Die österreichische Speed/Thrash Metal Band Wildhunt erweitert ihr Revier. Im Oktober 2016 ist das Quartett auf „European Sorceries“ Tour und erobert insgesamt sieben Länder.

Man schrieb das Jahr 2011 als sich Wildhunt in den Tiefen eines Kärntner Kellers formierten – die Motivation und der Schaffensdrang des einstigen Power Trios war groß und so ging es bald auf die Jagd. Mit ihrem energetischen Stilmix aus traditionellem Speed und Thrash Heavy Metal eroberten sie dutzende österreichische Konzertlocations im Sturm. 2012 erschien ihre Debüt-EP „Scenting The Prey“, welche fünf Songs beinhaltet. Seit 2014 sind sie Teil der Austrian Heavy Metal Alliance – kurz AHMA. Die Arbeiten zu ihrem aktuellen Full-Length Album „Descending“ fanden im Jahr 2015 statt – es erschien schließlich im April 2016 via „Metal On Metal Records“. Im Moment sind Wildhunt auf einer zehntägigen Europa-Tournee unterwegs. Music News hat vorab Schlagzeuger Lukas Roth und Sänger und Gitarristen Wolfgang Elwitschger zum Interview getroffen.

music-news.at: Wo steht ihr zur Zeit mit Wildhunt? Was gibt es Neues?

Lukas Roth©Simon Jappel, Eda Hübner

Lukas Roth©Simon Jappel, Eda Hübner

Lukas Roth: Das aktuellste Geschehen in unserer Historie ist wohl unser Line-Up Wechsel. Wir haben jetzt einen zweiten Lead-Gitarristen, Markus Hublik, und einen neuen Mann und guten Freund am Bass, Günther „Güne“ Mocivnikar. Spruchreif ist ansonsten natürlich unsere erste Europa-Tour im Oktober unter dem Banner „European Sorceries“ mit den spanischen Black Thrashern Körgull The Exterminator und den slowenischen Maniacs von Vigilance durch Slowenien, Rumänien, Ungarn, Deutschland, Polen, Holland und Belgien.

music-news.at: In eurer Band Description heißt es, ihr hattet in den vergangenen Jahren mit einigen Höhen und Tiefen zu kämpfen. Wollt ihr darauf näher eingehen?

Wolfgang Elwitschger: In den ersten Jahren war es für uns sehr schwierig, regelmäßig zu proben. Luki ging für sein Studium von Kärnten nach Wien und ich und Benjyi wohnten zu der Zeit noch in Kärnten. Wir konnten uns also nur sehr unregelmäßig treffen um zu proben und organisatorische Dinge zu besprechen. Das hat sich Gott sei Dank geändert als Benjyi und ich 2014 auch nach Wien gezogen sind.  Die Fortschritte, die wir durch das regelmäßige Proben gemacht haben, sind meiner Meinung nach beträchtlich.

Wolfgang Elwitschger©Simon Jappel, Eda Hübner

Wolfgang Elwitschger©Simon Jappel, Eda Hübner

Ein weiteres leidiges Thema war für uns die Suche nach einem zweiten Gitarristen. Anfangs sind wir mit Lukas Oberlerchner, mit dem ich vor Wildhunt schon in einer Thrash Metal Band gespielt hab‘, aufgetreten. Er ist ein Wahnsinns-Gitarrist und auch auf “Descending” bei den Songs “Thrill To Kill” und “Age of Torment” zu hören. Leider wollte er aus Zeitgründen aber in keiner Band mehr spielen. Wir hatten danach zwei weitere Gitarristen, die auch sehr gut zu uns gepasst haben, trotzdem haben wir uns dann dazu entschieden, vorerst zu dritt weiterzumachen. Das hatte zwar natürlich organisationstechnisch viele Vorteile, live hat aber natürlich mit nur einer Gitarre vieles gefehlt – die Songs sind alle für zwei Gitarren geschrieben. Seit Anfang des Jahres fanden wir in Markus Hublik den richtigen Mann für die zweite Axt und wir sind – meiner Meinung nach – nun live stärker als je zuvor.

Markus Hublik©Simon Jappel, Eda Hübner

Markus Hublik©Simon Jappel, Eda Hübner

Auch bei der Produktion zu unserem Debüt-Album gab es immer wieder zahlreiche Hürden, durch die sich der Release auf über zwei Jahre nach dem Beginn der Aufnahmen verzögert hat. Zum Beispiel erhielten wir beim Einspielen der Songs nur sehr wenig, beziehungsweise oft gar keine Unterstützung vom Besitzer des Studios, der eigentlich in der Funktion eines Aufnahmeleiters fungieren sollte. So gab’s dann viele Sachen, die notgedrungen passiert sind und die wir rückblickend besser anders gemacht hätten. Im Großen und Ganzen sind wir aber zufrieden mit dem Ergebnis. Luki hat dem Album wirklich einen großartigen Mix verpasst und wir haben auch in Bezug auf die Qualität der Songs sehr gute Resonanz erhalten.

Wie viele bestimmt bereits gehört beziehungsweise gelesen haben, hat unser Bassist Benjyi die Band nach unserer Album Release Show Ende Juni verlassen. Auf die Gründe möchte ich nicht genauer eingehen, es gab einfach schon seit Längerem Meinungsverschiedenheiten und Ähnliches, das einem Vorantreiben der Band immer mehr im Weg stand. Natürlich ist das sehr schade, weil er ein Ausnahmemusiker ist und fixer Bestandteil von Wildhunt war, aber wir sind uns sicher, dass er auch weiterhin musikalisch aktiv bleiben wird und wünschen ihm alles Gute für seine zukünftigen Projekte.

Günther Mocivnikar©Simon Jappel, Eda Hübner

Günther Mocivnikar©Simon Jappel, Eda Hübner

Für unsere “European Sorceries” Tour hat uns Günther Mocivnikar, ein guter Freund von uns, den Arsch gerettet und in einem Monat sechs Songs am Bass gelernt. Er ist verdammt motiviert und wenn er die Tour mit uns übersteht, spricht nichts dagegen, dass er fix bei uns einsteigt.

music-news.at: Am 29. April habt ihr euer Album „Descending“ über „Metal on Metal Records“ released. Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit dem italienischen Label gekommen?

Elwitschger: Nachdem unser Album Ende 2015 endlich im Kasten war, kontaktierten wir so ziemlich alle Labels in Europa und Amerika, die uns passend erschienen. Jowita Kaminska von Metal on Metal Records hat uns schließlich das beste Angebot gemacht und wir kannten Jowita von ihren Platten-Covers. Für Luki und mich war es am Anfang etwas ungewohnt, dass nun auch eine dritte Partei bei

Decending©Wildhunt

„Descending“©Wildhunt

Entscheidungen rund um das Album mitreden wollte. Bei unterschiedlichen Meinungen haben wir aber immer Kompromisse gefunden und die Zusammenarbeit lief bis jetzt wirklich gut. Vor allem in Bezug auf Promotion sind wir wirklich in sehr guten Händen – die Verteilung der CDs für Reviews und so weiter wurde fast ausschließlich vom Label gemacht. Jowita und ihr Mann Simone sind absolute Metal Maniacs und sind auf vielen Festivals mit einem Stand vertreten und schalten auch immer wieder Annoncen in Magazinen und auf Webseiten. Leider haben wir uns bis jetzt erst einmal persönlich getroffen – das war beim diesjährigen Keep It True Festival in Deutschland.

music-news.at: Wie war bisher die Resonanz zu eurem Album?

Roth:Die Reaktionen von Fans und Fachpresse waren – soweit wir mitbekommen haben – bis auf wenige Ausnahmen sehr positiv, hauptsächlich wegen Musikalität, Songmaterial, Produktion und Sound. Natürlich ist für uns die positivste und motivierendste Kritik die in Sachen Wiedererkennungswert und Einzigartigkeit in Bezug auf Songs und Sound, was in jedem Fall meist ein Hauptfaktor für die überwiegend positive Bewertung war. Wir sind im Grunde mit dem Resultat von „Descending“ zufrieden, obwohl wir klarerweise beim nächsten Album die Stärken ausbauen und die Schwächen ausmerzen. It’s gonna be the ultimate Wildhunt record.

Elwitschger: In erster Linie machen wir die Musik ja für uns selbst und wenn sie dann auch anderen Leuten so gut gefällt wie uns, ist das natürlich das beste Gefühl, das man als Musiker haben kann, und die Bestätigung dafür, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat.

music-news.at: Eure kommende Tour führt euch durch weite Teile Europas – wer hat das Booking übernommen? Wie kam es zum Tourpaket Körgull The Exterminator, Vigilance und Wildhunt?

Roth: Das Booking für diese Tour hat der Touring Manager Alessio Medici von Etrurian Legion Promotion übernommen, er stellte somit das erste Bindeglied zwischen den drei Bands Körgull The Exterminator, Vigilance, uns und den Clubs beziehungsweise lokalen Promotern dar. Er hat auch die jeweiligen Gagen-Deals und einige Schlafplätze organisiert. Um den Transport, beziehungsweise das Routing haben wir uns selbst gekümmert, insgesamt durchqueren wir zehn Länder und legen in etwa 7000 Kilometer zurück.

Elwitschger: Ich finde, das Line-Up ist gut gewählt, da es sich nicht um typische Klischee-Retro-Thrash-Bands handelt, sondern jede Band, meiner Meinung nach, eigenständig und komplett unterschiedlich ist. Ich hab‘ noch keine der anderen Bands live gesehen, bin also selbst schon sehr gespannt – auch auf die gemeinsame Zeit Off-Stage.

music-news.at: Insgesamt spielt ihr neun Konzerte in sieben verschieden Ländern. Wie bereitet man sich auf so etwas vor?

European Sorceries Tour Plakat©Etrurian Legion

European Sorceries Tour Plakat©Etrurian Legion

Roth: Nachdem unser Kumpel Güne der Band erst vor wenigen Wochen beigetreten ist, standen natürlich Proben für die Tour an erster Stelle. Der Wahnsinnige schlägt sich bestens und hat die komplette Setlist in nur wenigen Tagen im Kasten gehabt, Prost an den neuesten „Wild Hunter“ im Bunde. Wie bereits erwähnt, hat uns Güne wirklich den Arsch gerettet und sich sofort perfekt in die Band eingepasst. The basshunter is ready to kill, die Tour kann kommen. Wenn er es mit uns danach auch weiterhin aushält, steht der fixen Zusammenarbeit nichts im Wege.

Ansonsten haben wir in den letzten Tagen alle organisatorischen Details wie Routenplanung oder Equipmentwartung in Angriff genommen und allen nötigen Kleinscheiß für die Tour gekauft.

music-news.at: Ganz spontan – welches Basic Survival Kit, glaubt ihr, braucht man unbedingt auf Tour?

Roth: Milliarden Paare Drumsticks, Millionen Reservefelle, Whiskey, Cola, Whiskey Cola, Parkemed, ein Speibsackerl und den Ultra Car CD Hit Mix 5000.

Elwitschger: Als Gitarrist natürlich genügend Reserve-Saiten, Gaffa-Tape, ab und zu ein Bett, Wasser, Bier, CDs und ein brünftiges Opossum.

music-news.at: Gibt es schon Pläne für die Zeit nach der Tour?

„Auf der Stelle zu treten und sich auf bisherigen Geschehnissen auszuruhen, liegt nicht in unserem Sinn.“

Roth: Natürlich. Wir arbeiten permanent an unserem Spiel und Sound und nehmen im Moment zu diesem Zweck verstärkt Demos im Proberaum auf. Wir planen bereits zukünftige Recording Sessions und schließen eine Single beziehungsweise eine Split-Veröffentlichung zwischen „Descending“ und unserem nächsten Full-Length-Album nicht aus. Wir sind bereits im Gespräch mit verschiedenen Studios und werden die Songs, wie gehabt, in Eigenregie produzieren, aufnehmen und mischen, um uns arrangement- und soundtechnisch weiterzuentwickeln. Auch neue Stücke sind in der Mache und die nächsten Auftritte ins Auge gefasst. Auf der Stelle zu treten und sich auf bisherigen Geschehnissen auszuruhen, liegt nicht in unserem Sinn.

Elwitschger: Genau: proben, proben, proben und weiter an den Songs für das nächste Album schreiben, die schon jetzt keinen Fan von „Descending“ enttäuschen würden.

music-news.at: Klingt vielversprechend – wir sind gespannt. Danke für das Interview.

Roth: Danke für das Interview und dein Interesse, Prost.

Elwitschger: Hunt em down, danke für den Support.

Wildhunt im Studio©Wildhunt

Wildhunt im Studio©Wildhunt

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