einen gemeinsamen Nenner bringt. Wir dachten dabei zuerst an unsere Heimat, die Landschaften, die Berge, die Wälder, die Seen. Dann haben wir weiter überlegt und uns gedacht, dass der Jazz und Funk Bereich uns immer inspiriert hat, und dass es da viele coole Klänge gibt mit denen wir arbeiten. Alles was da einfloss war irgendwie wild. Ein Freund von uns brachte dann das Culture ein und der Name Wild Culture gefiel uns so gut, dass wir ihn beibehalten haben. Für unser Logo wollten wir ein starkes heimisches Tier nehmen. Wir haben uns überlegt welches Tier bei uns im Wald das mächtigste ist. So kamen wir auf den Hirsch. Der Kreis in dem er steht, steht für eine Schallplatte, da wir schon immer eine Liebe zu Vinyl hatten.

PARADOX: Euer Genre lässt sich am ehesten in die Kategorie Deep House einordnen. War von Anfang an für euch klar, das machen zu wollen?
Wild Culture: Das Ganze fing vor circa drei bis vier Jahren an als uns die Deep House Welle erreichte. Zu dieser Zeit hat uns der Elektro-House nicht mehr so zugesagt und wir wollten schon länger etwas melodischeren und minimalistischeren Sound machen. Anfangs war das aber eher noch normaler House. Der Sound den wir da machten, ging zwar schon in die Richtung Deep-House, aber war noch viel minimalistischer und härter als jetzt. Eben eher normaler House.

PARADOX: Was waren eure Einflüsse zu der Zeit und wer hat euch inspiriert?
Wild Culture: Wir haben schon immer viel alternativen Sound gehört, eher unbekanntes Zeug. Aber auch Sachen wie NoiDoi haben uns damals beeinflusst. Adam Port gefiel uns zu dieser Zeit sehr gut und eben viele Underground Sachen. Und um einen österreichischen Vertreter noch zu erwähnen, durch Kruder & Dorfmeister haben wir gesehen, dass es auch wenn man aus Österreich kommt, möglich ist International zu bestehen und viele Leute zu inspirieren.

„Wir waren im Winter 2013 gemeinsam mit Tube & Berger, den Label Bossen von Kittball Records, auf einer Hütte und haben Jägermeister getrunken.“

PARADOX: Weißt du noch was der erste Song war den du dir gekauft hast?
Wild Culture: Den ich gekauft hab? Da muss ich nachdenken… Kann es dir nicht mehr so genau sagen, aber einer meiner ersten war von David August, der gefiel mir damals ganz gut und da gab es diese eine Nummer, habe aber vergessen wie die hieß.

PARADOX: Am 31. März erscheint ja ein Remix von euch für den Londoner Producer Witness auf dem wahrscheinlich größten Label für elektronische Musik weltweit Ultra Music. Wie kam es zu dem Engagement?
Wild Culture: Wir waren im Winter 2013 gemeinsam mit Tube & Berger, den Label Bossen von Kittball Records, auf einer Hütte und haben Jägermeister getrunken. Die meinten so, dass zwar unser Sound schon ganz rund und alles ist, aber wenn wir mehr Leute erreichen wollen, sollten wir etwas kommerzielleren Sound machen, der auch clubtauglich ist. Das war eigentlich das, was wir sowieso wollten. Dieses Jahr kam dann der große Switch. Wir haben nun einen neuen Manager, Johannes Cordes, den ehemaligen Universal Germany Manager. Mit ihm kamen wir dann auch zu dem Entschluss, dass es Zeit ist den nächsten Schritt zu machen. Also haben wir uns zusammengesetzt und überlegt auf welchen Labels wir was machen könnten. Da ergab sich die Möglichkeit etwas auf Ultra Music zu machen. Dieses Jahr werden noch drei Releases auf Ultra erscheinen.

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© Kitball Records

PARADOX: Hättet ihr euch gedacht in doch relativ kurzer Zeit so schnell aufzusteigen?
Wild Culture: Eigentlich ging es uns immer zu langsam. Bei Kittball gesigned zu werden war natürlich der erste große Schritt. Dann kam der Support von FM4 und dann auch schon Majestic. Als wir die ersten Beatport Top20 Platzierungen hatten merkten wir langsam, da geht was. Wir fingen an die Sachen sehr gezielt und bewusst anzugehen. Wir wollen Tracks machen wo die Leute wissen, dass wir es sind. Die Leute sollen die Augen zu machen und den Track auf sich wirken lassen können. Er soll ein Kopfkino erzeugen, aber er soll auch clubtauglich sein. Der Track soll eine Geschichte erzählen und Gefühle beim Zuhörer erzeugen. Wir glauben mittlerweile den richtigen Schlüssel dazu gefunden zu haben. Aber wir haben natürlich noch große Ziele. Wir wollen in unserem Stil die breitere Masse noch weiter öffnen und zeigen, dass auch Leute die aus den Bergen kommen, Musik machen können. Unsere Musik soll auch unsere Herkunft widerspiegeln.

„Wir haben uns lange überlegt warum uns die Österreicher noch nicht so mögen.“

PARADOX: Nächste Woche startet eure Australien Tour. Auch in den USA scheint ihr bereits einen großen Bekanntheitsgrad zu haben. Meiner Wahrnehmung nach scheint ihr aber gerade in eurer Heimat Österreich den Leuten noch nicht so bekannt zu sein, wie es in solch anderen, viel größeren Staaten der Fall ist. Gibt es dafür Gründe die ihr euch erklären könnt?
Wild Culture: Wir haben uns lange überlegt warum uns die Österreicher noch nicht so mögen. Es liegt wohl an dem generellen Problem, dass die Leute in Österreich nicht so offen für Neues sind. Oft ist es auch so, dass die Leute uns hören und ihnen der Sound gefällt, ihnen dann aber nicht bewusst ist, dass der Song von uns ist. Kommerziellerer Deep House wie Robin Schulz oder Klangkarussel findet durch das Radio seine Verbreitung. Was nicht regelmäßig im Radio läuft, verfolgen die Leute auch nicht so. Das macht es teils schwierig in Österreich. Die österreichische Musiklandschaft ist aber eben einfach noch nicht so offen wie die in anderen Ländern. Sie zieht aber langsam nach.

PARADOX: Was steht neben der Tour als nächstes bei euch an?
Wild Culture: Momentan sind wir mit einigen Kooperationen beschäftigt. Wir arbeiten da an etwas anderem. Die Erste ist mit dem Sänger der Band Nihils. Der Sänger heißt Ramon und ist ein sehr talentierter Songwriter und hat eine sehr unique Stimme. Bei der Nummer sind einige Indie-Rock Einflüsse vorhanden. Die zweite Kooperation haben wir mit der US Band Karmin. Die beiden sind ein richtiges YoutubeWunder und haben auch auf Facebook schon eine große Fangemeinde. Hier wird bald der erste Track auf der Ultra-Compilation veröffentlicht. Die dritte Kooperation haben wir mit der rumänischen Sängerin Inna. Hier haben wir einen Remix und einen vs. Track mit der Sängerin gemacht. Inna hat auch schon mehr als elf Millionen Facebook Fans. Zudem sind noch ein paar Kooperationen mit anderen österreichischen Künstlern in Aussicht und es folgen sicher noch ein bis zwei andere Releases.

„Das hat uns einfach gezeigt, dass wir schon mit den großen Namen mithalten können.“

PARADOX: Was war euer bisheriges Highlight?
Wild Culture: Im Kindergarten meines kleinen Cousins musste jedes Kind sein Lieblingslied vorstellen und er stellte ein Lied von uns vor. So ein kleiner Mensch von sechs Jahren ist einfach noch unberührt und ehrlich, dem gefällt einfach was ihm gefällt. Das war sicher mein persönliches Highlight. Karrieremäßig gesehen wohl zunächst, dass „The Tide“ schon seit sechs Wochen in den Beatport Deep House Charts unter den Top 10 ist. Das hat uns einfach gezeigt, dass wir schon mit den großen Namen mithalten können. Das war sicher ein Highlight. Und dann eben der Step zu Ultra, wodurch es jetzt viele Leute gibt, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Jetzt wollen wir den Namen 2015 weiter rauf pushen, um weitere Touren spielen zu können und Österreich international vertreten zu können und etwas Bergluft in der weiten Welt verbreiten zu können.

PARADOX: Was wäre euer nächstes Ziel und mit wem würdet ihr gerne einmal zusammenarbeiten?
Wild Culture: Wir wissen zwar, dass es ein sehr hochgestecktes Ziel ist, aber wir würden gerne in zwei Jahren mit einem Superstar, wie z.B. Rihanna, einen Track machen. Darauf wollen wir hinarbeiten und wer weiß was noch kommt. Ein Artist mit dem wir 2015 noch eine Kooperation machen können ist Julian Le Play. Ein im deutschen Sprachraum bereits sehr bekannter Artist mit einer sehr schönen Stimme, der auch tolle Texte und Lieder schreibt. Ein sehr sympathischer Typ der mit seinem Charakter großes Potenzial in dieser Branche hat.

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