Seit 2002 machen Camo und Krooked Musik, seit 2007 sind sie Camo & Krooked. In den vergangenen Jahren haben sie es zu einem international erfolgreichen Drum’n’Bass Duo gebracht und im September sind sie wieder in Österreich.

PARADOX: Was ist die Essenz eurer Musik? Geht es um die Live-Stimmung, den perfekten Sound oder versucht ihr, mit Klängen Geschichten zu erzählen?

Krooked: Es ist eine Mischung. Es geht in die Richtung, Klänge zu erzeugen, die unique sind und im Drum’n’Bass-Kontext noch nicht gemacht wurden. Für uns gilt es, so viel Emotion wie möglich zu erzeugen und dass es erwachsener klingt. Natürlich ist der Live-Aspekt wichtig. Wir schauen immer noch, dass wir in unseren Tracks einen gewissen Höhepunkt haben, der live funktioniert.

PARADOX: Würdet ihr Österreich als fruchtbaren Boden für elektronische Musik bezeichnen oder führt der Weg zum Erfolg nur über das Ausland?

Camo: Österreich ist schon ein fruchtbarer Boden. Im Drum’n’Bass gibt es extrem viel, was auch international Erfolg hat. Da gibt’s den DKAY, den Mefjus, Forward, Body&Soul. In den meisten angesagten Electro-Genres kommt immer einiges aus Österreich. Overall ist es natürlich schon wichtig, im Ausland Erfolg zu haben, damit man im Inland als erfolgreicher Artist angesehen wird. Wie man so schön sagt: ‚Der Prophet im eigenen Land‘. Das ist in Österreich sicher der Fall.

Krooked: Das Internet muss definitiv zur Hilfe gezogen werden, nur über Österreichs Medien ist es schwierig, international etwas zu erreichen. Österreich bekommt über die Festivallandschaft Rang und Namen. Im Drum’n’Bass tut sich schon seit Ewigkeiten viel, siehe ehemaliges Urban Art Forms oder jetzt Nu Forms. Ich glaube, es gibt auf der ganzen Welt kein so fettes Drum’n’Bass Line Up wie am Nu Forms und am Let it Roll in Tschechien.

PARADOX: Gibt es einen Künstler, mit dem ihr gerne zusammenarbeiten würdet?

Camo: Unsere größten Influences sind auch die, mit denen wir irgendwann gerne zusammenarbeiten
würden. Zum Beispiel Moderat, Apparat, Stephan Bodzin… Aber gerade da ist es oft schwer. Künstler, die ihr Herzblut reinstecken, sind nicht die, die mit anderen Leuten einfach gemeinsam Tunes machen. Die leben in ihrem eigenen Ding. Aber ein Traum ist es natürlich schon. Dann gäbe es natürlich noch viele Vokalisten.

Krooked: Zum Beispiel Thom York von Radiohead. Es gibt viele Musiker, mit denen man sich vorstellen könnte, zusammenzuarbeiten, aber was rausspringt, ist die andere Frage. Oft ist es gut, wenn man seine Idole hat und die unantastbar sind. Man versucht, auf das gleiche Level zu kommen und vielleicht schafft man es dann auch ohne eine Kollaboration.

PARADOX: Hört ihr privat Musik, die völlig von eurer eigenen Musik weggeht?

Camo: Wir hören privat ganz wenig Drum’n’Bass. Wenn wir nicht aus dem Drum’n’Bass kommen würden, würden wir vielleicht sogar andere Musik machen. Für uns ist es die Herausforderung, die Musik, die wir lieben, zu hören, in den Drum’n’Bass zu bringen und sie so zu gestalten, dass sie etwas ist, für das wir stehen können; etwas erwachsener und nicht nur Hau-Drauf-Drum’n’Bass.

Krooked: Privat hören wir etwas ruhigere Musik. Moderat ist ganz vorn dabei, Nils Frahm, Olafur Arnalds, voriges Jahr ist das Tame Impala-Album „Currents“ auf und ab gelaufen. Es gibt also vieles und das wenigste im Drum’n’Bass. Was uns am Drum’n’Bass hält, sind unsere Roots und die Freude auf diesem Tempo zu experimentierten.

Camo: Und die Energie am Floor. Auf einer Drum’n’Bass Party geht’s einfach mächtig ab. Das findet man sonst eigentlich nirgends, vielleicht auf irgendeinem Rave, aber da ist die Musik ja dann wirklich schon schirch.

PARADOX: Anfang September spielt ihr am Nuke Festival. Welche Acts werdet ihr euch ansehen?

Krooked: Die Fantastischen Vier sind am Start, oder? Die schauen wir uns natürlich an. 5/8erl in Ehr’n schau ich gern an, die taugen mir extrem.

Camo: Gudrun von Laxenburg mit neuer Band, auch sehr interessant. Mit einer faszinierenden Entertainment-Show, wo es schon mehr um das ShowElement geht als um die Musik. Ist aber wirklich unterhaltsam, das sollte man sich nicht entgehen lassen.

PARADOX: Was dürfen sich eure Fans von euren kommenden Shows im Sommer erwarten?

Krooked: Vor allem neue Musik vom kommenden Album, das Ende des Jahres released wird. Vielleicht der ein oder andere Überraschungsgast, viel Motivation, Emotion und Energie. Eventuell sogar eine kleine Erweiterung unseres DJ-Sets. Wir planen eine spezielle DJ-Show, die sich nicht nur auf’s Auflegen konzentriert.

Camo: Also dass wir noch einen Synthesizer mitbringen. Aber das ist noch in Arbeit und nicht sicher, dass das bis dahin klappt.

Krooked: Die Zeitgeist-Show war live mit Synthesizer und Drum Kit. Ein DJ-Set beinhaltet mehr Energie und ist nicht vergleichbar mit einer Live-Show. Die Drum’n’Bass Fans wollen lieber ein DJ-Set hören, nur hat uns das Konzept der Zeitgeist-Show extrem getaugt und wir wollten es nicht fallen lassen. Es fügt dem ganzen Set noch etwas mehr ‚liveliness‘ hinzu, wenn wir nicht nur Knöpferl drücken, sondern dazu auch was gespielt wird.

PARADOX: Euer letztes Album, „Zeitgeist“, ist 2013 erschienen. Was erwartet uns am Nachfolger?

Krooked: Wir haben ein paar Vocal-Tracks mit Österreichern. Zum Beispiel mit James Hersey und ein Track mit dem ROBB. Wir können noch nicht zu viel verraten aber es geht in eine progressive Richtung. Wir entwickeln uns sehr schnell weiter, machen aber keinen musikalischen U-Turn, sondern eine progressive Weiterentwicklung. Wir werden erwachsener und unser Sound wird auch erwachsener. Aber das meiste ist auf Drum’n’Bass-Tempo. Ob es von den Leuten als Drum’n’Bass-Album gesehen oder gehört wird, das steht in den Sternen, das ist uns eigentlich egal. Es war die Idee, ein Drum’n’Bass- Album zu machen, das nicht wie ein Drum’n’Bass-Album klingt.

Camo: Es ist auch egal unter welchem Label es ist, Hauptsache, es gefällt den Leuten. Hauptsache, es gefällt uns und das kann ich schon mal garantieren.

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