Für Aufschrei sorgte Sinéad O’Connor in den 1980er-Jahren, als sie gegen den Willen ihrer Label-Bosse zum Rasierer griff und prompt ihre Haare abrasierte. Ein Schutzmechanismus im männerdominierten Musikbusiness. Das Bild der 1980s Sängerinnen war klar vorgegeben und ließ den jungen weiblichen Künstlerinnen kaum Freiraum – weder beim Performen, noch bei deren Look. Eine verzwickte Situation. Sinéad O’Connor verschaffte sich diesen dringend nötigen Freiraum innerhalb weniger Minuten beim Barbier um die Ecke. Der Buzz-Cut war geboren. Aus zierlich und niedlich wurde frech und das, was man heute als „Zero Fucks Given“ bezeichnet.

Die Singer/Songwriterin Mona Ida trägt ebenfalls einen Buzz-Cut, zeigt Eleganz und bahnt sich mit viel Liebe und Poesie ihren Weg in der heimischen Musikszene. Dabei benötigt die Bregenzerin nicht mehr als ihre Gitarre und die Fähigkeit, Geschichten gekonnt in Songs zu verpacken. Ein Interview mit der Vorarlberger Songwriterin.

Music News: Wolltest du durch den Buzz-Cut auch etwas frecher und freier wirken, dich von der „niedlichen Songwriterin“, die es ja bekanntlich wie Sand am Meer gibt, abgrenzen?

Mona Ida: Hmm. Buzz-Cut. Ja… einerseits wollte ich mich schon abgrenzen. Andererseits wollte ich mir aber auch schon immer mal die Haare rasieren. Einfach so. Hab das dann etwas angeheitert in die Runde geworfen und mein Cousin hat dann etwas später, als ich gar nicht mehr dran gedacht habe, einfach die Schere genommen und mir den Rossschwanz abgeschnitten. Und ich war mit dem schlussendlichen Ergebnis sehr zufrieden. Zumal mein damaliger Freund gerade mit mir Schluss gemacht hat und Frau so etwas ja immer sehr gern an ihren Haaren auslässt.

Music News: Als Frau in Vorarlberg die Haare abrasieren – doch etwas mutig. Was gab es für Reaktionen?

Mona Ida: Ich hab mir damals die Haare in Wien geschoren. Die Blicke waren in Wien nicht anders als in Vorarlberg. Mich hat noch nie wirklich interessiert, was andere von mir denken. Außerdem wollte ich einfach nicht dem klassischen „Schönheitsideal“ der Frau mit langen Haaren entsprechen. Viele Leute sollten sich einfach abgewöhnen, Menschen auf ihr Äußeres zu reduzieren. Ich versteh auch gar nicht, wieso wir jetzt über meine Frisur reden. Focus on the music! (lacht)

Music News: Würdest du Sinéad O’Connor überhaupt zu deinen Einflüssen zählen, optisch sowie musikalisch? Welche anderen MusikerInnen inspirieren dich?

Mona Ida:Nein eher nicht, tolle Frau mit großartiger Stimme, aber beeinflusst hat sie mich nicht wirklich. Auch nicht beim Haare rasieren. Inspirieren… fällt mir schwer zu beantworten. Ich liebe Patti Smith, Sophie Hunger, Voodoo Jürgens und die Beatles. Mir fällt es auch immer total schwer, wenn mich wer fragt, zu welchem Genre ich meine Musik zählen würde. Ich mach irgendwie mein Eigenes, was mir grade so einfällt und gefällt.

Music News: Jetzt aber endgültig weg von der Frisur und hin zur Musik. Es scheint, dass du gerne Geschichten erzählst und diese sehr gut. Legst du den Fokus deiner Musik auf die Lyrics?

Mona Ida: Passt – Ich lass sie sowieso wieder wachsen grade. Dankeschön! (lacht)
Nein, nein, die Lyrics sind bei mir vorerst nebensächlich. Bei mir geht’s hauptsächlich um den „Vibe“. Die Geschichten passieren sehr oft aus Zufall.

Music News: Gibt es zuerst den Text und dann die Musik?

Mona Ida: Immer zuerst die Musik. Ich hab eine recht einfache Akkordfolge, zu der ich zuerst lange einfach nur improvisiere. Und dann finde ich das gut, oder eben nicht – wenn ich’s gut finde, dann setze ich mich hin und bemühe mich um was Handfestes. Was manchmal dann klappt oder eben nicht, aber dann sing ich’s trotzdem und dann halt mit Improvisation.

Music News: Wine is bottled poetry: Trinkst du viel während du schreibst beziehungsweise gibt es einen Ort, der magischen Einfluss auf dich hat?

Mona Ida: Ich schreibe öfter mal, während ich trinke, aber öfter trinke ich und so ergibt sich dann öfter mal was. Irgendwie gibt es viele Orte, die „magischen“ Einfluss haben. Textzeilen fallen mir überall und meist spontan ein. Ob im Zug, im Cafe, in der Schiffskajüte meines Großvaters, während einer langweiligen Vorlesung, im Kino, an der Tankstelle, beim Metzger oder nachts beim Nacktbaden im Bodensee. Wenn man schreiben will, gelingt es nicht immer, und denkt man nicht an das Schreiben, hat man oft die besten Ideen. So wie’s im Leben eh immer läuft.

Music News: Du bewegst dich sprachlich in deinen Texten zwischen Englisch, Hochdeutsch und Vorarlberger Dialekt. Ist die Entscheidung noch nicht gefallen, welche Sprache dir beim Schreiben am Besten liegt, oder experimentierst du einfach gerne?

Mona Ida: Momentan experimentiere ich auch recht viel mit ganz anderen Sprachen. Portugiesisch, Französisch, alles ein bisschen dabei. Ich fühle mich wohl beim englischen Textwriting, aber es zieht mich schon mehr zu deutschen Texten.

Music News: Im Juli hast du zwei Singles veröffentlicht. „I hon da no nochgschot“ und „Poltergeist Pussygrabbing“. Es tut sich sehr viel bei dir. Wann kommt die Debüt-EP?

Mona Ida: Ich war Anfang August wieder im Studio und habe wieder drei neue Songs aufgenommen. „Tage im Paradies“ ist ähnlich aufgebaut wie „I hon da no nochgschot“ – englischer Verse und ein Refrain im Dialekt. Ich hab ihn eigentlich auf der Loop-Station geschrieben, also ein ziemlich vielstimmiges Lied und ein absoluter „Sommer-Happy-Song“, der von einem meiner schönsten Sommererlebnissen erzählt. Wir waren um die zehn, fünfzehn Leute und haben einige Tage in der Natur verbracht, in Hängematten geschlafen, Musik gemacht, gebadet, gefeiert und gegrillt. Die Tage im Paradies leuchten in meinem Herzen. Bei „Please Whisper“ habe ich neue Stimmlagen ausprobiert und auch auf der Gitarre ist der Song etwas anspruchsvoller. Der Song ist all den Mädchen und Frauen gewidmet, die unter starken Regelschmerzen leiden. Veröffentlicht werden die drei Singles in den nächsten Wochen auf Soundcloud. Die Videos dazu werden wahrscheinlich wieder recht spontan passieren. Es tut sich auf jeden Fall etwas.

Music News: Gibt es den sogenannten politischen Aktivismus in deiner Musik? Trittst du in deiner Musik für die Durchsetzung von gewissen Absichten ein?

Mona Ida: Ich möchte mich eigentlich in meiner Musik nicht politisch äußern, nur für den Frieden, da kommt dann manchmal das naive kleine Hippie-Blumenmädchen in mir zum Vorschein. (lacht) Manchmal hasse ich aber auch alles und jeden, dann wird’s ein bisschen düsterer, das ist dann situationsbedingt. Aber ich find das schon cool, wenn KünstlerInnen politische Statements abgeben, solange das gut und in kultiviertem Rahmen geschieht und niemand wirklich so richtig durch den Dreck gezogen wird.

Music News: Von großem Potenzial im „Ländle“ wird ja immer wieder gesprochen. Bekommen MusikerInnen aus Vorarlberg genug Möglichkeit ihr Potenzial auszuschöpfen – sprich ihre Musik zu präsentieren – oder besteht deiner Meinung nach Handlungsbedarf?

Mona Ida: Nein, nicht unbedingt, sofern ich das beurteilen kann. Ich finde das Ländle bietet einen sehr guten und feinen Start. Es gibt hier viele Möglichkeiten und viele nette und tolle Leute, die speziell junge MusikerInnen fördern. Was danach passiert, schaut man dann halt mal.

Music News: Lässt sich das Wort „Newcomer“ in Vorarlberg überhaupt verwenden? Über Langlebigkeit verfügen sogennante „Newcomer-Bands“ in Vorarlberg nicht wirklich, oder? Einige sind genau so schnell verschwunden, wie sie auftauchten.

Mona Ida: Die, die auftauchen und wieder verschwinden, die gibt’s doch überall. Es fehlt eben an den Labels in Vorarlberg, das auf jeden Fall. Aber wenn Potential dahintersteckt und viel Arbeit, dann kann man so vieles erreichen. Man muss nur „dahinter bleiben“ und zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Menschen treffen, das ist der Haken dabei, denke ich.

Music News: Wien bietet deutlich bessere Chancen für MusikerInnen von einem Label wahrgenommen zu werden. Könntest du dir vorstellen Vorarlberg zu verlassen, um die Musik richtig professionell in der Bundeshauptstadt anzugehen?

Mona Ida: Jetzt mach ich mal hier in Vorarlberg mein Ding und dann kann man ja irgendwann weiterschauen. Ich bemühe mich, so gut es geht, im Jetzt zu leben, so schwer es mir auch manchmal fällt.

Music News: Danke für das Gespräch.

„Can you even imagine a world without hate? Would you appreciate mankind’s kindness if there were no wars? Is it possible to live in a life without misunderstandings?“ – Poltergeist Pussygrabbing

Mona Ida – Live-Dates Herbst 2017

09. September 2017 – Gartenfest Frastanz


20. Oktober 2017 – Treppenhaus Rorschach


25. Oktober 2017 – Kammgarn Hard (Mit AVEC)

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