Tobias Schedler und Dominik Immler von der Metalcore Band The Sorrow haben endlich Licht ins Dunkel gebracht und mit uns über die Gründe für ihre Pause und das neue Album gesprochen.

Nach ihrem Wechsel zu Napalm Records und ihrem letzten Album „Misery Escape“ wurde es in den vergangenen zwei Jahren äußerst ruhig um die Metalcore Band The Sorrow. Nach Touren quer durch Europa sowie YouTube-Videos jenseits der 700.000 Klicks war der internationale Erfolg für die vier Vorarlberger quasi vorprogrammiert – bis sie plötzlich von der Bildfläche verschwanden. Wir haben bei Bassisten Tobias Schedler und Schlagzeuger Dominik Immler nachgefragt, warum eine Auszeit nötig war, was die Zukunft bringt und wie viel Vorarlberg in ihnen steckt.

PARADOX: Bevor wir lange um den heißen Brei herumreden: Dürfen wir uns dieses Jahr auf ein neues Album von euch freuen?

Tobias Schedler: Ich kann noch nichts von einem Termin sagen. Genauso wollten wir jetzt auch die Band gestalten, dass wir einfach machen, worauf wir Bock haben. Wenn uns der Kopf zum Materialschreiben und zum Aufnehmen steht, dann machen wir das.

PARADOX: Vor allem Songs wie „Follow The Lights“ UND „Misery Escape“ hatten einen auffallend melodischen Refrain mit Clear-Vocals. Wollt ihr euch da in eine gewisse Richtung weiterentwickeln oder einfach eure Bandbreite erweitern?

Schedler: Ich glaube, wir werden uns nicht großartig verändern. Was definitiv kommen wird, sind vereinzelt Nuancen von Sachen, die uns in letzter Zeit beeinflusst haben. Jeder von uns hat seinen musikalischen Horizont entsprechend erweitert und hört mittlerweile privat andere Musik.

PARADOX: Habt ihr schon einmal an ein Akustik-Album gedacht?

Dominik Immler: Nein, bis jetzt haben wir das nicht angedacht und das wird beim nächsten Album auch ganz sicher nicht der Fall sein.

Schedler: Für ein Akustik-Album, denke ich, sind wir absolut ungeeignet. Ich sehe das als ein für The Sorrow komplett ungeeignetes Konzept, weil wir von der Energie und der Brachialität leben.

PARADOX: Ich möchte natürlich auch kurz auf eure Pause zu sprechen kommen. War es eine bewusste Entscheidung, eine Pause zu machen, oder ist das mehr oder weniger einfach passiert?

Schedler: Das war von uns eine absolut bewusste Entscheidung. Unser Gitarrist Andreas hat noch einmal eine Ausbildung gestartet und das war dann der Auslöser. Wir waren da alle schon relativ ausgebrannt und haben die Pause genossen.

PARADOX: War es von vorn herein klar, dass ihr weitermachen werdet, oder war sogar ein absolutes Ende in Sicht?

Schedler: Das war zu Beginn eigentlich gar nicht abzusehen. Die Pause hat sich schon sehr in die Länge gezogen. Dann haben wir wieder Gespräche geführt und sind zum Entschluss gekommen, dass wir gerne auf der Bühne stehen und gerne Musik zusammen machen, aber dass wir das in Zukunft zu eigenen Konditionen machen wollen und nicht von einem Musikbusiness oder von irgendeinem Booking diktiert bekommen wollen. Der Markt verlangt von einer Band, dass sie an jeder Steckdose spielt, damit der Name im Spiel bleibt. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, das so nicht mehr mitzuspielen, weil unser Privatleben und unser berufliches Leben eine größere Rolle spielen. Wir sind ja nicht mehr ganz so jung.

„Es war einfach einmal ganz wichtig, Urlaub für sich selbst zu haben und nicht den Urlaub immer für die Band auf die Seite zu bunkern.“

PARADOX: Und jetzt legt doch einmal eure Karten auf den Tisch: Was habt ihr in dieser Auszeit gemacht? Und nein, ich möchte nichts von Prioritäten ordnen oder dergleichen hören. Hat jemand von euch die Welt umsegelt? Und vor allem: Seid ihr weiterhin als Freunde einen Weg gegangen oder wart ihr getrennt?

Schedler: Ich kann jetzt nur für mich sprechen. Ich hab vor etwas mehr als drei Jahren meine jetzige Freundin in Wien kennengelernt, hab mit ihr den Umzug nach Vorarlberg vollbracht, wir haben mittlerweile zusammen eine Wohnung gekauft, waren in Mittelamerika und in Südostasien. Es war einfach einmal ganz wichtig, Urlaub für sich selbst zu haben und nicht den Urlaub immer für die Band auf die Seite zu bunkern. Das war für mich ein großer Part – einfach einmal ein Privatleben zu haben.

Immler: Ich hab mich mehr auf den bürgerlichen Beruf konzentriert. Natürlich, rund um die Welt segeln war nicht. Aber man war mal in Südtirol im Urlaub oder so ähnlich. Schlagzeugspielen war nach wie vor wichtig – da steckt schon Herzblut drin. Mit der Band war ja komplett Pause: Es war keine Probe in dieser Zeit und man will das Instrument nicht vernachlässigen. Da war man intensiv dran und hat die eine oder andere Recordingsession gemacht, um am Ball zu bleiben und um den Trieb zu befriedigen.

PARADOX: Erst vor kurzem hat Metal Hammer euch in einem Atemzug mit Killswitch Engage und Bullet For My Valentine genannt. Wie hat sich eure Pause auf eure internationale Karriere ausgewirkt?

Schedler: Die Pause hat auf die internationale Karriere definitiv einen Einfluss gehabt. Unser letztes Konzert vor dem Hiatus haben wir in Weißrussland gespielt. Wir waren da gerade in Russland unterwegs, sind dann heim und haben zwei Jahre lang nichts gemacht. In der Zeit sind Angebote für Mittel- und SüdamerikaTouren gekommen. Wir bekommen jetzt Angebote für die USA, Russland, Metal Cruises und solche Sachen. Aber wir müssen unserer Linie und jedem einzelnen von uns treu bleiben, weil wir gewisse Sachen einfach nicht mehr wahrnehmen können. Wir haben uns bewusst dazu entschieden, mit der Band kürzer zu treten, aber wir sind happy damit. Vielleicht hat es der internationalen Karriere einen Abbruch getan, aber ich glaube, hätten wir damals noch eine längere Tour gemeinsam gespielt, dann wäre die Band jetzt nicht mehr am Start.

PARADOX: Lassen wir die große weite Welt kurz beiseite: Ihr kommt alle aus dem westlichsten Bundesland Österreichs. Wie ist der typische Vorarlberger denn so und zählt ihr euch auch dazu?

Schedler: Ich muss mich mittlerweile dazuzählen. Ich hab eine Eigentumswohnung, einen Hund, geh’ gern in die Berge, trink’ gern das lokale Bier und ess’ gern Käsknöpfle. Ja, ich denke, dass ich ein ziemlich eingesessener Vorarlberger bin.

Immler: Das ist bei mir auch so ähnlich. Dem Vorarlberger sagt man nach, dass er ein Sparefroh ist. Ich denke, dafür muss man sich nicht schämen.

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(c) Sascha Pseiner

PARADOX: Und wie schaut es mit Skifahren oder Tracht aus?

Schedler: Nein, nein, also Tracht ist wirklich das Einzige, in dem man uns nie sehen wird. Von Lederhose oder Hölzlern – das sind so Holzschuhe mit Fell bezogen – sind wir weit entfernt. Aber Skifahren und in die Berge gehen ist zumindest für uns zutreffend.

PARADOX: Werfen wir doch auch noch einen kurzen Blick auf die Musiklandschaft Vorarlbergs. Könnt ihr uns andere Bands aus eurem Bundesland empfehlen?

Schedler: Ich kann ganz warm die Band von einem sehr guten Freund von mir, dem Hansi, empfehlen. Die Band heißt Machine Gun Horror und macht guten Old School Thrash Metal – die könnten wirklich steil gehen.

Immler: Es gibt viele gute Bands in Vorarlberg, aber eine spezielle rauszuziehen ist ein bisschen schwierig. Es gibt auf jeden Fall eine Szene und ein sehr starkes Potenzial.

PARADOX: Jetzt haben’s diese sympathischen MetalcoreVorarlberger also tatsächlich auf die großen Bühnen des Wacken oder Summer Breeze geschafft. Gibt es da ein ultimatives Highlight, das euch noch immer in Erinnerung geblieben ist?

Schedler: Wahnsinnig waren die Masters of Rock Festivals in Tschechien. Da ist das Publikum um drei Uhr nachmittags dermaßen begeisterungsfähig, das haben wir selten auf irgendeinem Festival erlebt. Aber auch Summer Breeze, With Full Force Festival, Nova Rock oder Tuska in Helsinki sind Highlights, die ewig bleiben.

PARADOX: Und persönliche Highlights aus dem Bandleben, abseits von großen Festivals? Habt ihr eine lustige Geschichte für uns, die man erzählen kann?

Immler: Wir hatten in Amsterdam am ersten Tourtag einer EuropaTour gerade die anderen Bands kennengelernt und wollten den gemeinsamen Nightliner beziehen. Kurz davor ist der Tobi [Schedler] noch in die Gracht gestürzt. Dann war er komplett durchnässt.

Schedler: Mit Urinsuppe. Es war ziemlich grindig, weil jeder pisst da in den Graben.

Immler: Der erste Eindruck war vermutlich eher negativ, aber wir haben es ja wieder gut gemacht.

PARADOX: Gibt es ein musikalisches Idol, mit dem ihr gerne einmal zusammenarbeiten würdet?

Schedler: Es gibt so viele Bands in meinem Leben, die mich in einer gewissen Phase beeinflusst haben. Das geht von Judas Priest bis Machine Head, oder in den Anfangszeiten von The Sorrow waren es Killswitch Engage. Aber ich bin eigentlich ganz froh, meine Idole nicht kennenlernen zu müssen, weil sich vielleicht rausstellen würde, dass sie Arschlöcher sind.

PARADOX: Gebt uns doch bitte noch einen kleinen Ausblick auf’s kommende Jahr. Was plant ihr für die nahe Zukunft?

Immler: Das ein oder andere Konzert wird noch hereinplätschern. Den Songwritingprozess müssen wir auf jeden Fall intensivieren, aber das ist von unseren bürgerlichen Berufen abhängig. Auch so Sachen wie das 70.000 Tons of Metal wollen wir angehen und schauen, was auf uns so zukommt.

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