intelligente, elektronische Tanzmusik aus dem Morgenland

Baujahr 1981 – der Frankenthaler Produzent Boris Brejcha begann seine musikalische Ausbildung schon in den Kindertagen. Das Ausnahmetalent spielte bereits in jungen Jahren Schlagzeug und Keyboard, eine perfekte Schule für die folgenden Kapitel. Seine ersten beiden EP Releases, „Monster“ und „Yellow Kitchen“, hatte er auf dem Berliner Label Autist Records. Beide Songs erreichten sofort die Spitze der Download-Charts auf vielen digitalen Musikplattformen. Dieser Raketenstart brachte dem damaligen Shooting-Star sofort internationale Gigs ein und katapultierte seine Anerkennung gen Himmel. So wurde der Musiker zum „Talent des Jahres 2007“ des Musikmagazins Raveline gekürt.

Ein paar Veröffentlichungen später, wechselte Boris sein Stammlabel und wurde bei dem Label Harthouse ansässig. Mit Tracks wie „Die Maschinen Sind Gestrandet“, „My Love“ oder „Lost Memory“ verband er seinen eigenen Stil mit einem Maximum von Einflüssen, die zu der Zeit seinesgleichen suchte. Jeder Song des Frankenthaler kann als eine Art eigenes Abenteuer bezeichnet werden. Durch den ständigen Bedarf an mehr Details, Qualität und Originalität ist er den anderen meist einen kleinen Schritt voraus. Der Künstler läutete daraufhin eine neue Ära der elektronischen Tanzmusik: High-Tech Minimal war geboren. Nach mehr als sieben Jahren, mehreren Alben und unzähligen Singles in Zusammenarbeit mit Harthouse, war „Feuerfalter“ sein letztes Album auf dem Mannheimer Label. Sein Sinn für Humor und die Vorliebe für unkonventionelle Passagen schwingt in seinen Produktionen immer mit. Nach Jahren des Wirbelns wurde Boris ein konstanter Liebling in der weltweiten Clubszene. Mit seinem Ehrgeiz und dem Wunsch nach neuen und experimentellen Musikrichtungen, zeigt er seinem Publikum immer wieder, wie spannend Minimal Techno sein kann.

© FCKNG SERIOUS

Dann wurde es Zeit für etwas Neues: sein eigenes Label namens „FCKNG SERIOUS„. Zusammen mit Ann Clue und seinem besten Freund Deniz Bul wollen sie ihre Vorstellung von guter Musik und professionellen Strukturen auf der ganzen Welt verbreiten. Die wichtigsten Merkmale seines Schaffens sind ein drückendes, pumpendes Bass Fundament, treibende Percussion-Elemente, verrückte Sound-Effekte, moderne Melodien und unerwartete Wendungen in der Anordnung der einzelnen Tracks. Jeder Song erzählt quasi eine Geschichte. Seine unglaubliche Leidenschaft für Musik in Verbindung mit langjähriger Erfahrung als Produzent für verschiedene Genres verschmilzt in diesem exklusiven und unverwechselbaren besonderen Klang.

Eine faszinierende und gut durchdachte musikalische Reise, leidenschaftlich und schön verspielt. Er verbindet Techno und wunderbare Melodien wie kein anderer und schafft seine eigene Vorstellungskraft der elektronischen Tanzmusik, die ihn in der ganzen Welt berühmt gemacht hat. Sein Gefühl für die Musik und die Liebe für das, was er tut, macht seine Musik so besonders. Seine einzigartigen Songs kann man in einem seiner vielfach gefeierten Live Sets bewundern.

Der Produzent ist omnipräsent und tourt regelmäßig um den Globus. In Ländern wie Brasilien oder Russland ist er ein mehr als gern gesehener Gast und genießt Kultstatus. Ein Musikschaffender, der immer wieder neue Wege und Produktionstechniken ausprobiert, um diese bis zur Vollkommenheit auszureizen. Brejcha kreiert waschechte, extrem tanzbare Techno-Alben. Die Songs bieten trotz des relativ eng gesteckten Rahmens immer eine große musikalischen Bandbreite.

Interview

music-news.at: Kannst du den Zeitpunkt abschätzen, wann du gemerkt hast, dass die Leute auf deinen Sound abfahren und du die Musik hauptberuflich betreiben konntest?
Boris Brejcha: So etwas ist immer schwer einzuschätzen, da es meist fließend passiert. Aber ich denke bei mir ging es verhältnismäßig sehr schnell. Ich erinnere mich noch genau wie ich im November 2006 meine erste EP veröffentlicht habe und direkt im Dezember meinen ersten Auftritt in Brasilien gespielt hatte. Daran hätte ich nie gedacht. Mitte 2007 war dann abzusehen, dass ich so langsam hauptberuflich davon leben konnte und schließlich Anfang 2008 gab ich meinen Job bei der Telekom auf und lebe seitdem von der Musik und dem Reisen.

music-news.at: Eine sehr krasse Entwicklung, welche drei Dinge nimmst du mit auf eine einsame Insel?
Boris Brejcha: Definitiv meinen Musik Rechner, jede Menge Corona und Knusperpuffreis.

music-news.at: Du besitzt einen wahnsinnigen Output. Wie viele eigene Produktionen befinden sich circa in deinem Repertoire?
Boris Brejcha: Bereits veröffentlichte Lieder müsste ich nachzählen. Songs, die noch auf meinem Rechner schlummern und veröffentlicht werden müssen: sage und schreibe 133 Stück. Musste das vor ein paar Wochen erst nachzählen… Eigentlich könnte ich in Ruhestand gehen was das Produzieren angeht. Aber dafür liebe ich die Musik einfach viel zu sehr.

music-news.at: Ich bin beeindruckt, was ist denn deine Meinung zu Ghost-Producing beziehungsweise Ghost-Writing?
Boris Brejcha: Dazu kann ich wenig sagen, ist nicht so meine Welt. Würde ich persönlich auch nicht machen. Dann nutze ich die Idee lieber für mich selbst. Denn Ideen hat man auch nicht ewig. Wer es mag, kann es aber natürlich gerne machen.

music-news.at: Wie lautet dein Tipp für Newcomer um im Business wahrgenommen zu werden?
Boris Brejcha: Das Wichtigste ist, bleib dir treu. Produziere Musik, hinter welcher du zu 100 Prozent stehst. Nur dann kann man auch jahrelang Spaß daran haben. Das merken selbst die Fans auf der Tanzfläche, ob man dahinter steht oder nicht. Da sind wir auch schon beim eigentlichen Thema. Heutzutage ist die Musik, die man produziert, Werbung. Nur als DJ bekannt zu werden ist in der Regel Schnee von gestern, jedoch aber auch nicht komplett auszuschließen. Viele Clubs und Veranstalter buchen einen Aufgrund veröffentlichter Lieder oder auch aufgrund positivem Feedback der Fans oder den sozialen Netzwerken. Das Wichtigste ist allerdings das Gesamtpaket. Das heißt gute Musik, eine nettes Erscheinungsbild und einen guten Bezug zu seinen Fans. Und zuletzt, ein sehr gutes Durchhaltevermögen.

music-news.at: Wo siehst du die Szene in 50 Jahren? Welche grundlegenden Änderungen werden sich ergeben?
Boris Brejcha: Ich hoffe doch sehr, dass man sich dann endlich „Beamen“ kann. Das ewige im Flugzeug und am Flughafen sitzen ist schon ziemlich öde. Ganz ehrlich, über so etwas mache ich mir keine Gedanken. Es reicht schon, wenn ich mit meiner Altersvorsorge so weit in die Zukunft planen muss. Man kann also nur spekulieren. Ich würde behaupten, dass sich grundsätzlich nicht viel ändern wird. Mal ist unsere Szene stark, dann mal wieder etwas schwächer. Aber Party wollen die Menschen ja immer mal machen. Ich würde mir nur wünschen dass viel mehr Clubbesitzer Wert auf einen guten Klang in ihrer Location legen. Denn in 80 Prozent der Clubs ist die Akustik einfach sehr bescheiden.

music-news.at: Bester Gig ever?
Boris Brejcha: Definitiv das Universo Paralello Festival in Brasilien. Da stimmt einfach alles. Die Location ist direkt am Strand, die Sonne scheint, die Anlage ist top, weil es ein Open Air Event ist. Zusätzlich sind Brasilianer einfach super nette Menschen.

music-news.at: Als Kind wolltest du sein wie . . .?
Boris Brejcha: …ein Astronaut, danach dann doch lieber wie Michael Jackson und danach folgten Künstler wie zum Beispiel Cosmic Gate oder auch Blank & Jones.

music-news.at: Du hast mit Cubase 1 begonnen zu produzieren. Welches Equipment benutzt du im Moment für deine Musik?
Boris Brejcha: Stimmt, ich liebe Cubase. Hardware nutze ich nicht, außer einem Midi Keyboard und einem Mikrofon um meine Stimme aufzunehmen. Als Software kommt meist zum Einsatz: Spectrasonics Trilian & Omnisphere. Wobei Omnisphere in der jetzigen zweiten Version sehr nachgelassen hat. Alles von Fabfilter, Nexus und meinem absoluten Liebling, Alchemy. Ein Glück, dass ich den noch gekauft hatte, bevor Apple die Firma geschluckt hat. Um meine Stimme zu bearbeiten, nutze ich meist das Effekt Plugin Ircam Trax von Flux. Bei den Effekt Plugins kann ich aktuell den WOW 2 von Sugar Bytes und den Echobode von Sonic Charge sehr empfehlen.

music-news.at: Jetzt können unsere Leser sehr viel nachlesen, um das alles zu verstehen. Schenke uns bitte eine Lebensweisheit.
Boris Brejcha: „Go with the flow“. Umso öfter man reist umso mehr lernt man, wie andere Länder im Vergleich zu Deutschland (Europa) ticken. Hier bei uns ist alles „in time“. So etwas würde zum Beispiel in Brasilien nie funktionieren. Dort ist alles eher „in the flow“. Kommt der Fahrer nicht um 13 Uhr, dann kommt er eben um 14 Uhr. Bescheid sagen tut der Fahrer aber nicht extra. In einigen Lebenslagen ist das ziemlich gut finde ich. So genießt man das Leben um einiges mehr. Im Vergleich dazu können wir, die Deutschen, uns schon noch etwas lockerer machen. Von „in time“ und „alles nach Plan“ wird die Welt auch nicht unbedingt besser. Eher stressiger. Aber ich merke, dass ich immer wieder selbst meine Probleme mit dem „flow“ habe.

music-news.at: Was ist das Peinlichste, das du je erlebt hast?
Boris Brejcha: Lass mich euch das Zweitpeinlichste erzählen. Ersteres ist einfach zu peinlich für die Öffentlichkeit. Nach einem Auftritt in Russland bin ich mit den Veranstaltern noch Billiard spielen gegangen. Natürlich gab es reichlich Wodka pur. Die Folge davon: ich erinnere mich, wie ich in das Hotelzimmer gegangen bin und… dann erst wieder daran, wie mich ein anderer DJ mit samt Klamotten unter die kalte Dusche gestellt hatte. Nachdem ich etwas zu mir kam, sah ich dass das komplette Hotelzimmer voll gekotzt war, inklusive meiner ganzen Klamotten. Der DJ, der mich unter die Dusche gestellt hatte, musste mir dann eine seiner Hosen leihen um nach Hause zu fliegen. Größe XXL… und ich habe Größe S. Da stand ich nun, am Flughafen in Russland. Noch total besoffen und in einem „Kartoffelsack“ eingekleidet. Gott war ich froh, als ich zu Hause hinter mir die Türe zu machen konnte.

music-news.at: Eine geile Geschichte, auf so eine Antwort hatte ich gehofft. Welchen eigenen Song würdest du einem fremden Menschen vorspielen und warum?
Boris Brejcha: Ich denke es wäre „Purple Noise“. Dieses Lied hat nach meinem Empfinden einfach super viel Herz. Trotz, dass der Titel ordentlich nach vorne geht. Mit diesem Titel kann man fast jedem Menschen ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern.

music-news.at: Wenn du ein Tier wärst, welches und warum?
Boris Brejcha: Definitiv ein Vogel. Sich vom Wind tragen zu lassen stelle ich mir einfach unheimlich toll vor. Es vermittelt, denke ich, das beste Gefühl frei zu sein.

music-news.at: Muss ich dir recht geben, hast du einen Lieblingswitz?
Boris Brejcha: Einen Lieblingswitz habe ich nicht. Aber spontan fällt mir der hier ein: Sitzen zwei Kühe auf einer Palme und spielen Poker. Währenddessen fliegt ein Ufo vorbei. Sagt die eine Kuh zu der andern, „Sachen gibts“.

music-news.at: Sinnloser Humor, den kannte ich noch nicht. Treibst du Sport? Wenn ja, welche Sportart?
Boris Brejcha: Ich spiele öfter mal Squash oder gehe in die Sauna. Schwitzsport sozusagen. Fußball wird nur auf der PSX als Fingersport ausgeübt, in gemütlicher Runde und kaltem Bier.

music-news.at: Was ist für dich das Wichtigste im Leben, beziehungsweise woran glaubst du wirklich?
Boris Brejcha: Für mich persönlich stehen an erster Stelle meine Familie, Freunde, gesund zu sein und Musik machen zu können. Glauben tue ich an das, was ich sehe. Ich bin ein totaler Realist.

music-news.at: Hast du Tipps für unsere Leser, wie sie die Schwelle zur ersten eigenen Veröffentlichung meistern können?
Boris Brejcha: Gute Frage. Tipps gibt es da nicht wirklich. In der Regel läuft das immer noch ziemlich klassisch ab. Man hat ein gutes Lied produziert, knüpft Kontakt mit einem Label, das man mag, und wenn die den Titel gut finden, wird sich da auch etwas aufbauen. Oder eben wie man so schön sagt „Vitamin B“. Das kann auch helfen.

music-news.at: Erzähl uns was über deine zukünftigen Projekte, mit wem sind Kollabos oder andere Dinge geplant?
Boris Brejcha: Aktuell habe ich vor ein paar Tagen mein fünftes Album fertig gestellt, welches am 22.02.2016 veröffentlicht wird. Auf meinem Label „FCKNG SERIOUS“. Es werden ganze 22 Lieder drauf sein, da die Zahl 22 meine Lieblingszahl ist. Eine Vinyl dazu ist gerade in Bearbeitung. Des Weiteren ist schon seit längerem eine Zusammenarbeit mit Felix Kröcher geplant. Aber wir hatten bisher leider noch keine Zeit gefunden, um uns mal relaxt zusammen zu setzen. Das geht schon seit Monaten so. In der Vergangenheit hatten wir schon einige FCKNG SERIOUS Label Nights in verschiedenen Ländern. Da werden wir uns in der Zukunft noch mehr drauf konzentrieren. Des Weiteren sind wir dabei die FCKNG SERIOUS SHOW, die wir im vergangen August in Sao Paulo als Premiere gestartet haben, nach Europa zu bringen. Das ist durch den ganzen technischen Aufwand nicht so einfach, aber ich hoffe wir bekommen das hin.

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