Alexander Gabriel aka A.geh Wirklich? hat sich mit Hits wie „Samma uns ehrlich“ oder „Oh Wien, nur du alla“ einen Namen gemacht hat.

In Sachen Dialekt-Rap ist er eine Kultfigur in Österreich; die Lieder des gelernten Fliesenlegers haben Kultstatus und transportieren die Facetten eines echten Wieners. Es war höchste Zeit mit A.geh Wirklich? über seine Musik und sein Leben zu reden.

PARADOX: Deine Musik in einem Satz?

Eine bunte Schrammel-Hip-Hop-Mischung.

PARADOX: Deine Tracks haben den typischen „Wiener Charme“ – Ist das Teil des Erfolgskonzepts, weil du quasi den Wienern aus der Seele sprichst?

Ich denk, es kommt sehr gut an, weil die Leute sich damit gut identifizieren können. Sie brauchen jemanden, der ihnen den Spiegel vors Gesicht hält, und ich denke, dass ich genau das mit meinen Texten und Inhalten mache.

PARADOX: Kommt dein Stil auch in Deutschland an?

Ja, natürlich in Bayern und Deutschland allgemein. Sogar aus England haben mir schon andere Künstler und Fans geschrieben. So gesehen schon aus ganz Europa. Sie verstehen die Sprache nicht unbedingt, aber finden es flowt gut. Also ja, meine Sachen kann man sich weltweit anhören.

PARADOX: Was waren deine größten Einflüsse in deiner Jugend?

Vor allem die ganzen Ami-Rapper, wie Ol’Dirty Bastard, der war schön krank, auch deutsche Künstler wie Freundeskreis. In Österreich waren es Fivehouse-Posse, weil die damals schon Dialekt-Rap gemacht haben. Ein Track, der mich sehr geprägt hat, war „A guater Tog“ von Milo von Schönheitsfehler. Da wollte ich dann auch im Dialekt rappen, weil ich so authentisch wie möglich sein wollte, wie auch beispielsweise die Amerikaner, die im englischen Slang rappen.

PARADOX: Machst du deine Beats selbst oder steht ein Producer dahinter?

Sehr viele meiner Beats produziere ich selbst, seit ich vor fast 25 Jahren angefangen habe. Damals habe ich mit Music Maker und Samples gearbeitet. Mittlerweile habe ich eigene Musiker, die das gewünschte Material für mich einspielen. Beim neuen Album ist fast alles von mir produziert.

PARADOX: Du bist neben deiner Tätigkeit als Musiker auch als „Lehrer“ tätig: In deiner Show „Wienerisch mit A.geh Wirklich?“ erziehst du deutsche „Nicht-Wiener“ zu besseren Sprachmanieren. Ist es dir eine Herzensangelegenheit, das Wienerische in die Welt hinauszutragen oder wolltest du auch auf den Youtuber-Zug aufspringen?

Die Idee dazu kam von 6 Pack Records, bei denen ich ja schon viele Tracks released habe. Es war deren Idee, etwas in der Art zu starten und dabei entstand “Wienerisch mit A.Geh Wirklich?” Das echte Wienerisch ist gewissermaßen am Aussterben und deshalb haben wir die Show gemacht, um zu versuchen, es wieder zu fördern. Das ist mir schon ein Anliegen.

PARADOX: Es gibt ein Video von dir zu einer Lesung von „Die bladen Buam san zruck“ – „fat boys are back“ im Original. Was war das genau und wie kam es dazu?

Über fünf Ecken habe ich den David kennengelernt, der „Rapper lesen Rapper“ macht. Er hat mich gefragt, ob ich mit dabei wäre. Ich bin unzählige Texte durchgegangen und fand dann „Die bladen Buam san zruck“ von den Fat Boys. Das Projekt war sehr lustig und kam sehr gut bei den Leuten an. Es werden weitere Veranstaltungen dieser Art stattfinden; da mache ich sicher wieder mit.

PARADOX: Ein paar Fragen in deinen Liedtiteln gestellt: „Traumfrau“ gefunden?

Ja, mittlerweile. Ich habe lange gesucht, doch ich glaube jetzt habe ich sie gefunden. Aber man weiß ja nie. Ich lass mich einfach überraschen.

PARADOX: Viel im „Freibad“ gewesen im Sommer? Waren die „Gösn“ ein Problem?

Die Gelsen waren nur in unserer Wohnung ein Problem. Ich war wenig im Freibad. Ich bin oft an der Donau abgehangen. Da sind jedes Mal viele Freunde dabei und es ist immer sehr leiwand und gemütlich.

PARADOX: Ist das „Recht auf Leben“ immer noch ein Problem?

Es wird sogar weltweit immer schlimmer. Mir geht es natürlich schon sehr gut, das ist mir bewusst. Woanders ist es in vielen Fällen schlechter zum Leben. Wenn dann bei uns ein Hofer und ein Strache an die Macht kommen, wird es kontinuierlich schlimmer mit der Lebensqualität. Da muss man auf jeden Fall dagegenhalten.

PARADOX: Was war dein bester Gig ever?

Auf jeden Fall die Gigs auf der Planet Music und der FM4 Bühne am Donauinselfest. Da waren tausende Leute und das Ganze war sehr mächtig. Beim Donaukanaltreiben vor drei Jahren hatte ich einen meiner fettesten Auftritte.

PARADOX: Du bist dieses Jahr sehr aktiv. Darf man sich noch mehr von dir erwarten? Was bringt 2017?

Ich arbeite gerade an meinem nächsten Album “Gsund bleim”. Es war bereits für Ende 2016 geplant, aber wahrscheinlich ist Frühjahr 2017 realistischer. Es ist wirklich viel Arbeit und wird definitiv sehr fett, so viel kann ich schon mal verraten.

PARADOX: Gibt es etwas, das du den Leuten da draußen sagen willst?

Saufts ned so viel, keep it real und die österreichischen Radios sollen mehr österreichischen Hip-Hop spielen, nicht nur das Mainstream-Zeug. Mir ist auch sehr wichtig, dass die Leute wieder mehr Platten und CDs kaufen, das hat Bestand.

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